Wer aktuell DDR5-RAM kaufen will, braucht nicht nur einen gut gefüllten Geldbeutel, sondern offenbar auch Glück. Während viele noch Preise vergleichen, feuern Bots im Hintergrund Millionen Anfragen ab und sichern sich die Ware in Sekunden – das zeigt die Analyse einer Sicherheitsfirma.
Was steckt hinter den vielen Bots? In der anhaltenden RAM-Krise, in der Speicherchips und Speichermodule aufgrund der starken Nachfrage, insbesondere durch KI-Infrastrukturen, knapp und teuer geworden sind, nutzen Scalper diese Situation, um mit automatisierten Tools schnell Profit zu machen (Quelle: netzpiloten).
Laut dem Sicherheitsdienstleister Data Dome, der Websites vor Bot- und KI-Angriffen schützt, hat ein Bot-Netzwerk gezielt nach aktuellen Preisdaten für Speichermodule und zugehörige Komponenten gesucht und dabei Produktseiten zu DDR5 alle 6,5 Sekunden abgefragt.
Dabei stellten Bots 50.000 Anfragen pro Stunde und führten durchschnittlich 550 Abfrageversuche pro RAM-Angebot durch (Quelle: Data Dome). Diese Daten ergeben sich aus einer einzelnen exemplarischen Stichprobe. Das bedeutet: Sobald neue Ware online geht, schlagen die Bots zu. Für normale Käufer bleibt oft nur das Nachsehen.
Autoplay
Gemäß Sicherheitsbericht wurden in den vergangenen Wochen allein mehr als zehn Millionen solcher Scraping-Anfragen blockiert, während Käufer und Händler gleichzeitig mit stark steigenden Preisen und Lieferengpässen beim DRAM-Speicher konfrontiert sind.
Automatisiertes Web-Scraping
Warum trifft es ausgerechnet DDR5? DDR5 ist der aktuelle Standard für moderne Hardware. Wer auf neue CPUs setzt, braucht den schnellen RAM. Gleichzeitig boomt der KI-Markt: Rechenzentren investieren massiv in Speicher, um große Modelle zu betreiben.
Wie das Branchen-Magazin Netzpiloten einordnet, ist der neue Standard DDR5 dem Vorgänger deutlich überlegen, derzeit aber auch nochmal teurer. Da die Produktion des DDR4-Speichers zudem langsam runtergefahren wird, verstärkt das den aktuellen Engpass zusätzlich und treibt auch dessen Preis in die Höhe.
Schon diese Mischung reicht aus, um Preise nach oben zu treiben. Kommen automatisierte Aufkäufe hinzu, verschärft sich die Lage weiter.
Wie arbeiten die Scalper im Hintergrund? Web-Scraping bezeichnet die automatisierte Extraktion von Daten aus Websites mittels Bots. Diejenigen, die derartige Bots umgangssprachlich losschicken, sind sogenannte Scalper. Scalper kaufen Hardware so schnell wie möglich auf, um sie anschließend teurer zu verkaufen.
Die von Data Dome identifizierten Bots überwachten Lagerbestände automatisiert per Web-Scraping. Sie analysieren dabei Produktseiten und erkennen Bestandsänderungen. Laut Data Dome versuchten die Bots, menschliches Verhalten zu imitieren: Sie arbeiteten in einem Tag-Nacht-Rhythmus und hängten jeder Anfrage individuelle Parameter an, um stets die aktuellsten Preisdaten statt zwischengespeicherter Inhalte zu erhalten (Quelle: Toms Hardware).
Trotz diverser Tarnversuche waren sie laut Bericht klar als automatisierte Programme erkennbar. Die Bots riefen nämlich ausschließlich RAM-Produktseiten auf und nutzten keine weiteren Funktionen der diversen Webseiten (via Data Dome & The Register).
Der Fall zeigt erneut, wie fragil und angreifbar der Hardware-Markt noch immer ist. Die Entwicklungen und Engpässe um RAM sind dabei nicht der erste Hardware-Teilbereich, der betroffen ist. Mit dem Start der neuen RTX-50-Serie tauchte ein altbekanntes Problem erneut auf. Die Grafikkarten sind kaum verfügbar und werden von Scalpern und Bots in großen Mengen aufgekauft
Der Beitrag RAM ist so gefragt, dass Bots Shops bis zu 50.000 Anfragen die Stunde schicken erschien zuerst auf Mein-MMO.
