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Wenn God of War 2 einem edlen Kinoblockbuster entspricht, dann ist Bullet Witch die billige Fernsehproduktion. Letztere ist nicht über technische und spielerische Zweifel erhaben, Spaß kann man mit ihr trotzdem haben – vorausgesetzt, man befindet sich in der richtigen Stimmung. Lust auf Trash solltet Ihr schon mitbringen, wenn Ihr mit Hexe Alicia auf Dämonenjagd geht. Die zauberbegabte Dame sieht zwar adretter aus als der bärbeißige Kriegsgott Kratos, was den Rest angeht, lässt die polygonale Hexerei jedoch zu wünschen übrig. Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Ohne Unterbrechung von Denk- oder Geschicklichkeitselementen ballert Ihr Euch in mageren fünf bis sechs Stunden durch haufenweise dumme kleine und einige noch dümmere große Dämonen – wobei mit haufenweise die Gegnerzahl und nicht die -typen gemeint sind.
Dementsprechend gut gerüstet präsentiert sich Alicia dem Spieler: MG, Schrotflinte, Kanone und Scharfschützengewehr besitzen ordentlich Schlagkraft und kommen mit unbegrenztem Munitionsvorrat. Die eigentlichen Stars sind aber die Zauberkräfte. Unkompliziert anzuwenden und optisch nett in Szene gesetzt halten Euch die magischen Dämonentöter bei Laune. Dabei wird nicht nur im kleinen Maßstab gehext: Wirken Schutzwall oder Rosenspeer nur auf begrenztem Raum, verwüstet Ihr mit Donner, Tornado oder Meteor sogar die Umgebung. Stürzt eine schlicht gebaute Hausfassade in sich zusammen, sieht das aus dem richtigen Winkel sogar fast spektakulär aus. Wie gesagt, bei Bullet Witch müsst Ihr Eure Ansprüche niedrig halten. Das fällt bei 50 Euro nicht eben leicht, wer nach Software-Epen wie Zelda aber eine Auszeit braucht, wird hier mit amüsanter und sinnfreier Action bedient.
Schließlich verfügt Bullet Witch noch über obligatorische Online-Inhalte: Mit neuen Kostümen macht Ihr Alicia zur sexy Sekretärin oder zum Rockergirl und via Rangliste vergleicht Ihr Eure Dämonentöter-Fähigkeiten mit anderen Zockern.
Meinung
Janina Wintermayr meint: Zu meinen Favoriten aus der übernatürlichen Szene gehören Hexen nicht. Vampire und Werwölfe sind mir deutlich lieber. Trotzdem hatte ich mit der schießwütigen Zauberin meinen Spaß. Das Abenteuer dauert zwar nicht mal fünf Stunden und präsentiert sich für Next-Gen-Verhältnisse sehr altbacken, spielerisch hat Bullet Witch aber einige amüsante Aspekte im Angebot. Glanzpunkt sind Alicias Zauberkräfte, die nicht nur unkompliziert anzuwenden, sondern auch toll in Szene gesetzt sind. Da verzeihe ich dem Spiel sogar die technische Mittelmäßigkeit.
Matthias Schmid meint: Ihr steht wie ich auf Animes, erfreut Euch an sinnfreien Ballerspielen und habt mehr als 18 Lenze verlebt? Dann könnt Ihr mit Bullet Witch eine Menge Spaß haben: Tretet mit der Kugelhexe todesmutig der schaurigen Schurkenschar entgegen, entfesselt wuchtige Spezialkräfte und erfreut Euch am Gothic-inspirierten Düsterambiente. Natürlich könnte ich statt des Lobes minutenlang über strunzdumme, gleichförmige Gegnerhorden, manch hässliche Textur und eine fehlende Auto-Aim-Funktion lamentieren – dann täte mir die sympathisch-trashige Japano-Action aber doch leid.
Wertung
9 Zauberkräfte
4 Waffen, die sich mit Elementarkräften veredeln lassen
6 lineare Storykapitel
Amüsant-trashiges Action-Geballere mit geringem Umfang und technisch
zweifelhafter Umsetzung.
Singleplayer66MultiplayerGrafikSound
