Donkey Kong Bananza – im Test (Switch 2)

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Spiel:Donkey Kong BananzaPublisher:NintendoDeveloper:Nintendo EPDGenre:ActionGetestet für:Switch 2Erhältlich für:Switch 2USK:6Erschienen in:8 / 2025

Der Gorilla und die Popkultur blicken auf eine lange, gemeinsame ­Geschichte zurück. Riesenaffe King Kong ist seit 1933 regelmäßiger Gast auf der Kinoleinwand. 1943 und 1952 trifft Bela Lugosi auf diverse ­Gorillas. Donald Duck und andere Cartoon-Helden bekommen es in ihren animierten Abenteuern immer wieder mit ihnen zu tun und in der Comicszene hält sich hartnäckig die Ansicht, dass sich Hefte mit Gorillas auf dem Cover im Durchschnitt besser verkaufen als welche ohne – vielleicht sind deswegen auch Figuren wie Congorilla, Gorilla Grodd oder Monsieur Mallah bis heute ebenso beliebt wie legendär. So gesehen ist es doch etwas ungewöhnlich, dass die Spieleszene relativ wenig prominente Primaten zu bieten hat. Arcade-Affe Toki? Riesengorilla Woo oder sein Mecha-Upgrade Cyber Woo aus SNKs King of the Monsters? Nicht unbedingt Kassenmagneten. Aber vielleicht stellt auch tatsächlich die Superstar-Aura von ­Nintendos Donkey Kong klar, dass in der Welt der Videospiele nur Platz für eine Gorilla-Legende ist. Donkey Kongs Karriere hat seit 1981 viele Höhen und Tiefen erlebt und eines können wir gleich vorwegnehmen: Bananza gehört nicht nur zu den Highlights im Wirken des charmanten Primaten, es hat absolut das Zeug, sein bisher bester Auftritt zu sein!

Ein Sakrileg? Aber nicht doch! Bevor die Country-Fraktion jetzt Fackeln und Mistgabeln zückt: Donkey Kong Country und seine Fortsetzungen sind exzellente Plattformer mit Donkey Kong in der Hauptrolle. Aber wie wir an den Nachfolgern deutlich sehen konnten: Donkey Kong ist nicht der Faktor, der die Country”Reihe definierte. Statt des mächtigen Gorillas waren die Spiele auch mit dem kleinen Diddy Kong oder später sogar dem gebrechlichen Cranky Kong erfolgreich. Für die Hauptrolle in Bananza ist dagegen kein anderer Affe als Donkey Kong selbst denkbar. Das ganze Spiel, die Welt, die Systeme, die Aufgaben, die Bosskämpfe – alles um einen mächtig großen Gorilla mit mächtig gro­ßem Temperament und mächtig großen Muckis herum konzipiert. Obwohl ”Donkey Kong Bananza bei ­Nintendo EPD entstand, dem Team hinter dem meisterhaften Super Mario Odyssey, setzt Big N uns hier nicht einfach einen ­frischen 3D-Mario im Gorilla­kostüm vor, sondern schreibt die 3D-Hüpfer-Regeln neu. Aber wie funktioniert das jetzt?

Nun, Donkey Kong und seine Begleiterin wollen den Mittelpunkt des Planeten erreichen, weil sie sich dort gerüchteweise etwas wünschen können. Während die junge Pauline von der Rückkehr an die Oberfläche träumt, ist Donkey Kong eher auf leckere Bananen aus. Und so rennt und hüpft Ihr durch die überraschend bunte, helle und abwechslungsreiche Unterwelt.

