Chef von Ashes of Creation äußert sich erstmals zum Verlust des MMORPGs, feiert ersten Erfolg vor Gericht

Steven Sharif hat sich erstmals seit dem Ende von Intrepid Studios und Ashes of Creation umfassend zu den Vorwürfen, den aktuellen Klagen und dem Status quo vor Gericht geäußert. MeinMMO dröselt euch den Fall auf.

Wie steht’s um Ashes of Creation? Der Fall ist komplex und es gibt mehrere Interessengruppen, die derzeit vor verschiedenen Gerichten miteinander streiten. Klar ist:

In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2026 teilte Steven Sharif mit, dass er die Kontrolle über die Intrepid Studios verloren habe und als CEO zurückgetreten sei. Der Grund: Er könne die Entscheidungen eines bis dato unbekannten Boards nicht länger mittragen. Mehrere Entwickler in Führungspositionen sollen seinem Beispiel gefolgt sein.

Am 2. Februar 2026 kam es zur vollständigen Schließung der Intrepid Studios und zur Entlassung aller verbleibenden Mitarbeiter. Laut den Betroffenen bekamen sie weder ihren letzten Gehaltscheck, noch die im WARN Act festgelegte 60-tägige Kündigungsfrist und Vergütung oder andere in so einem Fall geltenden Entschädigungen.

Alle wertvollen Assets von Intrepid (etwa die Rechte an und der Code von Ashes of Creation) wechselten zur TFE Games Holding, die vom jetzt verantwortlichen Board gegründet worden ist.

Die Server von Ashes of Creation sind zwar noch online, doch kann man das MMORPG nicht mehr über Steam erwerben.

Jeder gegen jeden

Wer trägt die Schuld am Ende von Intrepid? Genau diese Frage muss in den kommenden Wochen und Monaten vor gleich mehreren Gerichten geklärt werden. Es gibt aktuell nämlich gleich mehrere Parteien, die als Kläger ihre Interessen schützen möchten:

Die Eigentümer der TFE Games Holding werfen Steven Sharif und John Moore unter anderem Betrug und Veruntreuung von Firmengeldern in Millionen-Höhe vor, außerdem klagen sie, dass Sharif wichtige Firmendaten und Passwörter von Intrepid unter Verschluss halten soll

Steven Sharif verklagt wiederum die TFE Games Holding sowie die Board-Mitglieder Robert Dawson, Ryan Ogden, Theresa Fette und Aaron Bartels – die Hauptvorwürfe: feindliche Übernahme beziehungsweise gezielte Zerstörung von Intrepid, Fälschung von Dokumenten und physische sowie psychische Einschüchterung, um sukzessive mehr Mitspracherecht zu erhalten

Jason Caramanis (einer der größten Geldgeber) verklagt Steven Sharif und John Moore, weil diese sich an den Investitionsgeldern privat bereichert und Investoren gezielt mit Falschinformationen angelockt haben sollen / Caramanis hatte im Vorfeld bereits eine Vielzahl an Nachrichten und Dokumenten mit dem YouTuber NefasQS geteilt, die seine Vorwürfe belegen sollen (via YouTube)

Diverse ehemalige Mitarbeiter von Intrepid klagen wegen nicht gezahlter Gehälter und Verstoß gegen den WARN Act, wobei sich im Zuge der Verhandlung noch klären muss, wer dafür die Verantwortung trägt – der alte Studio-Chef oder die Verantwortlichen der TFE Games Holding?

Eine Seite der Medaille

Wie äußert sich Steven Sharif jetzt zur Situation? In einer langen Nachricht auf Reddit hat sich Steven Sharif jetzt erstmals seit dem Ende von Intrepid direkt an die Community gewandt, um ausführlich seine Perspektive auf die Situation zu schildern. Beachtet hier also: In einem sehr komplexen Fall mit mehreren involvierten Parteien ist das Folgende nur eine subjektiv gefärbte Seite der Medaille.

Zuerst schildert Sharif noch einmal mit eigenen Worten, warum er in San Diego Klage gegen das Board und die TFE Games Holdings eingereicht hat:

Ich habe Ansprüche wegen Verletzung der Treuepflicht, Verstößen gegen Bundes- und Landesgesetze zum Geschäftsgeheimnis sowie unrechtmäßiger Versuche geltend gemacht, Unternehmenswerte, einschließlich des wertvollen geistigen Eigentums (IP), durch eine rechtswidrige und fingierte Insider-Zwangsvollstreckung an sich zu reißen.

Meine Klage ist die Folge davon, dass Rob Dawson und seine Beauftragten versucht haben, das Unternehmen, das ich gegründet und gemeinsam mit unserer Community aufgebaut habe, zu demontieren, Ashes of Creation als Vehikel für ihre eigene Bereicherung umzufunktionieren und die Verantwortung für den Zusammenbruch von Intrepid durch eine orchestrierte öffentliche Kampagne auf mich abzuwälzen.

Er habe mehr als ein Jahrzehnt all seine Ressourcen in Intrepid und Ashes of Creation gesteckt, darunter Millionen von US-Dollar (in einem Interview aus dem Januar 2025 mit Asmongold sprach er konkret von 55 Millionen US-Dollar, via YouTube). Seine Gesundheit soll darunter gelitten haben.

Ashes of Creation soll aus Sicht von Sharif auf einem sehr guten Weg gewesen sein. Durch den Early Access im Dezember 2025 habe man 9 Millionen US-Dollar an Brutto-Umsatz generieren können, zudem wären die Bindungsraten der aktiven Spieler nach einem Monat mit 76 Prozent ungewöhnlich hoch gewesen (für ein MMORPG im Early Access).

