Code Vein II – im Test (PS5)

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Spiel:Code Vein IIPublisher:Bandai-NamcoDeveloper:Bandai-NamcoGenre:Action-RollenspielGetestet für:PS5Erhältlich für:PS5, XSXUSK:12Erschienen in:3 / 2026

Die Presse nahm Bandai Namcos Anime-Soulslike Code Vein seinerzeit mit gemischten Reaktionen auf. Die Spieler waren im Schnitt wohlwollender – letztlich werden es aber solide Verkaufszahlen gewesen sein, die den Weg für einen zweiten Streich ebneten. Rund sechs Jahre später geht das ­Action-Rollenspiel nun in die nächste Runde und schreckt nicht vor manch tiefgreifender Neuerung zurück.

Code Vein II erzählt die Geschichte einer dystopischen Welt, die am Rande des Abgrunds steht. Vor 100 Jahren versuchte sich eine selbstlose Gruppe von Helden an der Versiegelung der verheißungsvollen Wiederkehr. Mit bedingtem Erfolg, droht nun doch erneut eine Katastrophe durch das mysteriöse Phänomen. Vor diesem Hintergrund schenkt Euch die junge Lou MagMell einen Teil ihres Herzens, um Euch in die Welt der Lebenden zurückzuholen. Die Wiedergängerin handelt aber nicht aus reiner Nächstenliebe: Euch eilt der Ruf als außergewöhnlicher Jäger voraus und so müsst Ihr nun an Lous Seite in der Zeit zurückreisen, um die drohende Katastrophe abzuwenden.

Bevor es aber ans Retten der Welt geht, gestaltet Ihr Euren Helden (oder wahlweise Eure Heldin) mit einem beachtlich detaillierten Charakter-Editor – hier bleiben kaum Wünsche offen. Wenn Ihr dann ins Abenteuer startet, fühlt Ihr Euch – gerade als Kenner des Erstlings – flott wie zu Hause. Ist das Original seinerzeit an Euch vorbeigegangen, ist das aber kein Beinbruch. Zum einen setzt Code Vein II keine Storykenntnisse ­voraus, zum anderen funktioniert die Quasi-Fortsetzung grundsätzlich nach demselben Regelwerk des Vorgängers. Und weil dieser bereits stark von FromSoftwares Portfolio inspiriert war, findet Ihr Euch auch hier mit grundlegender Soulslike-Erfahrung schnell zurecht.

Die wohl größte Neuerung sticht gleich zum Auftakt ins Auge. Habt Ihr Euren Helden im Erstling noch durch lineare, miteinander verwobene Level-Strukturen navi­giert, verfolgt der neue Teil einen Open-World-Ansatz. Das gibt Euch regelmäßig die Möglichkeit, von Euren Hauptaufgaben abzuschweifen, um stattdessen auf Entdeckungstour zu gehen. So stolpert Ihr immer wieder über optionale Nebenaufgaben, seichte Mini-Dungeons oder auch nützliche Ausrüstung und Ressourcen. Zur effizienten Erkundung steht Euch ferner ein magisches Motorrad zur Verfügung und großzügig platzierte Leuchtfeuer-Äquivalente laden nicht nur zu Stufenaufstiegen und Rast, sondern ebenso zu bequemen Schnellreisen ein.

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Eure Hauptmission führt derweil in verschiedene Zeitepochen, in denen Ihr Helden aus vergangenen Tagen unter die Arme greift. Eine Prämisse, die das solide Fundament für ein interessantes Mysterium, charmante Figuren und dramatische Einzelschicksale legt, die jedoch allesamt weitgehend ungelenk inszeniert werden. Mit den Bekanntschaften, die Ihr so macht, geht die nächste wesentliche Neuerung einher. Der Koop-Modus aus dem Vorgänger weicht einem neuen Begleiter-System, das Euch im Spielverlauf diverse NPC-Partner an die Seite stellt. Ihr habt die Wahl, ob Ihr in den regelmäßigen Keilereien auf das zweite Paar helfende Hände setzt oder lieber die Kraft ­Eurer Gefährten kanalisiert, um so zwar allein, aber dafür deutlich ­gestärkt in den Kampf zu ziehen.

