Dragon Quest XI: Hüter des Himmels – im Klassik-Test (DS)

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Spiel:Dragon Quest XI: Hüter des HimmelsPublisher:Square EnixDeveloper:Level-5Genre:RollenspielGetestet für:DSErhältlich für:DSUSK:6Erschienen in:8 / 2010

Zwischenzeitlich standen die Zeichen auf Sturm für die aktuelle Dragon Quest-Episode. Von einem Echtzeit-Kampfsystem und einem ausgedehnten Online-Modus war im Vorfeld die Rede, letztendlich wurde nichts davon umgesetzt. Was Ihr nun nach zweimaliger Verschiebung des Release-Termins und langen Wartemonaten auf die lokalisierte Fassung in Eure DS-Slots schiebt, könnte traditioneller nicht sein. Gott sei Dank! Denn Dragon Quest IX: Hüter des Himmels erinnert endlich wieder daran, warum die zuletzt strauchelnden JRPGs einmal die Königsklasse der Konsolen-Rollenspiele darstellten.

Rundenkämpfe, eine strikt lineare Hauptquest und ein schweigender Protagonist? Eigentlich alles undenkbar für moderne Rollenspiele. Manchmal entpuppen sich diese scheinbaren Design-Todsünden aber auch als alte Tugenden, wenn sie so ordentlich umgesetzt werden wie hier: So stürmt Ihr alleine oder mit maximal drei Mitstreitern durch 3D-Areale, die mit bunten Pastelltönen und umsichtiger Stilisierung die mangelnde Hardware-Kapazität des Handhelds durch einen sympathischen Comic-Stil kaschieren. Stoßt Ihr in sturmumtosten Ruinen, alten Kultstätten oder auf der weitläufigen Oberweltkarte mit Monstern zusammen, startet ein klassischer Rundenkampf. Der Vorteil: Im Gegensatz zu den früheren Zufallskämpfen könnt Ihr nun den meisten Kontrahenten ausweichen oder Euch auf Auseinandersetzungen vorbereiten. Die Scharmützel verwöhnen Euch mit dynamischen Kamerafahrten und liebevoll gestalteten Animationen, bleiben im Kern aber menübasierte Rundengefechte, in denen Ihr jedem Eurer Kämpfer pro Runde einen Befehl erteilt, Spezialangriffe oder Zauber wählt, weglauft oder ein Heilkraut einwerft.

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Langweilig werden Euch die Rundenkämpfe trotzdem nicht, denn neben der brillanten Präsentation – für die einmal mehr Charakterdesigner Akira Toriyama und Komponist Koichi Sugiyama verantwortlich zeichnen – sorgen ein simples, aber motivierendes Jobsystem und zig Ausrüstungsgegenstände für Abwechslung. Spektakulär ist dabei, dass sämtliche angelegten Rüst- und Mordwerkzeuge auch tatsächlich an Euren Spielfiguren zu sehen sind. Erkauft wird diese Flexibilität mit immensen Speicherdaten, denn Dragon Quest IX bietet Euch nur einen einzigen Spielstand, der regelmäßig überschrieben wird, wenn Ihr in einer der zahlreichen Kirchen den Priester anlabert.

Zusätzliche Kampf-Motivation birgt der formelhafte Aufbau der Hauptquest. Nach einem Prolog, in dem Euer Protagonist als engelsgleicher Beschützer des Dörfchens Engelsfälle vorgestellt wird, beraubt eine himmlische Katastrophe Euren selbst erstellten Avatar seiner Flügel und zwingt ihn, auf Heldenreise zu gehen. In schöner Regelmäßigkeit besucht Ihr also Dörfer und Städte, bekommt in hervorragenden deutschen Dialogen die Position des nächsten Dungeons verraten und räumt dort auf. Das bedeutet im Normalfall eine ausgedehnte Wanderung durch das Umland, denn mit einer ausreichend trainierten Party sind die Bossfights kein Problem.

Anstelle von drögem Aufleveln dürft Ihr bei jeder dritten Erfahrungsstufe eine wachsende Zahl von Skillpunkten verteilen und so, je nach gewählter Profession, zum Beispiel verbesserte Blockfähigkeiten mit dem Schild, Spezialangriffe mit bestimmten Waffen oder zusätzliche Attributsteigerungen erwerben. Ein umfangreiches System zur Item-Kreation und zahlreiche kleine Nebenquests runden dieses traditionelle und trotzdem rundum gelungene JRPG ab, das wohl auf unbestimmte Zeit die Referenz für DS-Rollenspiele darstellen wird.

Meinung

Max Wildgruber meint: Dragon Quest IX ist ein Paradebeispiel dafür, dass Innovation nicht zwingend den Abschied von liebgewonnenen Features bedeuten muss. Serienpapa Yuji Hori modernisiert lediglich behutsam, was sich in einer Dekade Video­spielgeschichte bei Japan-RPGs etabliert hat. Die Faszination entsteht einerseits durch den entwaffnenden Charme der Toriyama-Figuren und einen Sprachwitz, welcher den Dialogen der Dragon Quest-Remakes für DS in nichts nachsteht. Lediglich Kitsch-Elfe Stella stürmt hier mit arg zuckriger Niedlichkeit übers Ziel hinaus. Andererseits ist es das perfekt balancierte Zusammenspiel von bekannten Motivationsmechanismen, die das Abenteuer nicht altmodisch, sondern luftig und unterhaltsam wirken lassen: eine pfiffige Story, die stets wachsende Macht der Spielfiguren und eine zusammenhängende Spielwelt, in der man in jedem Winkel nach Abenteuern stöbern will.

Wertung

Ausrüstung Eurer Helden wird komplett in der Spielgrafik angezeigt
jede Menge Nebenmissionen, die online erweitert werden können
Koop-Modus für bis zu 4 Spieler

Würdige Fortsetzung einer großen Rollenspielserie auf zwei kleinen Displays. Charmant, motivierend und episch.

Singleplayer87MultiplayerGrafikSound

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