Die Story hinter dem Spiel: Wie ein deutsches Indie-Studio und eine der weltweit größten YouTube-Gaming-Gruppen zusammenfanden

Mit Nice Day for Fishing erschien dieses Jahr ein ungewöhnliches Rollenspiel auf Steam, Nintendo Switch und PS5. Viel skurriler ist aber die Zusammensetzung: neuseeländische YouTuber und ein kleines deutsches Studio. Auf der gamescom musste MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes einfach nachfragen, wie das zustande kam.

Was ist Nice Day for Fishing? Das Pixel-RPG vom deutschen Entwickler FusionPlay fokussiert sich auf das Angeln als Kernmechanik. Ihr fangt nicht nur Fische oder sammelt Loot damit, die Angel ist auch eure Waffe im Kampf. Genau dieser Mix machte auch MeinMMO-Redakteurin Sophia Weiss so viel Spaß.

Das Spiel hat aber eine besondere Welt. Ihr seid als Angler nämlich in Honeywood in der Welt von Azerim unterwegs. Die basiert auf den Videos der YouTube-Gruppe Viva La Dirt League, die mittlerweile über 7,2 Millionen Abonnenten auf YouTube hat.

Doch das Spiel basiert nicht einfach nur auf Azerim, die Dialoge, die Story und die Figuren ähneln den Videos der Gruppe, die sich über MMORPG- und Gaming-Klischees lustig macht. Auf der gamescom präsentierte man neue Inhalte, zusammen mit Viva La Dirt League.

Auf der gamescom sprachen wir mit dem CEO von Fusion Play, Konrad Kunze, und fragten ihn, wie die spannende Zusammenarbeit entstanden ist und wie die Arbeitsprozesse abliefen.

Das ist der perfekte Einstieg in die Spielebranche

Wie kam die Arbeit zustande? Auf der gamescom sprachen wir mit Konrad Kunze. Er ist seit 2021 der CEO von FusionPlay, vorher war er 7 Jahre lang Lead Game Designer beim Studio. Auf der gamescom konnten wir ihm ein paar Fragen stellen. Vor allem in Bezug auf die Zusammenarbeit und wie sie überhaupt zustande kam.

Er erklärte uns, dass es intern einen Entwickler gab, der unter anderem ein Angel-RPG als Idee gepitcht hat. Die Idee fand man gut und wollte ein kleines Projekt starten. Zur gleichen Zeit soll Baelin’s Route auf YouTube erschienen sein. Das ist ein knapp 30-minütiger Kurzfilm über Baelin den Angler, die Figur, die man später auch im Spiel spielt.

Das passte überraschend gut auf das Spielkonzept des Angel-RPGs. Man entschied sich also dazu, nachzufragen. Eine E-Mail an die Community-Manager führte zum Artist-Management, und der Kontakt zu der Gruppe entstand. Die Idee kam gut an und FusionPlay schickte einen Prototyp. Der machte Viva La Dirt League Spaß und die Zusammenarbeit entwickelte sich.

Im Interview erklärt Konrad Kunze, dass die Gruppe generell mal ein Spiel machen wollte, ihre Ziele aber zu groß waren. Etwa Azerim als großes MMORPG, doch das ist nicht so leicht:

Wenn du dann aber das Ganze durchrechnest, dann kommst du ganz schnell hin und merkst, okay, das ist sehr, sehr riskant und hat sehr, sehr hohe Kosten involviert. Und dann kamen wir mit unserer kleinen Idee und die meinten, Mensch, das ist der perfekte Einstieg in die Spielebranche, um mal unser erstes eigenes kleines Spiel zu haben. Und so kamen wir zusammen.

Konrad Kunze über die Entstehung der Zusammenarbeit zwischen FusionPlay und Viva La Dirt League

Der Zeitunterschied war gar kein Problem

Wie verlief die Zusammenarbeit? Im Zuge der Entstehungsgeschichte der Zusammenarbeit wollten wir natürlich wissen, wie die Arbeit mit den YouTubern lief. Auch das verriet uns Konrad Kunze im Interview.

Man wollte Viva La Dirt League kreative Gestaltungsmöglichkeiten geben, mit wenig Restriktionen. Es sollte dynamisch passieren, aber eben mit einer Zusammenarbeit. Um das Gameplay kümmerte sich größtenteils FusionPlay und Viva La Dirt League lieferte dann Entwürfe für Story und Dialoge. Sie überarbeiteten das dann, schrieben Dialoge um oder passten sie an.

