Das neue Piraten-Spiel Windrose ist momentan in aller Munde. Über 200.000 Spieler gingen zum Release auf digitale Kaperfahrt. Wenn ihr von den karibischen Stränden, donnernden Musketen und knallharten Seeräubern nicht genug bekommen könnt, hat MeinMMO-Autorin Linda Baumgartl eine perfekte Alternative für euch.
Ich liebe Piraten. Egal ob in Dokus, Film-Klassikern wie Fluch der Karibik oder der absolut besten Piraten-Serie, Black Sails. Auch beim Zocken begeistern mich Seeräuber entsprechend. Windrose konnte mich zum Beispiel schon in der Demo 10 Stunden lang fesseln.
Mein persönliches Highlight gibt es allerdings nicht auf Steam. Dafür live und in Farbe – zumindest, wenn ihr selbst den Pinsel anlegt. Es geht um Freebooter’s Fate, ein deutsches Tabletop-System mit Miniaturen, Maßbändern und allem Drum und Dran.
Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht etwas komisch. Zumindest wenn ihr bei „Tabletop“ an die düstere Science-Fiction-Welt von Warhammer 40.000 denkt. Freebooter’s Fate hat damit aber nur wenig zu tun. Statt gepanzerten Space Marines gibt es hier jede Menge Piraten-Action, arrr!
Was ist eigentlich Tabletop?
Tabletop-Spiele sind Strategiespiele, bei denen mit physischen Miniaturen auf einer Tischfläche gespielt wird. Anders als bei klassischen Brettspielen werden die Figuren frei über das Spielfeld gezogen. Die Bewegungsreichweite wird dabei mit Maßbändern bestimmt und eventuell durch Gelände beeinflusst.
Ein weiterer Teil des Hobbys besteht aus dem Basteln und Bemalen von Figuren und Gelände-Teilen. Solange die Figuren irgendwie spielbereit sind, ist der künstlerische Teil aber natürlich optional.
Das Piraten-Tabletop Freebooter’s Fate zeigt seine neuste Mannschaft, die mysteriösen Tianyu
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In Freebooter’s Fate können auch Goblins Piraten sein
Freebooter’s Fate entführt uns in die fiktive Stadt Longfall, eine ehemalige Handelsstadt, die von Piraten besetzt wurde. Hier tummeln sich nicht nur besagte Seeräuber, sondern auch zahlreiche Abenteurer, Halunken und … andere Geschöpfe.
Jeder Spieler übernimmt das Kommando über eine Mannschaft. Zur Auswahl stehen zehn unterschiedliche Fraktionen, darunter Klassiker wie Piraten und die Imperiale Armada. Wer gegen ein bisschen Fantasy nichts einzuwenden hat, kann aber auch mit Goblin-Piraten oder geisterhaften Untoten in den Kampf ziehen. Die geben ja schon in Warhammer erstklassige Piraten ab.
Freebooter’s Fate verbindet Vielseitigkeit mit einem stimmigen Grundsetting. Statt ernsten, historischen Schlachten gibt es hier Miniaturen-Kanonengeballer mit urigen Figürchen und überraschend viel Storytelling, wenn man sich auf ein wenig Piraten-Rollenspiel einlassen will.
Wer sich gerne im Modell-Bau austobt, bekommt hier außerdem die Möglichkeit, richtig schicke Piraten-Städte zu basteln. Es gibt extra Bausets für Gebäude, passende Spielmatten und weiteres Zubehör. Dazu gehören auch Boote, die in einem Piraten-Spiel natürlich nicht fehlen dürfen. Boote meint in dem Fall aber eher kleinere Ruderboote. Die haben durchaus eigene Regeln und können auch mit Kanonen ausgerüstet werden. Trotzdem stehen eher die Gefechte an Land im Mittelpunkt.
Die Piraten… (Foto: Freebooter Miniatures)
…und die Goblin-Piraten. (Foto: Freebooter Miniatures)
Ein offizieller Spieltisch zeigt, wie hübsch man das Spielfeld gestalten kann. (Foto: Freebooter Miniatures)
Jede einzelne Figur ist hier wichtig
Freebooter’s Fate ist ein sogenanntes Skirmish-System. Das bedeutet, dass mit wenigen Einzelfiguren statt mit riesigen Armeen gespielt wird. Jeder Spieler kontrolliert etwa 4-12 Charaktere, je nach vorheriger Absprache.
Die überschaubare Figurenanzahl hat gleich mehrere Vorteile: Einmal gestaltet sie das Spiel sehr übersichtlich und vergleichsweise kurzweilig, was gerade für Anfänger super ist. Ein Standard-Spiel dauert etwa 2 Stunden.
Außerdem fühlt sich das Geschehen so viel persönlicher an. Ich kenne jedes meiner Crew-Mitglieder und habe die ollen Landratten inzwischen doch ganz schön liebgewonnen. Wenn dann so ein kleiner, stinkender Goblin vorbeikommt und mir das Holzbein wegschießt, kann ich für nichts mehr garantieren.
Auch das Gelände kann mit den Einzelfiguren optimal genutzt werden. Ich kann mir ein wildes Gefecht in der Taverne liefern, Gegner vom Balkon aus ins Kreuzfeuer nehmen oder mit Assassinen um dunkle Ecken schleichen.
Zu guter Letzt kommt das Ganze auch dem Geldbeutel zu Gute. Die Starter-Boxen mit je vier Figuren gibt’s für knapp 35 €. Man muss also nicht unfassbar viel investieren, wenn man mal eine andere Fraktion ausprobieren möchte. Bei Warhammer kann man auch viel sparen, im Schnitt ist’s aber teurer.
