MeinMMO-Dämon Cortyn schwärmt für einen Anime, der seit 10 Jahren läuft. Es ist zu Recht der „König der Isekai“.
Isekai ist dieses eine Anime-Genre, zu dem so ziemlich jeder und jede eine Meinung hat. Die Idee, dass ein Held in eine Fantasy-Welt übertritt und dort Abenteuer erlebt, ist nichts, was Anime hervorgebracht hat – es gab sie in der Literatur schon lange, wie etwa „Alice im Wunderland“ oder auch „Die unendliche Geschichte“. Es ist die Art von Erzählung, die immer mal wieder auftaucht, deren Elemente sich ähneln und von denen man doch nie genug bekommt.
Zumindest dachte ich das lange Zeit.
Aber dann hat man es im Anime-Bereich deutlich übertrieben. Die letzte „moderne“ Welle der Isekai begann mit Sword Art Online und der Erfolg hat sicher maßgeblich dazu beigetragen, dass es danach eine Fülle von Isekai gab. Einige Highlights wie Konosuba oder Moshuko Tensei gab es im Laufe der Zeit natürlich, aber es gab auch eine ganze Menge Absurditäten:
Ich erlangte eine Cheat-Fähigkeit in einer anderen Welt und jetzt bin ich auch im echten Leben konkurrenzlos
Wiedergeboren aus Verkaufsautomat durchstreife ich jetzt den Dungeon
Nachdem ich beim Schulausflug ein Sandkorn ins Auge bekam, erschien Gott in meinem Badezimmer und machte mich zu einem Abenteurer auf dem S-Rang
Die Namen sind sicher so absurd und gleichzeitig hat man sich schon so an sie gewöhnt, dass ihr nicht einmal auf den ersten Blick wisst, welchen der drei ich mir ausgedacht habe.
Doch 10 Jahre nach der ersten Episode und 4 Staffeln später gibt es einen ungeschlagenen König des Isekai-Genres. Einen, der alles verbindet, was ich von einer solchen Serie erwarte:
Eine nachvollziehbare, glaubhafte Welt. Spannende Kämpfe mit Bedeutung. Vielschichtige Charaktere, die einem ans Herz wachsen. Ein Hauptcharakter, der Makel hat und eine Entwicklung durchmacht. Den Mut, Grausamkeiten darzustellen. Nebencharaktere, die Hintergrund und vor allem Gründe für ihr Handeln haben.
All das hat Re:Zero.
Den Trailer zu aktuellen, 4. Staffel seht ihr hier:
Für den Anime Re:Zero startet bald Staffel 4
Autoplay
Ein Held, der nicht alles kann und verzweifelt
Dass Natsuki Subaru sich von anderen Isekai-Protagonisten unterscheidet, wird rasch deutlich. Denn wo der durchschnittliche Held einer Isekai-Geschichte vollkommen übermächtig und meistens positiv gelaunt ist, beginnt auch Subaru mit guter Laune. Er freut sich über den Übergang in eine Fantasy-Welt und wartet förmlich darauf, dass sich seine geheime Superkraft offenbart und er von hübschen Frauen umzingelt ist – wie man es eben aus Isekai-Serien kennt.
Doch das geschieht nicht. Subaru hat keine Superkraft und schon am ersten Tag in der neuen Welt wird er und seine neuen Bekanntschaften brutal angegriffen. Er blutet, er leidet, er klammert sich verzweifelt an sein Leben und stirbt. Nur, um dann wiedergeboren zu werden und in bester „Täglich grüßt das Murmeltier“-Manier den gleichen Tag noch einmal zu erleben.
Subarus „Superkraft“ ist auf den ersten Blick natürlich genau so übermächtig wie die all seiner Isekai-Kollegen. Er kann nicht wirklich sterben. Wann immer er den Tod findet, wird er an einem vorherigen Punkt in der Zeit wiederbelebt. Fast wie ein Speicherstand in einem Spiel, der einfach neu geladen wird, sodass er es noch einmal versuchen kann.
Allerdings kommt diese Kraft mit einigen Nachteilen:
Subaru kann sich an alles erinnern, was vorgefallen ist. Für den Rest der Welt gilt das nicht. Sie sind wieder auf dem vorherigen Wissensstand, haben alle Begegnungen seither vergessen.
Subaru spürt den Schmerz und das Leid jedes einzelnen Todes, die mehr und mehr auf seine Psyche schlagen. Kein Verstand ist dafür gemacht, mehrmals grausamste Todesqualen zu erleiden.
Er weiß nicht, wann sein „Speicherpunkt“ überschrieben und neu gesetzt wird. Fehler, die er begeht, könnten unumkehrbar sein. Einmal gestorbene Charaktere kehren womöglich nie zurück.
Eine intensive, gnadenlose Geschichte
Dabei finde ich vor allem faszinierend, mit was für einer Intensität Re:Zero die Geschichte erzählt. Denn es gibt sowohl sehr emotionale, tiefgründige Folgen, in denen Gefühle und Emotionen umfangreich erforscht werden, aber auch eine Menge Grausamkeit. Gerade die verschiedenen Mord-Sequenzen sind oft ein schlimmes Gore-Feuerwerk, bei dem Gedärme, Knochen und abgetrennte Gliedmaßen quer über den Bildschirm fliegen und sich der Magen nicht nur bei Subaru umdreht.