Es war wichtig, dass man merkt, dass es von Viva La Dirt League stammt. Es war ein perfekter Mittelweg. FusionPlay konnte viel während der Zusammenarbeit lernen und auch für Viva La Dirt League war es die erste Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern. Erst schickte man sich ständig Notizen, doch das stellte sich als zu viel heraus.

Man entwickelte eine spezielle Version des Spiels, in der man Texte direkt editieren konnte. In dieser Version konnte man auch Notizen hinterlassen. Hat Viva La Dirt League das gemacht, meldete man sich bei FusionPlay und die Entwickler integrierten es ins Spiel.

Dieser Prozess war deutlich flüssiger und eben unkompliziert. Da half auch der Zeitunterschied, wie Konrad erklärt. Die lange Zeitverschiebung (12 Stunden) war ein Vorteil. Wenn FusionPlay E-Mails geschrieben hat, konnte die YouTube-Gruppe am nächsten Morgen oder Abend antworten. Dieser Prozess war also außerhalb deren regulären Tagesgeschäfts. Das habe gut funktioniert.

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Insgesamt eine gute Erfahrung

Im Interview sprachen wir auch über die Zukunft von Nice Day for Fishing und ob in dem Universum noch etwas geplant ist. Konrad Kunze erklärt, dass man glücklich sei, wie es gelaufen ist, auch die Partner Team17 (Publisher) und Viva La Dirt League. Es ist nichts geplant, aber man könne sich vorstellen, mehr zu machen.

Man könne sich auch vorstellen, in der Zukunft erneut mit Content Creatoren zusammenzuarbeiten, weil eine kräftige IP etwas ist, um aus der Masse herauszustechen. Man wolle aber nicht auf Krampf versuchen, etwas zu erzwingen. Es soll zum Team passen, so wie es eben bei Nice Day for Fishing gepasst hat.

Wir sind da offen, was wir aber nicht machen würden, ist jetzt auf Krampf irgendwas draufpressen. Wir wollen jetzt nicht einfach nur, dass wir irgendeine IP nehmen oder irgendeinen Influencer und dann auf Krampf das Spiel so umbranden, obwohl uns das gar nicht passt.

Konrad Kunze über zukünftige Zusammenarbeiten

Bei Viva La Dirt League war es auch gut, dass sie sehr früh in der Entwicklung involviert waren. Konstant wurden Ideen eingebracht und aus dem anfangs klein geplanten Projekt wuchs ein immer größer werdendes Spiel, wie es dann letztendlich auch erschien.

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FusionPlay kennt sich mit skurrilen Konzepten aus

Im Interview erwähnte Konrad Kunze auch ein vorheriges Spiel von FusionPlay, Konrad´s Kittens, ein VR-Katzenspiel. Hierbei kümmert man sich, wie in anderen Spielen dieser Art, um ein virtuelles Tier. Man implementierte aber einen Plüschtier-Modus.

In diesem Modus kann man den VR-Controller an ein Kuscheltier festmachen, etwa mit Gummibändern, und dadurch hat man in Virtual Reality haptisches Feedback mit einem passenden Gegenstand. Den Gegenstand kann man dann hochheben und durch den Controller ertönen Geräusche und Vibrationen, die man physisch merkt.

In Kreativ-Meetings mit Entwicklern, Künstlern, aber auch Gesellschaftern kann laut Konrad jeder Ideen mitbringen und pitchen. Die werden dann bewertet, analysiert (etwa, ob es eine Zielgruppe gibt) und wenn es passt, weiterentwickelt. Dadurch entstehen interessante Konzepte wie bei Konrad’s Kittens oder eben Nice Day for Fishing.

Große Studios sind nicht für große Experimente bekannt, doch manchmal versuchen auch sie, neue Konzepte, Mechaniken oder Ideen in etablierten Genres zu versuchen. Darunter ist auch Capcom, die mit Pragmata eine ziemlich interessante Mechanik mitbringen: Ein neuer Sci-Fi-Shooter für die PS5 könnte richtig gut werden, auch wenn eine Mechanik die Spieler spalten wird

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