Ich hab die ganze Nacht Warcraft Rumble gespielt – Das ist mein Fazit

Warcraft Rumble ist seit einigen Stunden live. MeinMMO-Dämon Cortyn hat die ganze Nacht gezockt und zieht ein erstes Fazit. Taugt das Spiel was?

Gestern Abend sagte mir mein Tablet plötzlich, dass Warcraft Rumble zur Installation bereit stand. Auf das Mobile-Game im Warcraft-Look hatte ich schon länger Bock, wollte mir aber erst mit der Release-Version einen richtigen Eindruck davon machen. Nun, das konnte ich jetzt. Seit gestern Abend habe ich bestimmt gut 7 Stunden gespielt und daher einen recht guten Eindruck.

Schon in der 5. Mission, die quasi das Finale des Tutorials darstellt, kam ich mit „einfach Minis spammen“ nicht mehr weiter und verlor meine erste Partie. Davon war ich ziemlich positiv überrascht, denn in der Regel sind Tutorials in Blizzard-Spielen ja doch „idiotensicher“ und gerade bei einem Free2Play-Spiel will man die Hürden nur langsam aufbauen.

Gameplay – Flott, simpel und doch komplex

Das tatsächliche Gameplay von Warcraft Rumble ist intuitiv und recht simpel. Man wartet darauf, dass man genug Gold hat und lässt dann einen Mini an der gewünschten Stelle auf dem Spielfeld erscheinen – entweder die eigene Basis, ein Turm oder ein Versammlungsstein. Von dort aus latscht oder fliegt das Mini dann in aller Seelenruhe in Richtung der feindlichen Verteidigung, um sich den gegnerischen Minis in den Weg zu stellen oder die Gebäude anzugreifen.

Doch was recht entspannt klingt, kann relativ schnell hektisch werden, denn alle paar Sekunden müssen taktische Entscheidungen getroffen werden:

Gebe ich das Gold für einen Kobold aus, der Gold abbauen kann?

Spare ich lieber die Münze, um gleich eine Banshee zu kaufen, die den gegnerischen Anführer-Mini übernimmt?

Werfe ich stattdessen lieber einen Kettenblitz auf die herannahende Hühnchen-Armee?

Zeit zum Nachdenken kann man sich jederzeit mit der „Pause“-Funktion nehmen – zumindest im PvE. Hektisch und unübersichtlich kann es trotzdem rasch werden. Da es oft 2-3 Lanes gibt, auf denen Kämpfe ausgetragen wird, ist Multi-Fokus hier Pflicht.

Gleichzeitig kann man sich vor der Partie schon eine Strategie zurechtlegen, die vor allem von dem gewählten Anführer abhängt. Ich habe etwa den Untoten „Blutmagier Thalnos“ als Anführer. Der hat als besondere Heldenfähigkeit, dass er jedes Mal einen Stufenaufstieg bekommt, wenn ich einen Zauber wirke.

Das lässt sich taktisch einsetzen. Wenn ich Thalnos etwa ganz hinten an meiner Basis starten lasse (und mit einem Tank beschütze) und dann nach und nach Zauber einsetze, dann ist er am Ende des Weges 5 oder 6 Stufen höher – was rund 70 % mehr Schaden und HP ausmacht. Oft werden Feinde dann von Thalnos im Alleingang überwältigt.

Andere Anführer haben unterschiedliche Fähigkeiten. Jaina erhöht etwa die Stufe aller Zauber um 3, solange sie lebt – also machen Zauber etwas mehr als 30 % zusätzlichen Schaden.


Aber auch die Minis selbst funktionieren nach dem „Schere, Stein, Paper“-Prinzip. So kann mein Feuerelementar ganze Gruppen von Nahkämpfern verdreschen, sich gegen Flug-Minis aber gar nicht wehren. Meine Banshee kann feindliche Minis übernehmen, ist aber sehr teuer – wenn sie ein einzelnes Huhn übernimmt, ist das rausgeschmissenes Gold.

In einem Match hat man immer nur die Wahl aus den 6 Minis + Anführer, die man im aktuellen Deck hat. Das heißt, schon in der Deck-Zusammenstellung wird entschieden, wie effektiv die eigene Truppe ist. Wer nur Flug-Minis mitnimmt, wird vermutlich gegen Flächenzauber sofort verlieren. Ein ausgewogenes Team ist also das Ziel.

Der Shop und das liebe Pay2Win

Ein großes Thema bei Free2Play-Spielen ist natürlich der Shop, auch bei Warcraft Rumble. Nach den ersten paar Matches kann man den Shop aufsuchen und dort das erspielte Gold gegen Minis eintauschen. Nach und nach schaltet man weitere, optionale Käufe frei, von denen einige lukrativer sind, andere kaum ins Gewicht fallen.

Besonders wichtig ist aus meiner Sicht hierbei der „Bogenlicht-Booster“. Für 20 Euro schaltet man hier einen permanenten Booster für den Account frei, der dauerhaft die erhaltenen Erfahrungspunkte um 20 % und das erhaltene Gold um 50 % erhöht.

