Lohnt sich Payday 3 in 2026 noch?

PayDay 3 hat zu Beginn eine riesige Bruchlandung hingelegt und wurde von den Fans extrem abgestraft. MeinMMO-Autor Cedric Holmeier kehrt 2026 zum Shooter zurück und klärt die Frage: Kann man damit rein aus einem Spaß-Aspekt noch was anfangen?

Ich bin PayDay-Veteran. Schon zum Start von PayDay The Heist 2011 war das Konzept, mit meinen Freunden halbernst eine Bank auszurauben, genau mein Ding. Noch heute kann ich manche Missionsansagen mitsprechen und kehre immer wieder zum Old-School-Shooter zurück.

Ich habe PayDay 2 vorbestellt und auch dort so ziemlich jede Mission zwischen einem und einem Dutzend Mal auf Laut und Leise abgeschlossen. Für mich und meine Freunde war PayDay jahrelang unser „Main-Game“, das immer dann herhielt, wenn es gerade nichts anderes gab.

12 Jahre nachdem es mit PayDay The Heist losging, mussten wir natürlich auch in den Nachfolger reinschauen – und wurden enttäuscht. Miese Performance, überlastete Server, Online-Zwang, ein komisches Rüstungs-System und abgespeckte Missionen waren genau das Gegenteil von dem, was wir uns erhofft hatten.

Wie viele andere wechselten wir schnell zurück zu PayDay 2. Doch 2026, mehr als zwei Jahre nach dem Release, gaben wir demn Nachfolger PayDay 3 doch nochmal eine Chance.

Hier könnt ihr einen Trailer zu PayDay 3 sehen:


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Payday 3 – Gameplay-Trailer zur Fortsetzung des Koop-Shooters

Autoplay

Kein Hype, kein Hate, nur PayDay 3

Gerade wenn bei Release alles drunter und drüber geht, neue Features gar keinen Spaß machen und die Laune im Discord schon nach wenigen Runden durch schlechte Performance im Keller ist, sagt man schnell: Das Spiel ist schlecht.

Bei unserer Rückkehr 2026 war das genau andersherum: Wir sind ohne Erwartungen, ohne ein besonderes Update im Kopf und ohne zu wissen, was sich genau getan hat, wieder zurückgekehrt. Unser Ziel war es einfach nur, Spaß zu haben und auf die alten Zeiten die ein oder andere Bank auszunehmen.

Und genau das ging erstaunlich gut. Die Entwickler haben bei PayDay 3 auf einen bewusst anderen Rhythmus gesetzt als noch zuvor. Statt manche Missionen über mehrere Tage zu strecken und so zwischen Stealth und lauten Aufträgen zu variieren, läuft bei PayDay 3 alles in einem Aufwasch.

Zuerst geht man als Zivilist ohne Maske in die Bank, darf die Location unbemerkt erkunden und auch schon mal einige Rollläden und Lüftungsschächte manipulieren. Wird man erwischt, fliegt man zwar mit einem Arschtritt raus, die Mission ist jedoch längst nicht gescheitert.

So beginnen die Missionen meist leise und werden dann – weil einer meiner talentierten Freunde mal wieder unaufmerksam war – schnell laut. Dabei darf man sich freuen, denn jeder gemachte Fortschritt des „leisen Weges“ hilft auch, wenn man sich seinen Weg am Ende bruteforcen muss. Zwar kann man viele Missionen auch vollkommen leise oder richtig laut durchspielen, wir versuchten allerdings meist einen Mittelweg.

Seilrutsche gegen Bus

Auch wenn mir dieser neue Rhythmus gefällt, so vermisse ich die aufgeteilten Einzelabschnitte aus dem Vorgänger doch sehr. Die Heists auf verschiedene Tage zu strecken, hatte in PayDay 2 einen genialen Rogue-like-Charakter: Man konnte alles verlieren.

Wenn man erst eine Galerie ausraubte und das nicht leise geschafft hatte, musste man die Beute im Zweifel noch unter Beschuss in Sicherheit bringen oder verkaufen. Hat man es aber clever angestellt, waren die geklauten Gemälde für Mission 3 mit Kameras ausgestattet, die uns einen massiven Vorteil gebracht haben. Das war einfach genial.

Ebenso das richtige Planen der Missionen: Welcher Exit? Welcher Drill? Hacker oder Scharfschütze als Unterstützung? In PayDay 3 wirken diese Vorbereitungen leider wie ein abgespeckter Ansatz, den man nur eingefügt hat, damit er nicht komplett fehlt. Aber ganz ehrlich: Eine platzierte Seilrutsche aufs Dach ersetzt für mich nicht das epische Gefühl aus Teil 2, einen verdammten Bus durch eine Wand rauschen zu lassen, um sich einen neuen Fluchtweg zu sprengen.

Zudem gibt es in PayDay 3 einen klaren Schwachpunkt bei der Anzahl der Missionen. PayDay 2 war da extrem stark aufgestellt. In PayDay 3 ist die Auswahl, einfach auch aufgrund der höheren Komplexität der Level, deutlich geringer. Das ist schade.

Im neuen Solo-Modus kann man sich eine von vielen Missionen aussuchen. Die meisten gehen sowohl Laut als auch Leise.

PayDay wie aus der Fantasie

Was mir beim Spielen aber direkt positiv aufgefallen ist, ist die verbesserte Engine. Zwar sieht Payday 3 immer noch nach Payday aus, aber die Technik dahinter ist lange nicht mehr so altbacken. Neue Hindernisse wie Laser, besondere Drohnen oder das Versperren von Wegen durch Einsatzkräfte fühlen sich wirklich erfrischend an.

