Eine neue KI-Erweiterung für Chrome verbessert eure E-Mails nicht, sie macht sie absichtlich schlechter. Dahinter steckt mehr als nur Satire, denn das neue Tool zeigt euch ein echtes Problem moderner Kommunikation.
Was genau hat der Student entwickelt? Viele erkennen KI-Texte inzwischen auf den ersten Blick: Sie sind oft auffällig sauber formuliert und nutzen gerne Gedankenstriche. Außerdem bestehen die Texte meist aus sehr klaren, fast schon zu perfekten, parataktischen (also eher kurzen und klaren) Sätzen.
Genau dieses Problem greift ein Student der Harvard University auf und hat mit „Sinceerly“ eine Chrome-Erweiterung entwickelt, die solche Texte bewusst verschlechtert, um sie menschlicher wirken zu lassen, indem sie kleine Fehler, lockerere Formulierungen und natürlich wirkende Ungenauigkeiten einbaut (dexerto).
Die Idee: Viele E-Mails klingen inzwischen gleich, weil sie mit KI geschrieben wurden. Genau das wollte Entwickler Ben Horwitz ändern.
Seine Begründung ist simpel: „Ich hatte die Nase voll von diesem KI-Müll in meinem Posteingang”, sagte Horwitz im TBPN-Podcast (via X).
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Menschsein oder Nichtsein
Wie macht die KI eure Mails absichtlich menschlicher? Das Tool arbeitet mit verschiedenen Modi, die gezielt typische „menschliche Fehler“ einbauen:
Subtil-Modus: Entfernt überflüssige Wörter, baut kleine Tippfehler ein und verändert Formulierungen leicht.
Human-Modus: Macht den Text lockerer und gesprächiger und kombiniert mehrere „Fehlerarten“.
CEO-Modus: Schreibt alles klein, ist extrem reduziert und fügt automatisch „Gesendet von meinem iPhone“ hinzu.
Quelle: X/BenHorwitz
Um sicherzustellen, dass die Chrome-Erweiterung auch wirklich funktioniert, hat Ben Horwitz nach eigenen Angaben mehrere CEOs mit Sinceerly kontaktiert:
Es funktioniert. Ich habe Sinceerly getestet, indem ich 5 CEOs [der 500 umsatzstärksten Unternehmen] eine spontane E-Mail geschickt habe. 4 haben geantwortet. Jede dieser Antworten umfasste weniger als 10 Wörter. 2 Antworten enthielten Tippfehler. Ein CEO nannte mich Larry (ich heiße Ben – vielleicht haben sie Sinceerly im CEO-Modus verwendet?), schrieb er auf X.
Gleichzeitig machte der Entwickler im Podcast von TBPN nochmal deutlich, dass das Tool weniger als ernsthaftes Business gedacht ist, sondern vielmehr als satirischer Kommentar zur aktuellen Nutzung von KI. Sprich: als Spiegel einer Entwicklung, in der Menschen erst perfekte Texte generieren und sie anschließend wieder künstlich „vermenschlichen“ und dafür womöglich noch bereit sind, zu bezahlen.
Bisher funktioniert das Tool nur in englischer Sprache. Wer es testen möchte, kann aktuell 3 Test-Texte kostenlos verschlechtern lassen (via Sinceerly).
Was sagt MeinMMO-Tech-Autor Claudio dazu? Als KI-Enthusiast und Tech-Autor bei MeinMMO werde ich natürlich hellhörig, wenn eine KI mal nicht meinen Job klauen will.
Wer seine Mails mittlerweile nur noch mit ChatGPT oder Claude auf Hochglanz poliert, fühlt sich vom Harvard-Studenten vielleicht ein bisschen ertappt. Auch bei mir lösen gewisse Formulierungen schon einen echten KI-„Ick“ aus.
Sobald zu viele Gedankenstriche auftauchen, werde ich misstrauisch. Deshalb würde ich mir manchmal mehr Mut zur Lücke wünschen (Tippfehler eingeschlossen). Allerdings ertappe ich mich auch dabei, wichtige Mails mindestens 2 Mal gegenzuchecken. Meistens jedoch von echten Menschen. Wie ist das bei euch? Nerven euch zu perfekte Texte und wärt ihr bereit, ein Tool wie Sinceerly wirklich zu nutzen?
KI-Anwendungen sind offensichtlich nicht mehr aus dem Alltag vieler wegzudenken. Die tatsächlichen Anwendungsbereiche sind dabei noch sehr verschiedene. Die österreichische Tageszeitung DerStandard hat eine Auswertung einer Umfrage zur KI-Nutzung veröffentlicht: 73 % der Leute nutzen KI, um Probleme mit dem Computer zu lösen
Der Beitrag Ein Student hat ein KI-Tool entwickelt, das eure Mails besser machen soll, indem es sie schlechter macht erschien zuerst auf Mein-MMO.