Dank Freebooter’s Fate traue ich keinem meiner Freunde mehr
Eines der größten Alleinstellungsmerkmale von Freebooter’s Fate ist die Tatsache, dass es keinerlei Würfel verwendet. Die gehören ja eigentlich fast so sehr zum Tabletop wie die Figuren selbst. Stattdessen setzt Freebooter’s Fate komplett auf Spielkarten.
Der Unterschied scheint auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so aufregend. Tatsächlich ist das System aber ziemlich genial und verleiht den sonst eher stumpfen Glücks-Komponenten mehr Tiefe.
Für die meisten Situationen, in denen man sonst einen Würfel werfen würde, gibt es die sogenannten Schicksalskarten. Sie sind ähnlich wie klassische Skat-Karten mit Zahlen, Farben und Symbolen ausgestattet. Je nach Situation können so zusätzliche Effekte, zum Beispiel das Ziehen einer Ereigniskarte ausgelöst werden.
Viel interessanter sind aber eigentlich die Trefferzonenkarten. Jeder Spieler hat sechs solcher Karten, eine für jede Körperzone. Möchte man einen Angriff ausführen, wählt man verdeckt eine gewisse Anzahl Trefferkarten aus. Der Verteidiger kann sich jedoch mit seinen Karten verteidigen. Einen Treffer gibt es nur, wenn der Angreifer mindestens eine Körperzone gewählt hat, die vom Verteidiger nicht geschützt wurde.
Doch es geht nicht nur darum, generell Treffer zu landen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, kritische Treffer an getroffenen Körperzonen zu verursachen. Jede Körperzone ist einem passenden Attribut zugeordnet: Beine für Bewegung, Kopf für Angriff und so weiter. Diese Werte werden massiv verringert, sollte das entsprechende Körperteil einen kritischen Treffer erleiden. Und es kommt noch schlimmer: Wird eine Körperzone zwei Mal kritisch getroffen, scheidet die Figur sofort aus dem Spiel aus.
Jeder Schlagabtausch wird so zu einem kleinen Poker-Spiel. Die psychologische Kriegsführung ist mindestens genauso wichtig wie der Zufall.
Bin ich zum Beispiel am Kopf getroffen, sollte ich ihn dringend schützen. Sonst laufe ich Gefahr, die Figur durch einen zweiten Krit sofort zu verlieren. Mein Gegner weiß das. Wird er dort angreifen, um meine Schwäche auszunutzen? Oder rechnet er gerade damit, dass ich mich dort verteidige, und greift daher lieber meine Schuss-Hand an?
Solche Überlegungen mache ich mir im Spiel ständig. Spätestens nach einer Partie traue ich keinem meiner Freunde mehr – vor allem nicht, wenn sie mich mit einem verschmitzten Grinsen dazu auffordern, doch einfach ein kleines Risiko einzugehen.
Die Qual der Wahl: Mit welcher Mannschaft fange ich an?
Da ihr auf diesem Artikel hier gelandet seid, habt ihr vermutlich Lust auf eine ordentliche Prise Piraten. Ihr könnt es also einfach so machen wie ich, und ohne viel Nachdenken zur Piraten-Mannschaft greifen. Damit macht ihr auf jeden Fall nicht viel verkehrt.
Falls ihr aber trotzdem Neugierig auf die anderen Mannschaften geworden seid, hier eine kurze Übersicht, grob sortiert nach Schwierigkeitsgrad:
Für Einsteiger
Piraten: Der Klassiker. Kanonen raus uns lost geht’s.
Imperiale Armada: Sie sorgen für Recht und Ordnung. Oder versuchen es zumindest. Setzen auf Disziplin und Feuerwaffen.
Goblins: Klein, grün und spitzohrig. Alleine vielleicht nicht besonders stark. Doch in großen Gruppen überaus gefährlich. Arbeiten gelegentlich mit Orks zusammen.
Für Fortgeschrittene
Bruderschaft: Eine Geheimorganisation in venezianischem Stil. Die typischen Assassinen.
Söldner: Immer auf der Jagd nach der schnellen Dublone. Sehr unterschiedliche Individuen, die meist auch in andere Mannschaften aufgenommen werden können.
Amazonen: Furchtlose Kriegerinnen des Dschungels. Naturverbunden und Experten im Nahkampf.
Debonn: Bekannt für Wein, Gebäck und große Hüte. Setzen auf kampfstarke Formationen. Wie die Imperiale Armada nur mit weniger Budget.
Tianyu: Asiatisch angehauchte Kultur, die sich der kosmischen Balance von Licht und Dunkelheit widmet. Auch die Mannschaft muss stets im Gleichgewicht gehalten werden.
Für Experten
Der Kult: Mystiker, die Wesen aus einer Parallelwelt beschwören können. Schwächen ihre Gegner und stärken ihre eigene Mannschaft.
Die Schatten: Halb wahnsinnige Rache-Geister. Können Schattenmächte entfesseln und wiederauferstehen.
Freebooter’s Fate bietet also weit mehr als nur Piraten. Neben dem eigentlichen Spiel könnt ihr euch natürlich auch künstlerisch mit den Miniaturen austoben. Falls ihr noch Tipps braucht, um die Figuren ohne viel Skill besser aussehen zu lassen, hat MeinMMO-Redakteurin Caroline Fuller hier genau das Richtige für euch: Mit einfachen Mitteln werden eure Miniaturen noch hübscher, dafür benötigt ihr nicht mal viel Geld oder Skill
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