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Allerdings bemerkenswert: Während ein Knopf Donkey Kongs Sprünge auslöst, sind die anderen drei Buttons für saftige Hiebe reserviert. Donkey Kong haut mit ordentlich Bums nach vorne, unten und oben. Klar, die Handlanger der zwielichtigen Void Corporation könnt Ihr so aufs Herrlichste vermöbeln. Viel wichtiger ist aber die Auswirkung auf die Umgebung, ist diese doch fast komplett ­zerstörbar! Böden, Wände, Decken, massives Gestein – alles könnt Ihr kurz und klein hauen und Euch so Wege bahnen, wo eigentlich sonst nur nackter Fels wäre. Schlagt nach unten, um Euch ins Erdreich zu buddeln, vielleicht gibt es dort ja etwas Tolles zu finden? Reißt eine Wand ein, hinter der Ihr durch einen Spalt eine Banane schimmern seht – dem Entdeckerdrang sind kaum Grenzen gesetzt.

Damit einher geht eine weitere, für einen Plattformer höchst ungewöhnliche spielerische Neuerung: Bis auf wenige Ausnahmen könnt Ihr fast alle Wände einfach hoch­kraxeln. Das verhindert zum einen effektiv, dass Ihr Euch selbst eingrabt, erweitert aber erneut Eure Bewegungsmöglichkeiten in den weitläufigen Levels beträchtlich. Abgerundet werden Eure grundlegenden Fähigkeiten durch die Möglichkeit, massive Stücke aus der Levelarchitektur zu reißen. Mit so einem dicken Brocken lässt sich auch einiges anfangen: Ihr könnt ihn locker durch die Gegend schlenzen und dadurch manchen Feind aus sicherer Entfernung unschädlich machen. Oder aber Ihr haut direkt mit dem Brocken zu. So reißt Ihr Wände ein, verpasst Gegnern Kopfschmerzen oder räumt lästiges ­Rankengestrüpp aus dem Weg. Und wenn das immer noch zu langweilig ist, nimmt sich Donkey Kong an Kollege Link ein Beispiel: Wo der auf seinem Schild durch die Gegend schlittert, nutzt Donkey Kong dafür einfach ein Stück Fels – eine praktische Methode, um schnell die weit­läufigen Levels zu durchqueren.

Die haben es hier dann auch wirklich in sich – grafisch sind die verschiedenen Schichten der Unterwelt wunderbar abwechslungsreich und wirken überhaupt nicht beengt. Überall trefft Ihr auf witzige Gestalten und haltet Ihr Euch an die, findet Ihr den Weg zum nächsten Ziel schnell und unproblematisch. Legt Ihr es darauf an, macht Ihr flotte Fortschritte.
Aber eigentlich ist Donkey Kong Bananza ein Spiel, das zum Verweilen, zum Erforschen und zum Erkunden einlädt. Überall ist etwas zu entdecken. Eine ­Extra-Herausforderung, ein Bonus­level, eine versteckte ­Banane – und hier lassen die Entwickler so richtig die kreativen Muskeln spielen. Mal gilt es, ein Haus unter Zeitdruck zu demolieren, mal prügelt Ihr Euch tief ins Erdreich, bekommt es mit einem besonders kniffligen Gegner zu tun oder absolviert in bester ­Donkey Kong Country-Manier eine kurze Stage in der Seitenansicht.

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Belohnung für Eure Leistungen sind dann stets große, leckere Kristallbananen. Habt Ihr jeweils fünf davon verputzt, dürft Ihr Euch selbst etwas gönnen: Auf einem kurzen, aber nützlichen Skilltree kauft Ihr mehr Schlagkraft, ein Zusatzherz oder eine ganz neue Fähigkeit. Mit der Zeit wächst zudem das Angebot, denn auch wenn Donkey Kong schon von ­Anfang an jede Menge spannende Talente mitbringt, erweitert sich sein Aktionspotenzial noch einmal durch die namens­gebenden ­”Bananzas”.

