In der Kindheit war Digimon eine Lieblingsserie von MeinMMO-Autor Max. Dachte er jedenfalls. Doch als er kürzlich in einem Anflug von Nostalgie reinschaute, merkte er: Er kennt offenbar 70 % davon überhaupt nicht.
Wenn ich in der Einleitung davon sage, meine ich die erste Staffel: Digimon Adventure. Der Klassiker, in dem sich Tai, Agumon und die ganze Gruppe in der Digiwelt zurechtfinden müssen. Und während ich natürlich so manche Folge gesehen habe, gibt es sogar einige Folgen, die ich heute wortwörtlich noch mitsprechen kann.
Etwa die ersten beiden Folgen, in denen die Digiritter erstmals auf ihre Partner-Digimon treffen und in der Agumon erstmals zu Greymon digitiert.
Oder die Folgen, in denen sich die Digiritter Devimon stellen und Patamon zu Angemon wird.
Ich kenne Folgen mit Etemon, Datamon und der fatalen Entwicklung von Skullgreymon.
Und Folgen mit Weregarurumon, Digitamamon oder die Folge, in der Izzy seine Neugier an Vademon verliert.
Wenn ihr Digimon nicht so gut kennt, werden die letzten vier Stichpunkte nicht viel Bedeutung für euch gehabt haben. Aber wenn ihr euch auskennt, werdet ihr erkennen: Das sind alles Folgen aus relativ unterschiedlichen Phasen des Animes, die nicht unmittelbar miteinander verbunden sind. Und: Das Ende fehlt komplett.
Und das ist der Punkt, der mich geschockt hat. Ich dachte, ich kenne Digimon ganz gut. Ich dachte, Myotismon, das später auftaucht, wäre der Endgegner von Digimon Adventure. Aber weit gefehlt! Der wird schon in Folge 38 besiegt. Und die erste Staffel hat einfach 54 Folgen.
Da kommt noch ein ganzer Arc hinterher! Die Meister der Dunkelheit, von denen ich nur mal nebenbei gehört hatte, nehmen fast die halbe Serie ein. Und den absoluten Endgegner der Serie kannte ich gerade mal als Karte aus einem Brettspiel und hatte ich noch nie in Bewegtbild gesehen.
Kurz: Ich konnte es absolut nicht fassen.
Digimon Story Time Stranger: Deutscher Trailer zum Anime-Spiel
Autoplay
Warum dachte ich, ich kenne Digimon so gut?
Diese Frage beschäftigt mich, seit ich nach meiner Erkenntnis angefangen habe, die Serie nachzuholen. Andauernd sehe ich jetzt Dinge, die ich entfernt kannte, aber gefühlt noch nie so richtig gesehen habe.
Ich habe ein paar Punkte ausgemacht, die wahrscheinlich dazu beigetragen haben, dass ich dachte, ich wäre ein Experte.
Der Digimon-Film: Digimon – Der Film erschien im Jahr 2000. Die Videokassette dazu war in unserem Videorekorder fast schon fest installiert, so oft haben wir das Ding gesehen. Die Digiritter gegen Diaboromon, die Staffel-2-Digiritter gegen Kokomon, ein Fiebertraum-artiger Vorfilm mit Angela Anaconda – besser konnte man nicht in ein Wochenende starten.
Die zweite Staffel rund um Davis und die neuen Digiritter kenne ich, überraschenderweise, besser als die erste Staffel, hab ich festgestellt. Ich weiß noch, wie meine Oma die Folgen immer aufgenommen hat und mein Bruder und ich immer donnerstags was neues zum Schauen hatten.
Digimon Tamers, die dritte Staffel, ist ein ganz ähnlicher Fall. Auch die kenne ich scheinbar besser als Staffel 1.
Videospiele: Digimon Rumble Arena und Digimon Rumble Arena 2 waren absolute Hits auf unserer PS2 (ja, ich weiß, Rumble Arena war ein PS1-Spiel. Sah damals schon schwach aus, war trotzdem ein Hit).
Das oben genannte Brettspiel. Das war super cool gemacht, mit der File Insel als Karte, Digivices und ganz vielen Monstern. Die Regeln haben wir nie verstanden, wir haben damit einfach gemacht, was wir wollten.
Hörspiele: Eindeutig der Hauptschuldige. Denn: Die Folgen in den Spiegelstrichen da oben hatten wir alle als Hörspielkassette, eine Folge pro Seite. Die werden uns Eltern oder Großeltern mal gekauft haben, ohne einen Blick auf Kontinuität. Deswegen kenne ich ausgerechnet die so gut, ohne sie jemals wirklich gesehen zu haben.
Zudem gibt es noch so Geschichten wie Digimon: Tri oder Last Evolution Kizuna. Das sind etwas jüngere Filme, die sich um die Figuren aus der ersten Staffel drehen und die ich mir, auch gemeinsam mit meinem Bruder, angeschaut habe, als Nostalgie-Trip. Dass uns für unsere Nostalgie eigentlich die Grundlage fehlte – das wussten wir schlichtweg nicht.
Ebenfalls spannend: Streaming-Angebote fehlten ja auch. Wenn wir damals eine Folge verpasst hatten, war die halt futsch. Da konnte man nicht mal eben eine Folge nachgucken, die man verpasst hatte. (Außer, sie wurde aufgenommen. Danke, Oma!) Und wie viele Folgen so eine Staffel hatte, wussten wir auch nicht – kein Internet.
Eine Reise in die Vergangenheit: Meine Wissenslücke musste ich natürlich schließen. Deswegen war ich vor kurzem auf einem Binge-Trip, um alles nachzuholen, was mir so fehlt. Das ist eine ganze Menge, aber auch eine super Beschäftigung. Es ist ziemlich spaßig, Jahre später plötzlich Zusammenhänge zu erfahren, von denen ich dachte, ich würde sie alle kennen.
Es ist auch völlig abgefahren, sich anzuschauen, wie damals Folgen produziert wurden: Zwei Minuten Intro, zwei Minuten Rückblick, eine Minute Ausblick am Ende der Folge, dazu immer wieder dieselben Animationen bei Attacken und Verwandlungen. Wie konnte einem das als Kind nicht auffallen? Dennoch: Spaß macht die Serie allemal. Habt ihr auch Serien von früher, in die ihr heute gerne nochmal eintaucht? Erzählt es uns in den Kommentaren! Und wenn ihr Spielbares dazu sucht, hat unsere Redakteurin Jasmin eine Empfehlung für euch, der ich auch schon gefolgt bin.
Der Beitrag Früher habe ich Digimon geliebt, 25 Jahre später merke ich, dass ich nur an der Oberfläche gekratzt habe erschien zuerst auf Mein-MMO.
