Split Fiction – im Test (PS5)

Seite 1

Spiel:Split FictionPublisher:Electronic ArtsDeveloper:HazelightGenre:Action-AdventureGetestet für:PS5Erhältlich für:PS5, XSXUSK:12Erschienen in:4 / 2025

Links von mir ertönt es: ”Das Spiel macht mich fertig!” Im Flackerlicht des Fernsehers erkenne ich den konzentrierten Gesichtsausdruck meines Mannes, der sich angespannt auf die Lippe beißt. Eine Schweißperle glitzert auf seiner Stirn und auch die Hände, die den Controller meiner PS5 umklammern, sind feucht von all dem Stress, den Split Fiction ihm offensichtlich bereitet. ”Ich hasse Zeitdruck!”, sagt Marcus und sinkt endlich entspannt in den Sessel zurück, als die Zwischensequenz verrät, dass die durchgeknallte KI der Gameshow final besiegt und die Bombe nach dem 17. Anlauf nicht mehr explodiert ist. Während wir gerade eine mittel­schwere Ehekrise abgewendet haben, weil für Marcus als Gelegenheitsspieler manche Sprungpassagen einfach herausfordernder sind als die Besteigung des K2, denke ich zurück an ein Wochenende im März 2021.

Exakt die gleiche Situation hatten wir vor vier Jahren auch schon, nur waren damals eine fliegende Herzchen-Unterhose und ein garstiges Eichhörnchen schuld daran, dass wir beinahe eine Paartherapie mit Schwerpunkt ”Wie bewältigen wir gemeinsam virtuelle Probleme” beginnen wollten. Und dennoch haben wir nicht aufgegeben und lagen uns nach dem Abspann von It Takes Two wieder freudestrahlend in den Armen, während wir erschöpft, aber glücklich nach einer Fortsetzung lechzten. Denn für uns als Paar mit völlig unterschiedlichen Spielniveaus war das Werk von Hazelight eine Koop-­Offenbarung, die wir unbedingt noch einmal erleben wollten.

Und nun sollte es also so weit sein. Nach dem riesigen Erfolg von It Takes Two (93% in M! 05/21) will auch Split Fiction wieder ordentlich Eindruck hinterlassen. Um die Marke von 20 Millionen verkauften Exemplaren und zahlreichen Preisen wie etwa drei Game Awards zu knacken, muss das dritte Werk der Schweden erneut tief in die Trickkiste greifen. Hierzu schlüpfen wir in die Haut der Autorinnen Zoe ­Foster und Mio Hudson, die die einmalige Chance erhalten, durch eine Maschine ihre Geschichten als Simulation erleben und verkaufen zu können. Doch natürlich führt Verleger Rader nichts Gutes im Schilde, sodass Mio ­misstrauisch wird – und durch einen Unfall prompt in die Kapsel von Zoe purzelt. Ab hier übernehmen wir die Rollen der beiden unterschiedlichen Frauen mit dem Ziel, Rader daran zu hindern, sämtliche Ideen zu stehlen und aus der Maschine zu entkommen.

Seite 2

Bereits in den ers­ten paar Minuten zeigt uns Split Fiction, wie verschieden die Figuren und ihre erdachten Welten sind. Während wir Mio und ihre Vorliebe zu Sci-Fi-Geschichten in Form von zahlreichen Cyberpunk-Aspekten, knalligen Neon-Levels und treibenden Techno-Sounds kennenlernen, passt sich die Spielmechanik klammheimlich an die Optik an und führt uns ­sachte in das kooperative System ein. Ausgestattet mit einer Laserpeitsche kann Zoe beispielsweise schwere Gegenstände heben und Knöpfe umlegen, während Mio mit ihrem pinken Cyberninja-Schwert die Schwerkraft beeinflussen und sich teleportieren darf. Hierbei liegt der Fokus auf ­Action und Dynamik, sodass der Einstieg zwar relativ flott, aber dennoch zugänglich vonstattengeht. Kleinere Umgebungsrätsel, die wir natürlich nur im Team lösen können, sind in Mios Abschnitten hingegen gerade zu Beginn eher selten zu finden. Später steigen wir sogar noch gemeinsam auf ein Motor­rad, flüchten vor einer fiesen Park­raum-Überwachungsdrohne und infiltrieren eine gewaltige Fabrik, die unser Teamwork mit allerlei Roboter-Gesocks und Metroidvania-Elementen auf eine harte Probe stellen wird. Denn im Mittelpunkt steht, wenn auch nicht immer sofort ersichtlich, nun mal der kooperative Ansatz – und der erfordert Geduld, Absprachen und Zusammenhalt.

