Der Chef des MMORPGs The Elder Scrolls Online spricht über die Open World und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat. Das von vielen Rollenspiel-Fans hochverehrte The Elder Scrolls III: Morrowind würde so heute niemand mehr spielen. Das Spiel aus 2022 sei komplett aus der Zeit gefallen. Dabei sei es sein Lieblingsspiel, aber für so eine Open World fehle heutigen Spielern die Geduld.
Wer ist Matt Firor? Matt Firor ist einer der wichtigsten MMORPG-Entwickler überhaupt:
Er begann seine Karriere in den späten 80ern mit „MUDs“ den Vorläufern von MMORPGs
Von 1995 bis 2006 arbeitete er bei MMORPG-Entwickler Mythic und war hier federführend an Dark Age of Camelot beteiligt, ein bis heute legendäres MMORPG
Ab 2007 arbeitet er bei Zenimax, der Mutterfirma von Bethesda, an The Elder Scrolls Online, in dem sich zentrale Elemente von DAOC wiederfinden, das aber stark auf Skyrim macht. Er ist hier seit 17 Jahren der Boss
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Open Worlds waren früher ein mystischer Abenteuerplatz, heute sind sie nervig
Das ist jetzt sein Thema: Das Magazin Rock, Paper, Shotgun hat einen Artikel darüber veröffentlicht, wie sich die Open World im Laufe der Jahre verändert hat. Die These des Artikels ist:
Früher waren Open World mystische Welten, in denen alles passieren konnte
Heute bestehe eine Open World aus einer Reihung von mühsamen Pflichtaufgaben, um die herum alles designet sei: Es fühle sich an, als trete man auf der Stelle – das ist die Kritik, die als “Ubisoft”-Formel bekannt ist
Firor glaubt: Spieler wollen diese ungeordnete Open World nicht mehr
Das sagt Firor: Firor ist der Ansicht, der Wandel der Open World sei Spielern geschuldet, die keine Geduld mehr für das Gefühl haben, sich in einer Open World verirrt zu haben.
Er nennt die Open World von Morrowind als Beispiel dafür, was Entwickler wie Bethesda nicht mehr machen können. The Elder Scrolls III: Morrowind erschien 2002 und galt damals als Meilenstein im Genre:
Wenn man das jetzt spielt – es gibt keinen Kompass, keine Karte, die Quests lauten buchstäblich ‘Geh zum dritten Baum auf der rechten Seite und geh 50 Schritte nach Westen.’
Und wenn man das jetzt machen würde, würde es niemand spielen. Nur sehr wenige Leute würden sie spielen. Jetzt muss man ihnen Hinweise und Anhaltspunkte geben, und niemand will sich wirklich so viel Zeit für die Problemlösung nehmen. Sie wollen sich die Geschichte erzählen lassen oder mit einem anderen Spieler oder mit einem NSC interagieren.
Spieler sind heute nicht mehr so hart drauf wie früher
Dabei erklärt Firor: Morrowind sei ein großartiges Spiel, eines seiner Lieblings-Spiele, aber die Art, wie die Open World von Morrowind die Geschichte erzählt, sei nicht mehr zeitgemäß.
Heute seien Spieler nicht mehr so hart drauf wie früher, als nur die hartgesottene Gaming-Fans einen PC oder die erste Konsolengeneration hatten und so viel Zeit in einem Spiel verbringen wollten, wie unbedingt möglich.
Heute hätten Spieler so viele Optionen, wie sie ihre Zeit verbringen, dass man sicherstellen muss, dass Spiele ihre Spieler reinziehen, fesseln und Spaß machen:
Auf einem Feld herumzulaufen und zu versuchen, 50 Schritte von einem Baum entfernt zu messen, gehört nicht mehr dazu. Was irgendwie traurig ist, denn ich bin von der alten Schule.
Auch heute müsse man diese hartgesottenen Spieler noch unterstützen, aber eben auch ein großes Publikum, das nur 20 Minuten hat, die es in einem Spiel verbringen will.
Ein Game-Designer müsse heute beide Gruppen im Auge haben.
MMORPG-Spieler wissen, was Firor beschreibt
Das steckt dahinter: MMORPG-Spieler kennen diese Entwicklung auch. Heute sieht man es daran, dass Quest-NPCs in MMORPGs dicke Fragezeichen über dem Kopf haben und auf der Mini-Map markiert sind. Außerdem stehen sie bequem in Quest-Hubs möglichst dicht beisammen.
Quests laufen meist so ab, dass man genau sieht und weiß, wo man hinlaufen muss und sogar die Mobs auf der Karte markiert sind.
Wenn eine Quest keine solchen Positionsanzeigen hat, sondern nur in Textform beschreibt, was der Spieler tun muss, kann man sicher sein, dass genau diese Quest ein viel gesuchtes Thema zum MMORPG ist und von Gaming-Seiten und YouTube-Kanälen mit genauen “So schafft ihr die geheime Quest”-Guides behandelt wird.
Einer der Weggefährten von Matt Firor bei DAOC war damals Mark Jacobs. Im Gegensatz zu Firor, der zu einer großen Firma gewechselt ist, hat Jacobs mit der Spiele-Industrie gebrochen und versucht sein eigenes Ding zu machen: Legendärer Entwickler sagt: Sein neues MMORPG stand vor dem Aus, nun hat es ein Release-Datum
Der Beitrag Chef des MMORPGs ESO sagt: Eins der besten Elder Scrolls würde heute nicht mehr entstehen, weil es keiner spielen würde erschien zuerst auf Mein-MMO.de.