Was sich ebenfalls stark verbessert hat, ist das System rund um Leben und Rüstung. Zur Erinnerung: In PayDay 3 gibt es Rüstungen und Lebenspunkte. Ist eine Rüstung kaputt, braucht man eine neue Platte, während die Lebenspunkte nur per Arzt-Tasche wiederhergestellt werden können.

Wer auf Rüstung verzichtet, wird agiler und kann besser schleichen. Das ist inzwischen recht gut umgesetzt, denn es gibt in allen Leveln auch immer wieder kleine Sanitätskästen, wie man sie auch in öffentlichen Räumen finden würde. Dort darf man sich dann heilen, was das Spiel auch mit wenig Rüstung machbarer macht.

Wenn Overkill-Waffen und die KI nerven

Nicht alles ist jedoch Gold, was glänzt. Eigentlich wollte PayDay 3 mit den „Overkill-Waffen“ die Lust nach dem Erledigen von übermächtigen Feinden stillen. So erhält jeder Spieler die Möglichkeit, sich per Transportdrohne eine vorausgewählte OP-Waffe wie eine Anti-Material-Sniper liefern zu lassen.

Mir persönlich geschah das jedoch viel zu häufig. Bei jeder lauten Mission lagen am Ende mehrere Pakete ungenutzt herum – einfach, weil es sich nicht besonders belohnend angefühlt hat, dutzende Cops einfach so wegzumähen.

Richtig bitter wird es bei der KI, wenn man PayDay 3 zum Beispiel nur zu zweit spielt. Bei lauten Missionen läuft die KI gerne mal mit der wertvollsten Beute direkt auf die Hauptstraße, lässt sich erledigen, nur um dann den anderen KI-Kumpel beim Wiederbeleben auch noch zu opfern. Hier gab es bereits Mods für PayDay 2, die das besser lösten.

Im Silent-Mode haben die Bots weiterhin keine Funktion.

Zu wenig Goof

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt: PayDay 2 ist goofy. Das ist kein GenZ-TikTok-Wort, sondern beschreibt einfach die Art und Weise, wie das Spiel wegen seiner Limitierungen gespielt wurde.

Sei es, erledigte Wachen mit einer Schrotflinte in die richtige Richtung fliegen zu lassen, über den Boden zu bunny-hoppen oder sich zum drölfsten Mal darüber aufzuregen, dass man entdeckt wurde, weil die Verbindung zum Host schlecht war.

Hier haben die Entwickler in Teil 3 stark nachgebessert und genau diese Goofyness entfernt. Das ist objektiv zwar gut, sorgt aber auch dafür, dass man sich in PayDay 3 lange nicht so „zuhause“ fühlt wie in PayDay 2 oder The Heist.

PayDay 2 wollte nie komisch sein, war es aber. PayDay 3 ist nicht komisch, will es an manchen Stellen jedoch krampfhaft sein – dieser Vergleich liest sich in anderer Form auch immer wieder bei der Community und hat absolut seine Daseinsberechtigung.

Neue und alte Missionen

Ich persönlich finde: PayDay 2 ist PayDay 2 und PayDay 3 ist PayDay 3! Entsprechend bin ich auch kein Fan davon, mich zum 100. Mal in meinem Leben in PayDay 3 anstelle der Köche ins Drogenlabor zu stellen. Auch wenn Missionen wie „Cook Off“ bei den Fans extrem beliebt sind, sehe ich in der immer noch recht jungen Lebensdauer von PayDay 3 einfach keine Berechtigung für aufgewärmte Level.

Richtig gut hingegen sind die neuen Missionen, die teilweise nur per DLC erhältlich sind. Die neuen Raubzüge sind extrem vielseitig gestaltet und wirken längst nicht mehr so linear wie die Level aus dem Vorgänger. Statt nur Gang A, B oder C zu folgen, geht es in den Keller eines Gebäudes, dann mal wieder auf das Dach, man kann an der Fassade entlang kraxeln und entdeckt dabei noch Abkürzungen.

Im Stealth gibt es Fallen wie Laser, die man abpassen muss, und durch die neuen Gegner im lauten Modus wird man viel häufiger aus der Deckung gedrängt. PayDay 3 ist seinem Vorgänger in diesen Punkten ganz klar überlegen.

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Fazit

Man nehme 4 Freunde, PayDay 3 mit allen DLCs, einen freien Abend und etwas Getränk der Wahl – und man erhält Spaß. Je weniger dieser Parameter allerdings erfüllt sind, desto mehr werden die Schwächen deutlich. Muss man als kleine Gruppe aus den wenigen Standard-Leveln wählen, die beim Kauf enthalten sind, hört der Spielspaß schnell auf, gerade wenn man das mit den schier unendlichen Missionen aus Teil 2 vergleicht.

PayDay 3 ist 2026 besser, als viele der Fans es sich eingestehen wollen, es ist jedoch bewusst anders. Wer Lust hat, etwas anspruchsvoller mit Freunden auf Raubzug zu gehen und dabei gut auf den alten „Goof“-Faktor verzichten kann, der wird mit dem Titel sehr glücklich.

Für wen sich ein PayDay 3 bloß durch grafische Neuerungen und ein paar neue Level vom Vorgänger unterscheiden darf, für den wird Teil 3 wohl weiterhin nichts sein.

Trotz der vernichtenden Kritiken zum Release haben die Entwickler ihren Titel immer weiter gepatcht. So wurde zuletzt der verhasste Online-Zwang entfernt und das Spiel dank Peer-To-Peer-Modus für die Unendlichkeit vorbereitet. Wieso der Start von PayDay 3 damals so furchtbar lief, könnt ihr hier nochmal nachlesen: Payday 3 gehörte zu den meistgewünschten Spielen auf Steam – Jetzt scheitert der Shooter krachend, Fans schimpfen, sind enttäuscht

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