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In den 1990ern war ”ortal Kombat der Schrecken deutscher Jugendschützer – so ziemlich jede neue Episode des blutigen Street Fighter-Konkurrenten hatte hierzulande quasi eine dauerhafte Platzreservierung auf der Index-Liste der Bundesprüfstelle. 2025 nimmt man das alles entspannter: Zwar prangt auch auf der Mortal Kombat: Legacy Kollection das rote USK-18-Logo, aber dicke Blutlachen und lustig baumelnde Pixel-Wirbelsäulen wirken im Vergleich zu den Fatality-Exzessen moderner Episoden fast schon betulich.
Die Sammlung enthält die vier Arcade-Episoden bis Teil 4, inklusive diverser Heimkonsolen- und Handheld-Konvertierungen sowie Adaptionen. Obendrein gibt es die storylastigen PSone-Ableger-Abenteuer und drei Episoden für den GBA, die ihrerseits bereits auf den Prügeleien der PS2-Ära basieren.
Mindestens so wichtig wie die Spiele selbst ist aber das extrem umfangreiche Dokumentationsmaterial. Ähnlich wie bei Atari 50 und den bislang drei Teilen der Gold Master-Reihe hat Digital Eclipse jede Menge Infos zusammengetragen und Specials produziert, die die Games in Kontext setzen, deren Entstehung und deren Rezeption betrachten und so ein umfassendes Bild der Seriengeschichte zeichnen. Nicht nur eingefleischte Fans wühlen sich interessiert durch die liebevoll gestalteten Timelines. Aber auch inhaltlich wird Mortal Kombat aufgedröselt: Umfangreiche Charakterporträts und Vitas erklären Euch genau, warum Scorpion und Sub-Zero Beef haben oder was eigentlich aus Fiesling Kano wurde.
Wollt Ihr nach der Geschichtsstunde wieder die Fäuste schwingen, dann könnt Ihr das online wie offline tun, denn viele der verfügbaren Spiele bieten Online-Modi mit modernem Rollback-Netcode. In den Optionen entscheidet Ihr derweil selbst, ob Ihr die diversen Geheimnisse direkt zugänglich machen wollt. Und wer nach all den Jahren etwas eingerostet ist, freut sich über die komfortablen Übungsangebote – mit ein wenig Fatality-Training könnt Ihr Euren Gegnern stilvoll den Rest geben.
Meinung
Thomas Nickel meint: In Sachen Aufmachung und Dokumentation spielt Digital Eclipse erneut souverän seine Stärken aus – oft fühlt sich die Legacy Kollection wie ein spannendes digitales Museum an, in dem selbst Mortal Kombat-Kenner noch viel Neues lernen. Nicht ganz so rund ist allerdings die Emulation der Spiele: Ausgerechnet die Arcade-Originale, das spielerische Herzstück der Sammlung, leiden oft unter leicht ruckeligem Scrolling. Schuld sind die sehr unorthodoxen Bildraten der Automaten-Hardware – was auf einem Röhrenfernseher vor gut 30 Jahren kein Problem war, macht modernen HD-Displays heute etwas zu schaffen. Schade, dass hier nicht mit Grafikoptionen oder VRR-Unterstützung gearbeitet wurde. Lob gibt es dafür für die Bildmodi: Die Scanline- und Röhrenfilter sehen oft toll aus und sind häufig beeindruckend nah an echter Hardware. Trotz kleiner Technikschwächen führt für Serienfans wie für Prügel-Historiker kein Weg an der Legacy Kollection vorbei.
Wertung
11 Titel in meist mehreren Fassungen
Dokumentation mit 3 Stunden Interviews
verpackt für PS5, Switch & Switch 2
Jede Menge ”Mortal Kombat” in zahllosen Varianten plus herausragendem Drumherum – ein herrlich blutiges Paket für Klopper und Historiker.
Singleplayer81MultiplayerGrafikSound
