Nach 10 Jahren wollte Overwatch es richtig krachen lassen, macht aber eine Bruchlandung. Der Game Director muss es eingestehen.
Dass Overwatch bis heute überlebt hat, gilt schon als kleines Wunder. Immerhin haben eine Reihe von Fehlentscheidungen dazu geführt, dass Blizzards Heldenshooter mehrfach vor dem Untergang stand. Erst hatte man die Entwicklung zu Gunsten einer scheiternden Liga schleifen gelassen, dann einen PvE-Modus angekündigt, diesen wieder einkassiert und am Ende sogar die „2“ aus „Overwatch 2“ wieder zurückgezogen.
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Dass es Overwatch noch immer gibt, liegt vor allem an der treuen Community, die über Jahre dem Spiel treu geblieben ist. Entsprechend groß war die Vorfreude auf ein phänomenales Event zum 10. Jahrestag des Spiels.
Aber das fiel ordentlich ins Wasser. So sehr, dass der Game Director direkt anerkennen muss, dass man da Fehler begangen hat.
Was ist das für ein Event? Das fällt ein wenig dürftig aus. Es gibt einen „Overwatch Classic“-Spielmodus, bei dem man Overwatch noch einmal erleben kann, wie vor 10 Jahren. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Herausforderungen, die dann mit Lootboxen und anderen kosmetischen Gegenständen belohnen.
Diese Lootboxen enthalten eine neue Art von Skin – eine spezielle weiß-lilane Einfärbung für sämtliche Charaktere. Wer fleißig spielt, bekommt bis zum Ende des Events wohl die allermeisten dieser Skins.
Das Problem: Das Event ähnelt so ziemlich allen anderen Events, die es in der jüngeren Vergangenheit gab. Es wirkt halbherzig und unausgereift.
Besonders kritisch ist, dass die chinesische Variante ein deutlich umfangreicheres Event hat. Dort gibt es nicht nur eigene Animationen und Event-Screens mit Fortschrittsbalken, sondern auch eine Vielzahl von Belohnungen: Satte 10 mythische Skins bekommt man dort einfach für das Spielen.
Falls man das nicht weiß: Mythische Skins sind die finalen Battle-Pass-Belohnungen mit besonderen grafischen Effekten und Anpassungsmöglichkeiten. Sie sind im Grunde das edelste, was Overwatch zu bieten hat.
Generell ist die ganze Aufmachung des Events in China deutlich pompöser:
Overwatch-Chef erkennt Probleme an
So äußerst sich der Game Director: Dass das Event zum großen Jubiläum, gerade im Vergleich zur chinesischen Variante, einen mittelgroßen Shitstorm auslösen würde, hätte man wohl ahnen können. Aber immerhin hat der Game Director, Aaron Keller, sich recht schnell auf X zu Wort gemeldet um zumindest einen Teil der Probleme anzuerkennen:
Hey, ihr alle. Wir haben eure Reaktionen zum Jubiläums-Event in dieser Woche verfolgt und sind der Ansicht, dass sie gerechtfertigt sind. Zehn Jahre Overwatch sind ein riesiger Meilenstein und wir wollen, dass das ganze Jahr sich wie eine Feier von Overwatch anfühlt.
Während das aktuelle Event einmalig ist, wollen wir während dieses ganz besonderen Jahres durchgehend abliefern.
Wir stimmen auch zu, dass die Belohnungen mehr sein könnten als nur Lootboxen und werden weitere Informationen zu künftigen Elementen der Jubiläums-Feier veröffentlichen, sobald wir sie haben.
In der Zwischenzeit werden wir für die Wochen 2 und 3 des Jubiläums-Events die Anzahl der Lootboxen erhöhen. Doppelt so viele in Woche 2 und dreimal so viele in Woche 3. Außerdem reduzieren wir die Anzahl der notwendigen Spiele, um alle 15 Jubiläums-Lootboxen zu erhalten auf 60 (Siege zählen doppelt).
Während der 3. Woche erhalten außerdem alle Spieler eine 10-Jahres-Jubiläums-Lootbox, die garantiert 4 legendäre Skins enthält. Somit kommt man während des Events auf insgesamt 10 legendäre Skins. (…)
Ich verstehe, dass zukünftige Belohnungen dieses spezielle Event nun nicht größer machen, aber ich hoffe, es gibt etwas Kontext dazu, wie wir dieses Jahr als Ganzes sehen.
Auch wenn das nun auf viele so wirkt, als versuche man die Situation nachträglich zu entschärfen, indem man einfach das ganze Jahr als „besonders“ hervorheben will, ist der Schaden angerichtet – und das Vertrauen der Community mehr als nur angeknackst. Das ist ziemlich schade, denn nachdem Overwatch sich von der „2“ im Namen getrennt hat, sah es so aus, als würde es mit dem Spiel bergauf gehen und die Entwickler hätten endlich verstanden, was die Community eigentlich will.
Dieses Event gehört auf jeden Fall nicht dazu.
Cortyn meint: Als ich mir das Event zum 10. Geburtstag von Overwatch angeschaut habe, war mein erster Eindruck eigentlich „Ach, so schlecht ist das ja gar nicht“. Sicher, ich war ein wenig enttäuscht, weil es doch etwas mau in Bezug auf tatsächliche Gameplay-Inhalte war, aber zu erspielbaren Lootboxen sage ich sicher nicht Nein. Dennoch wirkte das ganze Event ziemlich Unspektakulär für das große, 10-Jahres-Jubiläum, das hier eigentlich gefeiert werden soll.
Umso verwunderter war ich dann darüber, wie sehr die chinesische Version des Spiels mit Belohnungen überhäuft wurde und sogar die deutlich besseren Icons, Menüs und Grafiken bekommt. Dass man hier einfach mal mit 10 mythischen Skins überhäuft wird und dann sogar noch genug Währung bekommt, um sich einen 11. Skin kaufen zu können – das ist einfach kein Vergleich. Da fühlt man sich in Europa nicht als Gamer der zweiten Klasse, sondern eher, als hätte man nicht einmal ein Ticket für die gleiche Veranstaltung bekommen.
Klar, Overwatch wird in China von NetEase verwaltet, die da ihr eigenes Süppchen kochen. Doch wenn man diese beiden Events vergleicht, fällt einfach ein krasses Ungleichgewicht auf. Die Chinesen bekommen hier etwas, das sich tatsächlich wie ein richtiges Jubiläum anfühlt, bei dem man für die Treue belohnt wird. „Wir“ hingegen müssen uns mit fragwürdigen, zweifarbigen Recolor-Skins begnügen – die chinesische Spielerinnen und Spieler übrigens auch bekommen.
Was haltet ihr vom Jubiläums-Event in Overwatch? Seid ihr mit dem zufrieden, was Blizzard euch da bietet? Oder hättet ihr lieber die chinesische Variante ohne Wenn und Aber?
Einer, der bei Blizzard auf jeden Fall nicht zufrieden war, ist der ehemalige Game Director Jeff Kaplan. Er erzählte, wie sein Quasi-Rauswurf bei Blizzard das größte Fick dich seines Lebens war.
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