MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes hat lange geglaubt, dass ihn kein Horrorfilm mehr so richtig gruseln kann. Ein neuer Geheimtipp hat ihm aber das Gegenteil gezeigt: ausgerechnet mit einem billigen Trick.
Ich schaue gerne Horrorfilme, aber eigentlich habe ich nicht mehr geglaubt, dass mich ein Horrorfilm richtig gruseln oder erschrecken kann. Das schafften bei mir in letzter Zeit nur Spiele wie Resident Evil 9. Doch ein kleiner Geheimtipp hat diesen Eindruck verändert.
Bevor ich mir spontan bei den Fantasy Filmfest Nights 2026 Obsession – Du sollst mich lieben von Curry Barker angeschaut habe, habe ich nicht viel erwartet. Ich habe den Titel mal gehört, aber konnte das am Abend nicht mehr zuordnen. Schnell zeigte mir der Film, dass ich mich im Kino immer noch erschrecken und gruseln kann.
Der 1. Trailer zum Horrorfilm Obsession lässt einen Mann seinen größten Wunsch bereuen
Autoplay
Nach einem eigentlich billigen Trick ging es richtig ab
Worum geht es in Obsession? Die Prämisse ist recht einfach. Bear, gespielt von Michael Johnston, ist in seine Freundin Nikki, gespielt von Inde Navarrette, verliebt. Er traut sich aber nicht, es ihr zu sagen. Eines Abends findet er in einem Esoterik-Shop einen Wunschstock, eigentlich als Geschenk für Nikki. Nach einer frustrierenden Autofahrt nutzt er den Stock selbst und wünscht sich, dass Nikki ihn so sehr liebt, wie nichts anderes auf der Welt. Na ja, seinen Wunsch hat er bekommen.
Anfangs war ich skeptisch, da mich der recht reduzierte Look erst abgeschreckt hat. Aber dann kam es zu einer Szene, die eigentlich aus der Horror-Mottenkiste stammt. Eine Person liegt im Bett und sieht in einer dunklen Ecke etwas. Als Zuschauer sieht man gar nicht, ob da wirklich was ist. Ich wusste zwar, was passiert, aber es hat mich dennoch erschreckt.
Das lag nicht nur am Jump-Scare-Aufbau, sondern vor allem an der Situation. Der zentrale Kern von Obsession ist die Liebe. Der Film arbeitet sogar mit RomCom-Ästhetik und lockt den Zuschauer in eine sichere, wohlige Situation hinein. Man weiß zwar, dass irgendwas passieren muss, aber die Inszenierung wiegt einen trotzdem in Sicherheit. Nach dieser ersten Situation wurde das aber gebrochen.
Es baut sich eine Eskalationsstufe auf, die vor allem von Inde Navarrette wunderbar gespielt ist. Der Wahnsinn, der in ihr schlummert, wird so gut verkörpert, dass ich mir in einigen Situationen sogar die Augen zuhalten wollte. Nicht etwa, weil es brutal oder blutig wurde, sondern wirklich unangenehm.
Das schaffen nur wenige Horrorfilme, da oft zu sehr auf billige Jump Scares gesetzt wird. Der Zuschauer wird im Kino selten in Sicherheit gewogen, und statt dauerhafter Anspannung entsteht das Gefühl von Ermüdung. Aber das ist nicht der einzige Teil von Obsession, der den Film so unfassbar sehenswert macht.
Wer ist eigentlich der Böse?
Obsession spielt clever mit der Frage, wer im Film eigentlich der Böse ist. Als Zuschauer verfolgt man Bear, dem die schlimmsten Dinge passieren, aber er ist ja auch an der Situation schuld. Das wird im Film in kleinen Sätzen thematisiert, ohne jemals plakativ zu sein. Im Fokus stehen dabei auch das Ego und der Stolz der Hauptfigur.
Dadurch sind die klassischen dummen Entscheidungen eines Horrorfilm-Protagonisten nicht einfach nur ein Aufregerthema, sondern ein Teil der Geschichte. Es geht um Täter-Opfer-Umkehr, toxische Männlichkeit und wer hier eigentlich wirklich obsessiv ist.
Genau das macht Horrorfilme so gut: Wenn sie nachvollziehbare Themen aufgreifen und in einer gruseligen Tortur verarbeiten. Dabei musste ich auch an den legendären Film The Shining (1980) von Stanley Kubrick denken. Dort geht es um den Bruch einer Familie und die Gefahr, die von dem Vater ausgeht, einem Menschen, der die Familie beschützen sollte.
Obsession schafft mit den Figuren einen ähnlichen Bruch, nur eben im Beziehungsgeflecht von Freundschaft, Liebe und Einsamkeit. Trotz der wirklich krassen (und auch gut inszenierten) Horrorszenen schafft es Obsession dabei, mit einer gewissen Zärtlichkeit heranzugehen. Doch auch das verstärkt natürlich die vielen Horrorelemente.
Denn eines sollte euch klar sein: Trotz der interessanten Thematik ist Obsession stellenweise auch blutig, ekelig und vor allem unangenehm.
Man braucht keine zwanghaft neue Idee, um ein frisches Erlebnis zu erschaffen
Obsession hat auf dem Papier keine bahnbrechende Idee, aber Curry Barker zeigt mit seinem 2. Spielfilm als Regisseur, dass in ihm ein wahres Horrornaturtalent schlummert. Der Film ist gut gedreht, hat filmisch schöne Ideen und am Wichtigsten: Beim Schauen fühlt er sich ziemlich selbstbewusst an, als wäre Barker ein Regisseur, der schon seit Jahrzehnten Filme dreht.
Dabei half ihm wohl, dass er unzählige Kurzfilme gedreht hat (via IMDb). Obsession kann sich von der aktuellen Horrorlandschaft abheben, ohne unglaublich verdreht oder experimentell zu sein. Der Film zeigt mir, dass im Genre noch so viel mehr steckt und ich mich noch deutlich mehr gruseln kann als bisher gedacht.
Ich kann nur empfehlen, euch Obsession anzuschauen, vor allem, wenn euch Horrorfilme zuletzt kaltließen. Der Film startet am 14.05.2026 in den deutschen Kinos und ich bin bereits gespannt, was Curry Barker als Nächstes macht. 5 weitere Horrorfilm-Tipps findet ihr hier: 5 Horrorfilme ab 18, die nichts für schwache Nerven sind
Der Beitrag Ein billiger Trick machte einen neuen Horrorfilm zum Gruseligsten, was ich jemals im Kino gesehen habe erschien zuerst auf Mein-MMO.
