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Von 1996 an war diese Rennspielserie eine Dekade lang Stammgast auf den damaligen Konsolen und konzentrierte sich auf eine sehr japanische Facette. Gerast wurde bei Tokyo Highway Battle & Co. ausschließlich nachts auf dem Stadtautobahnnetz der Hauptstadt und statt in Rennen um Positionen zu rangeln, duellierten sich (fast) immer nur zwei Vehikel mitten im zivilen Verkehr. Warum nach dem 2006 bei uns als Import Tuner Challenge erschienenen Xbox-360-Teil (74% in M! 12/06) abrupt der Zündschlüssel gezogen wurde und auch Entwickler Genki kurz darauf abtauchte, bleibt ungeklärt. Aber 20 Jahre später sind die Macher und die Reihe endlich wieder da.
Am etablierten Konzept hat sich nichts geändert: Wie einst kauft Ihr Euch zu Beginn ein Auto (konsequent stehen nur japanische Fabrikate zur Wahl) und macht Euch daran, in der Straßenraser-Szene aufzusteigen. Dazu kurvt Ihr nachts durch einen erfreulich weitläufigen Teil des Shuto Expressway (dem Stadtautobahnnetz von Tokio), bis Ihr designierte Rivalen trefft und per Lichthupe zum Duell fordert. Gewinner ist, wer die SP-Leiste des Gegners zuerst leert – vor allem, indem Ihr weit genug davonfahrt; aber auch Kollisionen mit unbeteiligten Autos oder den Fahrbahnbegrenzungen ziehen Punkte ab. Über 450 Raser wollen so nach und nach bezwungen werden, wobei hier und da Variationen anstehen: Manchmal habt Ihr etwa mehrere Gegner auf einmal oder nacheinander und wenn ein Duell auf den Parkplätzen abgemacht wird, starten beide auf gleicher Höhe. Spürbare Neuerungen finden sich eher im Drumherum: Beim Tuning gibt es nun detaillierte Möglichkeiten und neben Geld fahrt Ihr Skillpunkte ein, mit denen Ihr Eure ”Kampfwerte” steigert, bessere Bauteile im Shop freischaltet und ausrüstbare Perks bekommt, die bei Fahrten teils sehr hilfreich sein können. Um das alles auszuschöpfen, braucht Ihr aber Zeit und Geduld: Fortschritt will in Tokyo Xtreme Racer häppchenweise und gewissenhaft erarbeitet werden, wozu zahllose Runden über die nächtlichen Straßen fällig werden. Dass sich die Abläufe auf Dauer etwas abnutzen und Abwechslung ausbliebt, ist zwangsläufig Teil des Konzepts.
Meinung
Ulrich Steppberger meint: Wie viel Spaß Ihr mit Tokyo Xtreme Racer haben könnt, hängt von der Erwartungshaltung ab: Sucht Ihr Abwechslung oder gar Einfallsreichtum, ist das Comeback weniger für Euch. Wer aber das Duell-Konzept als solches mag und damit zufrieden ist, dass sich bis auf die modernere Technik nicht viel geändert hat gegenüber früheren Teilen, der wird prima bedient. Zum Glück zähle ich mich zur letzteren Kategorie und kann bestätigen, dass es Genki vorzüglich hinbekommen hat, das ”Noch ein Rennen mehr”-Gefühl herauszukitzeln. Es macht einfach Laune, über die nächtlichen Straßen zu brettern und sich mit Rivalen zu messen. Dass die Umgebungsgrafik keine Maßstäbe setzt (die Tokio-Stadtkurse in Gran Turismo 7 sehen wesentlich schicker aus), lässt sich verschmerzen, dafür sind die Automodelle ansehnlich und vor allem die 60 fps werden jederzeit stabil gehalten. Auch das Fahrgefühl passt und dass bei Tuning sowie Skill-Freischaltung neue Möglichkeiten reingepackt wurden, rundet das stimmige Gesamtbild ab.
Wertung
über 450 Rivalen für Duelle
81 Autos von 9 japanischen Herstellern
weitläufiges Autobahn-Straßennetz
Gelungene Rückkehr: Die nächtliche Duell-Raserei weiß genau, was sie sein will und setzt das tadellos um – eine gewisse Monotonie gehört hier dazu.
Singleplayer77MultiplayerGrafikSound