Stichwort ”Kampf”: Wie eingangs angeschnitten, tobt Ihr Euch im Rahmen eines klassischen Soulslike-Kampfsystems aus. Will heißen, mit Rücksicht auf Euren Ausdauervorrat verlasst Ihr Euch auf die einfachen und schweren Angriffe diverser Waffentypen. Bei Schwertern, Hämmern und Dolchen bis zu exotischen Kriegswerkzeugen wie Bajonetten und Runenklingen dürfte jeder Spielertyp auf seine Kosten kommen. Ihr passt aber auch offensive und defensive ”Formae” an Eure spielerischen Vorlieben an und bestimmt so beispielsweise, ob Euer Held feindliche Angriffe lieber ­sicher blockt oder zu riskanteren, aber dafür belohnenden Paraden ansetzt. Dann wären da noch Blutcodes, die Einfluss auf Eure Attribute nehmen, sogenannte ­”Käfige”, mit denen Ihr Feinde ihrer Energie beraubt, um sie in eigene Spezial­manöver zu investieren, und ein Lastensystem, das Euch je nach Beanspruchung Eurer Attribute belohnt oder abstraft.

Diese Vielzahl an Elementen kann eingangs überfordern, ermöglicht Euch aber eine tiefgreifende Individualisierung Eurer Spielerfahrung. Wer sich hingegen nicht gern mit Details aufhält, muss sich nicht sorgen. Code Vein II ist zwar genretypisch kein Zuckerschlecken, über weite Strecken aber doch angenehm zugänglich; insbesondere, wenn Ihr vom Hauptpfad abrückt, um Eure Figur im Zuge optionaler Abenteuer zu stärken. Lediglich die knackigen, aber motivierenden (und schick designten) Bossgegner werden Euch zuverlässig mit dem Game-Over-Screen vertraut machen.

Wo wir schon von Designs sprechen: Auch Code Vein II punktet mit kreativen Figuren- und anregend-grotesken Gegnerdesigns. Außerdem führt Euer Abenteuer an abwechslungsreiche Schauplätze, die von verfallenen Städten und schaurigen Jahrmärkten bis zu einer Gefängnisinsel reichen. Mit dem neuen Open-World-Ansatz kommt allerdings auch ein großer Haken: Code Vein II ist technisch nahe an der Zumutung. Die unheimlich altbackene Optik kränkelt an detailarmen Texturen und einer grausigen Beleuchtung und wegen der mangelhaften Performance begleitet Euch die ­meiste Zeit eine ganz schön wackelige Bildrate durchs Aben­teuer. Da lassen sich gelegentliche Aussetzer auf der Tonspur beinahe schon verschmerzen. Bleibt zu hoffen, dass Bandai Namco hier noch mithilfe von Updates spürbar nachbessert.

Meinung

Kevin Pinhao meint: War Teil 1 noch maßgeblich von FromSoftwares Dark Souls-Serie inspiriert, hat man sich nun bei Elden Ring bedient – im Spielverlauf stolperte ich jedenfalls immer wieder über Parallelen zum gefeierten Epos. Schade nur, dass diese Inspiration oberflächlich bleibt und die offene Welt von Code Vein II nie an die spielerische Tiefe oder den atmosphärischen Zauber des großen Vorbildes heranreicht. Ein ernüchternder Eindruck, der gar fraglich macht, ob es dieses neuen Ansatzes wirklich bedurft hätte, gehen mit ihm doch zahlreiche technische Mängel einher. Dank des ausgeklügelten Kampfsystems hatte ich trotzdem viel Spaß und wenn Ihr bereits Freude mit dem Erstling hattet, sei zumindest ein vorsichtiger Blick auf Code Vein II ans Herz gelegt.

Thomas Nickel meint: Ich mag Code Vein II vor allem für das große Maß an Freiheit. Das beginnt beim großarti­gen Helden-Editor, setzt sich über die Wahlmöglichkeit zwischen Teamdynamik oder starkem Einzelkämpfer fort und endet noch lange nicht bei den Waffen, Formae oder Blutcodes. Dazu kommen ein paar kreative Charakterdesigns von Monstern und Mitstreitern und etliche interessante Settings sowie ein sauberes, je nach Herangehensweise dynamisches oder wuchtiges Spielgefühl. Trotzdem muss ich die Technik rügen: Das hier Gebotene sieht mir eher nach PS4-Kost als einem Abenteuer für moderne Hardware aus. Insbesondere bei der ziemlich durchwachsenen Bildrate plädiere ich eindringlich für großzügige und auch baldige Nachbesserung.

Wertung

mehrere Enden basierend auf Euren Entscheidungen
pflegt Ihr die Beziehungen zu Gefährten, winken Boni und Nebenquests

”Code Vein II” nutzt das Fundament des Originals, setzt aber ebenso auf einschneidende Neuerungen, die nicht immer ins Schwarze treffen.

Singleplayer78MultiplayerGrafikSound

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