Bei denen handelt es sich um nützliche, temporäre Verwandlungen, die Euer Aktionspotenzial für kurze Zeit enorm erweitern. In einer Form schlägt Donkey Kong besonders saftig zu und kriegt sogar Metallwände klein, in einer anderen flitzt er flink über Wasser sowie zerbrechliche Flächen und wieder eine andere lässt ihn kurzzeitig fliegen. So vielseitig war Donkey Kong noch nie, da ist es ganz sinnvoll, dass gerade die Bananzas erst Stück für Stück im Verlauf des Abenteuers erlernt werden – auch, weil Ihr bei denen Paulines Hilfe braucht. Zwar könnt Ihr als großer, starker ­Gorilla gut auf Euch selbst aufpassen, aber ohne Eure kleine Begleiterin kommt Ihr trotzdem nicht weit. Allein mit Paulines Singerei brecht Ihr die lila versiegelten Flächen der Void Corporation auf und nur mithilfe des Gesangs gelingen die Bananza-Verwandlungen.

Und während Pauline im regulären Solo-Modus auf Donkey Kongs breiten Schultern sitzt und das Abenteuer fröhlich kommentiert, greift sie im asymmetri­schen Mehrspieler-Part direkt ein. Per Maus-Modus zielt der zweite Spieler auf Gegner, Böden oder Wände und lässt auf Knopfdruck dann manch zerstörerischen Schrei ertönen. Das ist nicht allzu komplex, aber allemal hilfreich und ideal für unerfahrenere Mitspieler. Netterweise wird dabei auch die GameShare-Funktion unterstützt.

Technisch macht Donkey Kong Bananza weitgehend einen stabilen Eindruck. Die Bildrate hält meist recht souverän die allseits beliebten 60 Bilder pro Sekunde, kommt aber insbesondere bei manchen Bosskämpfen etwas ins Straucheln. Grafisch gefallen die herrlich bunten Szenarien und die saftigen Zerstörungseffekte.

Der Star ist allerdings erneut Donkey Kong. Der ist nicht nur herrlich zottelig, vor allem war Nintendos erster großer Vorzeige­star noch nie so ausdrucksstark wie hier. DK freut sich über jede Banane, strengt sich beim ­Herausreißen von Felsen richtig an und zeigt den Void-Schergen sein grimmigstes Gorilla-Gesicht. Die vielgestaltige Mimik macht Freude und im Vergleich zum stets freundlichen Mario ist der ­wunderbar emotionale Donkey Kong eine großartige Abwechslung.

Meinung

Thomas Nickel meint: Es fühlt sich herrlich befriedigend an, mit dem mächtigen Donkey Kong Gegner zu schwarten und das halbe Level zu Kleinholz zu verarbeiten. Aber wer jetzt glaubt, Nintendo würde hier einfach eine wilde Zerstörungsorgie abliefern, der irrt! Die Levels sind fantastisch ausgetüftelt, sie erlauben mehr Freiheiten als jeder vergleichbare 3D-Plattformer und wirken dennoch nicht beliebig oder schnöde zusammengewürfelt. Es fühlt sich fast so an, als habe Nintendo diverse seit den späten 1990ern quasi vergessene Design­ansätze wieder aus dem Archiv geholt und für die Switch 2 und das Jahr 2025 komplett neu gedacht und auf Hochglanz poliert. So könnten 3D-Hüpfer heute aussehen, wenn man die Konzepte der N64-Ära konsequent weiterverfolgt hätte! Oft wirkt Donkey Kong Bananza wie ein klassisches Rare-Spiel, das mit Nintendos gesammelter Design­erfahrung und Detailversessenheit aufs nächste Level gebracht wurde. Überhaupt freut es mich, dass Nintendo hier nicht einfach einen kompletten Gorilla-Neustart abliefert, sondern immer wieder liebevoll Spielelemente und Designsprache der gesamten Donkey Kong-Historie einfließen lässt. Und dann ist da noch das Zusammenspiel zwischen Donkey Kong und Pauline: Die beiden sind ein großartiges Team – jede Figur macht die andere interessanter und sympathischer.

Wertung

zerlegt ganze Levels
asymmetrischer Zweispieler-Modus
witzige Bananza-Verwandlungen

Brachial, sympathisch und gnadenlos kreativ: Donkey Kong erfindet sich neu und greift mit pelzigen Pranken nach der Spielspaß-Krone!

Singleplayer91MultiplayerGrafikSound

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