Logitechs neue 4K-Webcam ist wie ein MMO: Riesiges Potential und ein schwaches Endgame

Logitech hat mit der MX Brio eine 4K-Webcam für Videokonferenzen und Streaming vorgestellt. Auf dem Papier verspricht das eine sehr gute Bildqualität mit KI-Funktionen. MeinMMO-Redakteur Benedikt Schlotmann hat die MX Brio getestet und muss feststellen, dass die Probleme der Kamera nicht bei Logitech liegen.

Logitech bietet mit seiner MX-Reihe schon länger Geräte und Produkte für Office und Unternehmen an. Mit der neuen 4K-Webcam MX Brio möchte man nicht nur Unternehmen, sondern auch Streamer mit einer hohen Bildqualität überzeugen.

In einem Test konnte ich Logitechs neue Webcam testen. Im Test scheitert es tatsächlich nicht an der Kamera, sondern an der Software von Microsoft und Zoom Video Communications. Und das erinnert mich an MMOS, die riesiges Potential für ein gutes Spiel besitzen, aber daran scheitern, Spieler lange bei der Stange zu halten.

Aufbau, Ausstattung und Einrichtung

Logitechs MX Brio im Praxistest

Fazit: Potential und Softwareprobleme

Aufbau, Ausstattung und Einrichtung

Aufbau und Ausstattung:

Im Lieferumfang befindet sich nur die Kamera und das USB-C-Kabel. Das mitgelieferte USB-C-Kabel lässt sich jederzeit abnehmen.

Die Webcam ist bereits auf einem Befestigungsfuß vormontiert, der Fuß lässt sicher aber problemlos entfernen.

Ein Sichtschutz ist fest in der Kamera verbaut. Damit lässt sich bei Bedarf auch die Linse verschließen, wenn man sich beobachtet fühlt. Der integrierte Sichtschutz wirkt auch deutlich wertiger als bei meiner Logitech C920s HD, wo der Sichtschutz als Plastikkappe auf der Kamera montiert wird.

Die MX Brio wirkt sehr robust und wertig verarbeitet: Das Gehäuse ist aus Aluminium, nur die Rückseite ist eine Plastikabdeckung.

Was mir ebenfalls gut gefällt: Die MX Brio setzt wie alle Geräte der MX-Reihe auf ein schlichtes, zurückhaltendes Design. Logitech verzichtet auf RGB oder andere Spielereien.

Die Logitech MX Brio in der Schrägansicht.

Einrichtung: Grundsätzlich ist die Einrichtung schnell erledigt. Die MX Brio wird via USB-C-Kabel an den Rechner angeschlossen. Im besten Fall hat man dann einen USB-C-Anschluss auch am Rechner frei, ansonsten benötigt man einen Adapter oder muss auf ein anderes Kabel ausweichen.

Die sehr robuste Kamera hat jedoch einen Nachteil und das ist das Gewicht. Ich montiere Webcams in der Regel auf meiner Monitorlampe, oberhalb meines Monitors. Die MX Brio ist aber fast zu schwer, um stabil auf der Lampe oder auf dem Monitor zu stehen.

Bei der MX Brio lässt sich in jedem Fall die vormontierte Halterung entfernen. Auf diese Weise könnt ihr die Kamera auch auf ein Stativ schrauben. Für das Homeoffice ist das weniger spannend, für Streaming aber um so interessanter.

Die weitere Einrichtung und die Grundeinstellungen nimmt man anschließend über Logitechs hauseigene Software vor. Hier könnt ihr alle Feinheiten und Details bei der Ausgabe vornehmen: Etwa den von der Kamera gezeigten Bildausschnitt, die Belichtung oder den Weißabgleich.

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Logitechs MX Brio in der Praxis

Die Stärken: Grundsätzlich bietet die Kamera eine hervorragende Bild- und Aufnahmequalität an. Vor allem die von Logitech betonte „KI-gestützte Beleuchtungskorrektur“ funktioniert fast immer sehr gut. Auch in sehr dunklen Räumen bin ich dann als Person deutlich besser zu erkennen. Hier sammelt die Webcam bisher nur Pluspunkte.

