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Bereits in M! 07/09 warnten wir im Import-Test zartbesaitete Spieler eindringlich vor Namco-Bandais sadistischem Spießrutenlauf. Zur Deutschlandpremiere des kultigen Action-RPGs wollen wir unsere Warnung nun wiederholen:
In Demon’s Souls werdet Ihr an allen Ecken und Enden mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Und das nicht nur, weil die extrem düstere Hintergrundstory Euch in das morbide Geisterland von Boletaria versetzt, sondern weil Ihr buchstäblich ständig das Zeitliche segnet. Unbarmherzige Gegner, Fallen aller Art und nicht zuletzt die komplexe, simulationslas-tige Action-Steuerung treiben Euer selbsterstelltes Alter Ego ein ums andere Mal ins Verderben. Wer stirbt, verliert sämtliche gesammelten Seelen – das bedeutet sowohl Geld als auch Erfahrungspunkte, denn Seelen fungieren als Universalwährung. Nur ein Blutfleck kündet vom Ableben Eurer Spielfigur. Erreicht ihr diesen im nächsten Anlauf, bekommt Ihr Eure Seelensammlung wieder, scheitert Ihr schon vorher, ist sie permanent verloren.
Kein Wunder, dass Ihr möglichst oft in den Nexus, den sicheren Zentral-Level zurückreist, um Seelen für bessere Ausrüstung und fürs Aufleveln auszugeben. Items und Erfahrungslevel bleiben Euch nämlich auch über den Tod hinaus. Ansons–ten seid Ihr in den fünf weitläufigen Arealen vor keinem Frustmoment gefeit. Selbstständiges Speichern oder Rücksetzpunkte? Fehlanzeige. Pro Level gibt es vier Wegpunkte, von denen allerdings nur der jeweils erste von Anfang an zugänglich ist. Alle weiteren werden von grauenhaft zähen Bossdämonen bewacht, die zwar alle ihre Schwachpunkte haben, doch auch mit der korrekten Taktik eine echte Bedrohung darstelle und Fehler ohne Gnade abstrafen. Diese Gaudiburschen sind es auch, die Ihr vernichten müsst, um von der transparenten Geisterform, die mit merklich gekürztem Lebensenergie-Balken durch die Level spukt, zurück zum stärkeren, lebendigen Status zu wechseln. Danach reicht allerdings ein weiterer Tod, um Euch wieder zum Geist zu machen. Eine Offenbarung für Core-Gamer!
Meinung
Max Wildgruber meint: Warum ich Euch Demon’s Souls trotz seines abgründigen Frustpotentials empfehle? Weil es nicht unfair ist, nur sauschwer. Und weil das Triumphgefühl, das Euch durchströmt, wenn Ihr mit schweißnassen Fingern einen fetten Gegnerbrocken endlich über die Klinge springen lasst, Euch für Stunden des mühevollen Trainings und für tausend Tode locker entschädigen kann. Steht mir bei aktiviertem Online-Modus überdies ein Freund zur Seite oder attackiert mich ein dreckiger Attentäter, schießt das Adrenalin auf Maximalhöhe. An dieser Stelle möchte ich außerdem noch zwei wohlmeinende Tipps anbringen, die Euch, wenn Ihr noch keine Erfahrung mit der Import-Fassung sammeln konntet, die ersten Spielstunden erträglicher machen werden. Ich empfehle Euch den ’Adligen’ als Charakterklasse, denn der verfügt über passable Ausrüstung und vor allem einen Fernkampf-Zauberspruch. Außerdem solltet Ihr als erstes Spielziel die Eroberung des ’Cling-Ringes’ einplanen, der Eure Lebensenergie in Seelenform erhöht. Googelt am besten den Fundort des Ringes oder fragt im M!-Forum nach – nichts zu danken!
Wertung
10 Charakterklassen
5 komplexe Level mit je 4 Wegpunkten
keinerlei Fehlertoleranz
Online-Modus ermöglicht Unterstützung oder Angriffe durch andere Spieler
Bockschweres Action-RPG, das bei Spielern mit extrem hoher Frusttoleranz eine eigentümliche Suchtwirkung erzeugt.
Singleplayer82MultiplayerGrafikSound