Die 50 % Bonusgold bekommt ihr übrigens auch rückwirkend für alle abgeschlossenen Missionen.

Wer vor hat, das Spiel „aktiv“ zu spielen, sollte zumindest über die einmalige Investition von 20 Euro nachdenken. Denn der Grind kann in späteren Phasen der Kampagne durchaus anstrengend werden. Erst mit diesem Boost fühlt sich die Level-Geschwindigkeit „richtig“ an.


Der Shop bietet darüber hinaus noch weitere Angebote an. Einige davon sind recht tückisch, denn sie haben ein Zeitlimit. Nach Erreichen einer bestimmten Stufe schaltet man etwa das „Hogger-Angebot“ frei, bei dem man für 5 Euro einen dicken Batzen Gold und einige Erfahrungspunkte bekommt. Allerdings habe ich nur 2 Tage Zeit, um dieses Angebot zu kaufen, denn sonst verfällt das Paket mit dem „legendären Wert“ – das ist schon eine miese, aber leider übliche Masche.

Auch ist es ziemlich sicher blanke Absicht, dass der Shop relativ prominent ist. Denn der Shop ist auch der Ort, an dem man mit der erspielten Währung neue Minis kaufen kann. Außerdem gibt es alle paar Stunden einen kostenlosen Bonus im Shop – damit man die Seite auch auf jeden Fall mehrfach am Tag aufruft und vielleicht doch zum Kauf mit Echtgeld verführt wird.

In seiner Gesamtheit fühlte sich der Shop allerdings vergleichsweise fair an. Ob das auf höheren Spielstufen auch noch so ist, oder man quasi an Käufen nicht vorbeikommt, kann ich an dieser Stelle noch nicht beurteilen.

PvP – Doch deutlich besser als gedacht

Die große Überraschung war für mich das PvP von Warcraft Rumble, denn das hat deutlich mehr Spaß gemacht als ich ursprünglich dachte.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob diese Fairness auch später noch gegeben ist und inwiefern Talente sich darauf auswirken, daher genießt diese Aussage mit ein wenig Vorsicht. Meine 15 ersten PvP-Matches fühlten sich allerdings gut an – selbst wenn ich Maiev für absolut OP halte und ich nicht eine einzige Runde gegen sie gewinnen konnte.

Das ist für mich auch der einzige, große Nachteil am Spiel. Die Minis wirken für PvP noch nicht sonderlich gut gebalanced und oft kann man schon nach den ersten Sekunden absehen, dass man mit der eigenen Mini-Kombination absolut keine Schnitte gegen den Kontrahenten hat.


Taktiker können hier allerdings sicher wochenlang nach der perfekten Mini-Kombination und coolen Strategien suchen – oder einfach nach „Warcraft Rumble bestes Team“ googlen und damit das PvP dominieren.

Schön ist allerdings, dass man – genau wie im PvE – auch bei einer Niederlage zumindest noch ein paar Erfahrungspunkte bekommt. Das macht die Niederlage nur halb so unangenehm.

Was nervt an Rumble?

Allerdings gibt es auch ein paar Sachen in Rumble, die schlichtweg nervig sind. Das damals so bekannte „Blizzard Polish“, also dass ein Spiel nahezu makellos auf den Markt kommt, ist auch bei Rumble nicht der Fall. Ein paar Beispiele:

Nach einem PvP-Match muss man den „Weiter“-Button 10 mal hämmern, bis es weitergeht.

Die Ladezeiten sind gelegentlich extrem lang, obwohl nur ein Menü geladen wird. Schön ist auch immer, wenn der Ladebildschirm ewig bei „100 %“ hängt.

Die deutsche Übersetzung ist manchmal eher dürftig. So gibt es etwa „Gewöhnliches Pilotin“ oder eine „Orkbank“, obwohl es im Warcraft-Kosmos eigentlich „Orc“ heißt.

Das Spiel stürzt gelegentlich mit einer Fehlermeldung einfach ab.

Hilfreich!

Für wen lohnt sich Warcraft Rumble?

Grundsätzlich kann Warcraft Rumble eine Menge Spaß machen. Die kurzen, knackigen Kämpfe gestalten sich sowohl im PvE als auch im PvP spannend und erstaunlich taktisch. Allerdings kann das Spiel auch recht hektisch werden. Gerade in den letzten Sekunden müssen Entscheidungen oft in Windeseile getroffen werden – wer hier ein „entspanntes“ Spiel mit Langsamkeit im Stil von Hearthstone erwartet, der wird bitter enttäuscht.

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Alle anderen bekommen mit Rumble aber ein solides Free2Play-Spiel, das so manch eine Wartezeit künftig versüßen dürfte. Ob das Spiel auch über 20, 50 oder 100 Stunden begeistern kann, muss sich erst noch zeigen.

Nur wer gehofft hat, hier in irgendeiner Weise ein Story-Erlebnis in der Warcraft-Welt zu haben, der wird enttäuscht.

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