Was jedoch auffällt ist, dass ich bei der Korrektur der Beleuchtung leicht unscharf wirke. Das fällt aber nur auf, wenn man sich die Aufnahme detailliert ansieht. In einem schnellen Call oder Meeting dürfte das den wenigsten auffallen.

Die Logitech MX Brio in der Frontansicht.

Die Schwächen: Das größte Problem von Logitechs MX Brio ist jedoch die Kombination mit der entsprechenden Software. Offiziell ist die Kamera zwar „Certified vor Microsoft Teams“, doch bei Teams selbst kommt nie die volle Performance der Kamera an. Davon berichten auch etliche Nutzer in der Community (via microsoft.com). Ich habe das mit mehreren Webcams gegengeprüft und die Ergebnisse fallen fast immer gleich aus:

Bei einem Videocall mit 6 Teilnehmern wird über Teams nur eine Auflösung von 640 x 360 mit knapp 30 FPS gesendet.

Wird mein Video ins Highlight eines Gesprächs genommen, dann steigt die Qualität auf 1280 x 720 an. Das ist immerhin schon HD-Qualität, aber von 4K weit entfernt.

In einem Zweiergespräch über Teams steigt die Qualität immerhin schon auf Full-HD mit 30 FPS an.

Ähnliches Probleme gibt es auch bei Zoom: Je mehr Personen teilnehmen, desto stärker nimmt die Bildqualität ab.

Die mangelhafte Bildqualität gilt sowohl für die alte “Teams Classic”-Version als auch für die neue Version.

Auch mehrere Workarounds, etwa Teams als Webapp im Browser zu starten oder den Cache der Desktop-App zu löschen, halfen nicht wirklich.

Was auffällt: Die von Logitech versprochene Leistung von 4K mit 30 FPS oder Full-HD mit 60 FPS erreiche ich mit Teams oder mit Zoom in keinem meiner Tests

Und das ist ärgerlich. Denn 4K- oder Ultra-HD-Auflösung ist an sich eine feine Sache, aber dann muss auch die Software am anderen Ende mitspielen. Hier muss ich jedoch betonen: Dafür kann Logitech nichts, wenn die Software von Microsoft oder von Zoom Video Communications keine Lust hat.

Anders sieht es aus, wenn ihr etwa Streaming-Software wie OBS Studio verwendet. In OBS Studio kommt nämlich die volle Leistung der 4K-Webcam an. Und hier spielt dann Logitechs MX Brio wieder seine Stärke aus.

Logitechs MX Brio 4K-Webcam mit der Verpackung.

Günstigere Webcam als Alternative: So seltsam das auch klingen mag: Meine Logitech C920 liefert mir mit Microsoft Teams oder Zoom die gleiche Leistung wie die 220 Euro teure MX Brio. Und das ist im besten Fall Full-HD mit 30 FPS. Oder eben die sehr dürftigen 640 x 360 mit knapp 30 FPS.

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Fazit: Riesiges Potential, aber es scheitert an der Software

Theoretisch bietet Logitech mit der MX Brio eine hervorragende Kamera, denn sie ist wirklich hochwertig und wenn die Software funktioniert, dann ist die Bild- und Aufnahmequalität der Kamera wirklich hervorragend. Und ich betone noch einmal: Das ist nicht das Problem von Logitech oder von der Kamera, sondern allein ein Problem vom Software-Anbieter.

Für wen lohnt sich die Kamera? Seid ihr Solo-Entertainer oder Streamer, dann ist die MX Brio eine wirklich gute und sehr empfehlenswerte Webcam. Insbesondere, wenn die Lichtverhältnisse bei euch eher schwierig sind.

Für wen lohnt sich die Kamera nicht? Arbeitet ihr mit Teams oder Zoom, dann könnt ihr das volle Potential der Kamera nie wirklich ausschöpfen. In meinem Praxistest bot mir meine C920 für 60 Euro die gleiche Bildqualität wie die MX Brio an.

Mehr Kamera im Test: Ich konnte bereits ein umfangreiches Setup mit Kamera testen. Interessanterweise schnitt hier die Kamera vom gesamten Projekt am schlechtesten ab. Wie sich das gesamte Set im Test bewährte, lest ihr direkt auf MeinMMO:

Ich hab mein Gaming-Setup mit 260 € beinahe perfektioniert, nur an der nervigen Kamera scheitert es

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