Genau so faszinierend ist der Umstand, dass Re:Zero es schafft, die Spannung und Dramatik aufrechtzuerhalten. Denn man sollte denken, dass sich irgendwann der Gedanke einschleicht: „Ach, wenn was schief geht, dann stirbt er einfach und versucht es nochmal.“
Doch das geschieht nicht. Denn der Tod kommt oft so grausam und plötzlich, dass man erschrocken zusammenzuckt und fassungslos auf den Bildschirm starrt.
Aber eben auch nicht immer. Manchmal ist schmerzhaft deutlich ersichtlich, dass Subaru bereits einen Weg eingeschlagen hat, auf dem er scheitern wird. Und schlimmer als die spontanen Tode von ihm oder seinen Verbündeten sind nur die, die in die Länge gezogen werden. Vor allem eine Szene in Staffel 1 hat sich dabei für ewig in meinen Verstand gebrannt.
Subaru gerät in die Hände eines Hexenkultes und gibt vor, den Verstand verloren zu haben – einfach, weil er mit der Situation überfordert ist. Der Anführer des Hexenkultes erkennt Subarus Wahnsinn allerdings als Lüge und will ihm zeigen, wie wahrer Wahnsinn ausgelöst wird. Mittels telekinetischen Kräften hebt er eine von Subarus Verbündeten (und ein klares Love Interest) vom Boden und beginnt ihr ganz langsam die Gliedmaßen zu verdrehen. Arme und Beine werden um 360° verdreht und letztlich auch der Kopf. Dabei imitiert der Anführer des Kultes in heller Freude die Todesschreie der jungen Frau.
Diese Szene war so widerlich, so unangenehm übergriffig und so gnadenlos – aber gleichzeitig so ungeheuerlich gut. Sie endet mit einem der besten Musikstücke, die ich in Anime jemals gehört habe. Man braucht die Bilder der Episode dazu, aber wenn ihr das einmal in Kombination gesehen und gehört habt, wird dieser Song euch immer ein unheimliches Unbehagen bereiten:
Ich hab mir das Lied gerade beim Schreiben des Artikels nochmal angehört und wieder Tränen in den Augen. Dabei habe ich die dazugehörige Szene vor 10 Jahren gesehen. So stark sind die Bilder und die Geschichte, die dieser Anime erzählt.
Die neueste Staffel begeistert ohne Pause
Besonders die letzten Folgen der aktuellen Staffel möchte ich noch hervorheben, ohne groß zu spoilern. Sie sind intensiv, wie kaum eine Anime-Erfahrung zuvor. Über Season 4 Episode 8 habe ich bereits geschrieben, dass sie eine der besten Anime-Folgen aller Zeiten ist. Doch das Niveau ist hoch geblieben, was man auch leicht an den Bewertungen auf IMDb nachvollziehen kann:
Episode 8 hat eine Bewertung von 9,9 / 10.
Episode 9 steht bei 9,8 / 10.
Episode 10 hat ebenfalls 9,8 / 10.
Dabei haben die Episoden nicht nur ein paar Dutzend Stimmen, sondern viele Tausende. Die letzten Folgen machen Re:Zero zu einem Horror-Thriller mit psychischer und körperlicher Grausamkeit, der die Abgründe des Verstandes erforscht und gleichzeitig den Hauptcharakter und was ihn ausmacht, komplett zerlegt.
Daher meine ich vollkommen aufrichtig: Wenn ihr Re:Zero bisher noch nicht geschaut habt und euch von dem „Isekai“-Label bisher habt abschrecken lassen – gebt der Serie eine Chance. Es wird nur ein paar Episoden brauchen, bis die Welt und die Charaktere euch in ihren Bann ziehen. Und dann wird es eine abenteuerliche, schmerzhafte Reise, bei der ihr immer wieder denken werdet: Es ist unglaublich, dass ein Anime mich solche Emotionen erleben lässt.
Re:Zero ist für mich der König der Isekai und einer der besten Anime aller Zeiten. Ganz gleich, wie sie diese Geschichte zu einem Ende führen werden, an dieser Einschätzung kann kaum noch gerüttelt werden. Daher empfehle ich ihn auch als einen der Pflicht-Anime, den jeder Fan von Isekai – oder Anime im Allgemeinen – sehen sollte.
Was haltet ihr von Re:Zero als Gesamtwerk und besonders den letzten Episoden? Reißt auch der Anime auch so mit und könnt ihr nachvollziehen, warum ich der Ansicht bin, dass kaum eine andere Isekai-Serie daran heranreicht? Oder seid ihr der Meinung, dass Re:Zero zu sehr gehyped wird und die Bewertungen der letzten Folgen fehlerhaft sind?
Der Beitrag Es gibt keinen Anime, der mich so stark mitreißt, wie der beste Isekai erschien zuerst auf Mein-MMO.