Eben diese Fähigkeiten sind besonders in jenen Sequenzen gefordert, die uns in Zoes Fantasy-Welten entführen und zugleich mit vollkommen anderen Herausforderungen konfrontieren. Ein Abschnitt lässt uns beispielsweise zu Gestaltwandlern werden, sodass Marcus als riesiger Gorilla Abhänge überqueren und Stampfattacken ausführen oder sich als putziger Otter unter Wasser an Orte bewegen darf, die mir als winzige Fee verwehrt bleiben. Dafür kann ich durch kleinste Öffnungen flattern oder mich in ein Baumwesen mit optisch mir sehr bekannten Wurzeln verwandeln und die Natur um uns herum verändern oder diese sogar als Ganzes selbst steuern, um uns neue Wege zu eröffnen. Klingt schräg und schwer vorstellbar? Ist es auch, dennoch passen die vielen verschiedenen Spielmechaniken, die Split ­Fiction auffährt, wieder wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wer wollte nicht schon einmal als Pinball-Kugel verkleidet durch einen lebendigen Flipper geschossen werden, nachdem man zuvor auf einem Drachen durch die Lande galoppiert oder geflogen ist und diese durch eine riesige Murmelbahn vor dem Aussterben bewahrt hat?

Seite 3

Insbesondere die optionalen Nebenstränge strotzen vor Kreativität, Rätseln und kooperativen Ansätzen und sind somit eine willkommene Abwechslung zu der sonst eher action­reichen Mio-Hauptgeschichte. So muss sich Marcus etwa in Gestalt eines gefleckten Schweins mit magischen Regenbogenfürzen durchs Bild bewegen, während ich mich quiekend in eine Sprung­feder-Sau verwandle, um verlorene Äpfel zu suchen. Nur um nach getaner Arbeit schließlich die Form eines Würstchens anzunehmen, das unbedingt gegrillt und in Ketchup und Senf gebettet werden will.

In anderen Abschnitten fahren wir ein Snowboard-Wettrennen mit waghalsigen Tricks, düsen mit Wingsuits durch die Luft, lernen von einem Affen-Guru verschiedene Tanzschritte, fliehen vor einer Supernova oder hüpfen als Zähne mit stylisher Zahnpasta-Tolle durch ein Süßigkeitenland, um uns mit einem fiesen Zahnarzt anzulegen. Auch die eingangs erwähnte Spielshow, bei der wir uns zeitlich aufeinander abgestimmt eine Bombe zuwerfen müssen, bevor diese explodiert, ist herrlich schräg und fordert schnelle Absprachen, die sich gerade am geteilten Bildschirm gut umsetzen lassen.

Split Fiction zieht bei den Nebenmissionen alle Register und kitzelt mit der immensen Ladung Kreativität sämtlichen Willen zum Weiterspielen aus uns heraus. So können wir schon mal ein Auge zudrücken, wenn sich die Rätsel und Aufgaben meist ähneln, weil eben hier ein Schalter betätigt oder dort eine Plattform farblich korrekt beschossen werden möchte. Weniger nachsichtig sind wir bei den Bosskämpfen, die entgegen der It Takes Two-Tradition leider kaum Abwechslung bieten. Insbesondere die Auseinandersetzungen mit den Sci-Fi-Gegnern ähneln sich nicht nur optisch, sondern vor allem auch inhaltlich sehr. Da prasseln in mehreren Phasen identische Angriffsmuster auf uns ein, während wir ausweichen und die obligatorische Schwachstelle am zumeist riesigen Feind suchen, damit wir schlussendlich zusammen zum finalen Schlag ansetzen. Nur selten überrascht uns ­Hazelight mit einem besonderen Finalkampf, weshalb sich diese trotz gelungener Inszenierung als eher ­lästiges Übel erweisen. Aber hey, ein Ehestreit geht noch!

Meinung

Fabiola Günzl meint:Split Fiction” muss sich an It Takes Two messen lassen und verliert leider im direkten Vergleich, denn wir vermissen insbesondere in den Sci-Fi-Levels die Abwechslung und die Frische des Koop-Vorgängers. Zu sehr ähneln sich Mios Abschnitte optisch wie inhaltlich und Gelegenheitsspieler werden sich an einigen Stellen schwertun, bis sie sich mit den Gegebenheiten der jeweiligen Mechanik angefreundet haben. Die fair platzierten Rücksetzpunkte und die Möglichkeit, sich selbst wiederbeleben zu können, wenden zwar manche Ehekrise ab, allerdings können sich Veteranen so auch etwas unterfordert fühlen. Nichtsdestotrotz hat uns Split Fiction immer wieder überrascht und zum Lachen gebracht – insbesondere dann, wenn man die Augen für die vielen liebevollen Details der Spielwelt öffnet. Wir haben zwar auf mehr Rätsel im Teamwork und weniger High-Polish-Action gehofft, hatten zusammen aber erneut einen Mordsspaß!

Wertung

8 Haupt- und 12 Nebenmissionen
Splitscreen- oder Online-Koop möglich
viele kleine Hommagen an andere Spiele
Figuren bleiben oberflächlich
Untertitel benötigen Korrekturen

Herrlich polierter Koop-Kracher, der mit viel Witz und Charme überzeugen kann – die sich wiederholenden Bosse sind somit auch verschmerzbar.

Singleplayer89MultiplayerGrafikSound

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *