World of Warcraft muss dringend die Notbremse ziehen

World of Warcraft haut Content raus und das ohne Ende. Doch die Qualität ist am Boden. Da hilft nur noch die Notbremse, findet MeinMMO-Dämon Cortyn.

Es ist zu viel.

World of Warcraft hat eine Content-Flut, an der nicht nur die Spielerschaft erstickt, sondern auch offenbar die Entwickler ziemlich zu knabbern haben. Es wird Zeit, dass Blizzard hier die Notbremse zieht – und das schnell. Denn noch so ein Jahr könnte World of Warcraft langfristig schaden. Denn es häufen sich die negativen Schlagzeilen und die Kritik am aktuellen Content, der von einigen nicht einmal als solcher angesehen wird.


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WoW Midnight: Arators Licht und der Feuerbrand

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Ich habe alle Phasen des Contents von World of Warcraft erlebt:

Die Zeit, in der es nur alle 5 bis 6 Monate einen Patch gab.

Die Zeit, in der man über ein Jahr auf neue Inhalte warten musste.

Und jetzt eben die Zeit, in der es alle 6 bis 8 Wochen ein neues Update mit neuen Inhalten gibt.

Aber es ist schmerzlich offensichtlich, dass Blizzard die eigenen Ansprüche an die Qualität nicht halten kann. Der Game Director kann sich noch so oft in Interviews stellen und sagen, dass man eine schnelle Kadenz bei den Patches hat, ohne auf Qualität zu verzichten – es stimmt schlicht und ergreifend nicht. Mit Patch 12.0.5 war es sogar so offensichtlich, dass Blizzard sich – zum ersten Mal in sehr, sehr langer Zeit – öffentlich für den Zustand eines Patches zum Launch entschuldigt hat.

Content, der einfach nicht fertig ist

Das wohl prominenteste Beispiel aus Patch 12.0.5 war das „Decor Duel“, also der „Prop Hunt“-Spielmodus, bei dem sich eine Seite als Möbel verkleidet und das andere Team suchen muss.

An diesem Modus war absolut gar nichts fertig für einen Release. Einfach mal eine kleine (nicht erschöpfende) Liste an Fehlern und Problemen:

Wer sich zu gut versteckte, wurde als „afk“ gebrandmarkt und bekam gar keine Belohnung.

Man konnte sich „außerhalb der Map“ verstecken und quasi unerreichbar werden.

Jäger konnten mit einer Fähigkeit die anderen Spielerinnen und Spieler einfach auf der Karte sehen.

Wer gewinnt oder verliert ist zufällig, denn das Spiel zählt nicht richtig mit. So kann in der Anzeige stehen, dass ein Team 9 oder gar 10 Gegner gefunden hat. Und das, obwohl es nur 6 Charaktere pro Seite gibt.

Das Ergebnis davon war, dass viele diesen Spielmodus gemieden haben, während sich für andere eine klare Strategie fand: Beide Seiten verstecken sich einfach nicht. Sie stellen sich direkt vor dem Startpunkt der Sucher offensichtlich in einer Reihe auf, damit alle sofort gefunden werden und die Runde ein Ende hat, damit man möglichst schnell die Ressource dieses „Events“ bekommt.

Die meisten spielen den Modus nur für die Housing-Belohnungen. Spaß gibt es hier nur selten.

Das ist nicht weniger als eine komplette Schande. In Overwatch war der Prop-Hunt-Modus genial. Er war durchdacht und gehörte zu den spaßigsten Spiel-Erlebnissen, die ich je hatte. Man hätte wirklich nur exakt diesen Modus in WoW übertragen müssen. Stattdessen gab es verbuggten Mist, der selbst in seiner (inzwischen) halbwegs funktionierenden Variante nur wenig Freude bringt. Es ist Mittel zum Zweck für ein paar besondere Housing-Gegenstände.

Und das ist nur ein Beispiel. Ich könnte noch lange über das Überfluss-Event oder das Abgrund-Angeln reden, die von ganz ähnlichen Problemen geplagt werden.

WoW vergisst, was WoW gelernt hat

Hinzu kommt, dass es auch deutlich erkennbare Rückschritte im Design des Contents gibt. Denn gleich an mehreren Stellen wird deutlich, dass Lehren aus der Vergangenheit offenbar wieder vergessen wurden:

Feinde in Dungeons und Raids haben keine klar telegrafierten Fähigkeiten. Das war etwas, das man mit The War Within extra eingeführt hatte, um mehr Klarheit zu erschaffen. In Midnight haben manche Bosse wieder sehr schwammige Attacken, deren genauen Trefferzonen man nur schwer erkennt.

Transmog-Belohnungen für die Rituale werden zufällig vergeben. Man muss sich nämlich „Lootboxen“ kaufen, die dann ein Transmog-Teil einer zufälligen Klasse enthalten. Deterministisch das Set für die eigene Klasse kaufen ist nicht möglich. Dabei war das eine Lehre der Vergangenheit: Leute wollen gezielt das Kaufen, was sie brauchen.

Die Transmog-Belohnungen gibt es durch Lootboxen. Zufälllig für alle Klassen. Auch die, die man gar nicht will.

Wie kann es sein, dass diese Lehren zwischen zwei Addons einfach verloren gegangen sind? Der Grund scheint offensichtlich: Unterschiedliche Teams arbeiten an verschiedenen Inhalten. Das wurde auch in der Vergangenheit bestätigt, immerhin wissen wir, dass ein eigenes Team schon lange an „The Last Titan“ arbeitet.

Doch zwischen diesen Teams gibt es offenbar erschreckend wenig Kommunikation. Hätten die gleichen Leute, die an den Inhalten von The War Within gearbeitet haben, mal einen oder zwei Tage über den neuen Content des anderen Teams geschaut, wären diese Probleme sofort aufgefallen.

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Blizzard, ich meine das mit aller aufrichten Liebe, die ich für World of Warcraft im Herzen trage: Hör auf mit diesem Tempo. Ihr könnt es nicht. Absolut jeder kleine Patch der letzten zwei Jahre hatte Startschwierigkeiten und war schlicht und ergreifend nicht fertig. Lasst euch zwei bis vier Wochen mehr Zeit oder reduziert die Anzahl der Features. Denn eine Begleiterscheinung dieser Flut ist, dass immer mehr meiner Freunde an einer Art „WoW-Burnout“ leiden – aber davon erzähle ich euch in einigen Tagen im Mecker Mittwoch …

Dabei gibt es gerade noch ganz andere Kritik an World of Warcraft, die vor allem Housing-Fans in den letzten Wochen immer deutlicher machen. Denn die Monetarisierung schlägt aggressiv um sich und die Pakete werden immer teurer. Das kostet nicht nur Geld, sondern vielen Spielerinnen und Spielern auch die Liebe zu WoW.

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