Zum seinem Rücktritt kam es laut Sharif vor allem, weil das Board Mitarbeiter von Intrepid ohne Vorankündigung fristlos entlassen sowie ohne Sozialleistungen und Krankenversicherung zurücklassen sollte. Seinen Vorwurf, das Board wolle Intrepid gezielt zerstören, erklärt Sharif genauer:

Wie in der Klageschrift behauptet wird, hat der Vorstand ab 2024 den Zugang des Unternehmens zu Betriebskapital absichtlich eingeschränkt, um angeblich eine Zwangsvollstreckung zu rechtfertigen. Die Zwangsvollstreckung war darauf ausgelegt, Intrepid zu schließen und Ashes of Creation auf eine neue Einheit, TFE Games Holdings LLC, zu übertragen, die mit den Vorstandsmitgliedern verbunden ist.

Der Vorstand tat dies, um Dawson und anderen Vorstandsmitgliedern die Kontrolle und den Verkauf des Projekts zum eigenen Vorteil zu ermöglichen, während die langfristigen Aktionäre, Kreditgeber, Mitarbeiter und die Community von Intrepid übergangen wurden. Der Vorstand versuchte außerdem, Einnahmen, die Intrepid zustanden, an die neue Einheit umzuleiten, während klare Gläubigerrechte missachtet wurden.

Den aktuell schlimmsten Vorwurf – Steven Sharif habe Gelder in Millionen-Höhe veruntreut – weist der ehemalige Studio-Chef kategorisch von sich. Die Gegenseite aus Board und Jason Caramanis würde gezielt Falschinformationen streuen, um von den eigenen Verfehlungen abzulenken und einen Sündenbock zu kreieren.

Auch zum Vorwurf, er habe die Community über Jahre bezüglich externer Investoren angelogen, äußert sich Sharif:

Es gab online auch erhebliche Spekulationen darüber, wie Ashes of Creation finanziert wurde. Von Anfang an habe ich gesagt, dass ich das Projekt persönlich finanziere, und diese Aussage ist korrekt. Ein Großteil des dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Kapitals stammte von Kreditgebern, die die Finanzierung auf der Grundlage meiner persönlichen Garantien und der Besicherung meiner eigenen Vermögenswerte und Anteile gewährten. Das Risiko trug ich persönlich. Wenn das Projekt scheitern sollte, verschwinden diese Verpflichtungen nicht – sie liegen in meiner Verantwortung.

Ich habe meine eigene finanzielle Zukunft aufs Spiel gesetzt, um dieses Projekt aufzubauen und so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

Wie ist der aktuelle Stand? Zu guter Letzt feiert Steven Sharif in seiner Nachricht an die Community einen ersten Sieg. Das Bundesgericht im Southern District of California soll eine einstweilige Verfügung erlassen haben, die TFE und das Board daran hindern soll, auf das Vermögen und die kritischen Dienste von Intrepid zuzugreifen.

Der Grund für die Entscheidung des Gerichts: Steven Sharif konnte nachweisen, dass „TFE die Materialien der Geschäftsgeheimnisse durch eine rechtswidrige Zwangsvollstreckung nach Artikel 9 erworben hat. Diese widerrechtliche Aneignung hat Intrepid Schaden zugefügt, da dem Unternehmen seine primären Vermögenswerte entzogen wurden, die sein Hauptprodukt ausmachen.“

Wie bewertet MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz die Aussagen von Steven Sharif? Auch wenn der Kopf hinter Ashes of Creation vor Gericht einen ersten Sieg einfahren konnte, hat er die härtesten Kämpfe noch vor sich.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Im Netz kursieren zahlreiche Dokumente und Screenshots von Textnachrichten, die – wenn sie sich vor Gericht als authentisch erweisen sollten – belegen könnten, dass an einigen der Vorwürfe der Gegenseite mehr dran ist als: Die wollen Steven Sharif zum Sündenbock machen und denken sich daher etwas aus.

So gibt es mögliche Hinweise dafür, dass Steven Sharif viel weniger privates Geld in Ashes of Creation gesteckt haben soll als behauptet. Diverse Geldbewegungen bei Intrepid sollen nicht klar dokumentiert worden sein. Andere Dokumente scheinen zu belegen, dass Steven Sharif externe Investitionen in AoC für Unternehmensanteile verkauft haben soll.

Board-Mitglied Robert Dawson, den Sharif immer wieder direkt als Urheber des Ärgers nennt, soll ab 2021 beispielsweise als Geldgeber eingestiegen sein. Im Juli 2024 wurde Dawson Mehrheitsaktionär von Intrepid, ab September 2024 Vorstandsvorsitzender – das verrät Steven Sharif in seiner eigenen Klageschrift gegen TFE.

Steven Sharif gibt zudem zu, dass das Board – von dem bis vor kurzem nicht einmal die Mitarbeiter gewusst haben sollen – ab 2024 versucht habe, direkten Einfluss auf Intrepid und Ashes of Creation zu nehmen. Dabei hatte er auch 2025 wiederholt erklärt, dass er als Studio-Chef völlig unabhängig agieren würde, niemandem Rechenschaft schuldig sei und es keine externen Investoren geben würde.

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Wie bewertet ihr die aktuelle Situation und die bisher bekannten Infos? Verratet es in den Kommentaren! Wir sind sehr gespannt, wie es vor Gericht in den kommenden Monaten weitergehen wird, und halten euch natürlich auf dem Laufenden. Eines steht aber leider jetzt schon fest: Gewinner gibt es bei dieser Nummer am Ende keine

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