WoW und Overwatch wollen meine ganze Zeit, aber ich will doch nur spielen

MeinMMO-Dämon Cortyn regt sich über immer mehr Events und Engagement-Checks in Spielen auf. Gerade Overwatch und WoW sind da sehr nervig geworden.

Eigentlich leben wir als Gamer in einer traumhaften Welt. Es gibt mehr Spiele als jemals zuvor. Die Auswahl ist gigantisch und jedes noch so kleine Nischen-Genre wird irgendwie bedient.

Das sorgt allerdings auch für ein Problem. Denn wer Live-Service-Games anbietet, die darauf setzen, dass Spielerinnen und Spieler möglichst lange gebunden bleiben und immer wieder Geld ausgeben, muss mit den zahlreichen Spielen konkurrieren.

Es geht darum, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu binden und das gelingt durch immer mehr „FOMO“, immer mehr Events und immer mehr Dinge, die mein „Engagement“ wollen – also dafür sorgen, dass ich noch möglichst lange mit dem Spiel interagiere. Mit den letzten Patches haben sich gerade World of Warcraft und Overwatch hier in eine nervige Richtung entwickelt.


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Dabei möchte ich zuerst nochmal betonen: Ich mag die meisten Blizzard-Spiele echt gerne. Aktuell habe ich sehr viel Freude am Stadium-Modus in Overwatch. World of Warcraft spiele ich ohnehin recht gerne, und auch ab und an eine Partie Hearthstone geht immer.

Doch es ist die Menge an Mechaniken, die mich dazu verleiten soll, möglichst noch mehr Zeit an noch mehr Tagen im Spiel zu verbringen, die mich inzwischen abschreckt.

Unzählige Missionen, die sagen: Spiel jeden Tag!

Overwatch ist dabei gerade das schlimmste Beispiel. Ich finde, das Overwatch spielerisch gerade auf dem besten Stand seit Jahren ist. Der normale Spielmodus ist in einem ziemlich soliden Zustand und der Stadium-Modus ist das Beste, was dem Spiel passieren konnte und hat für meinen Freundeskreis und mich die normalen Partien längst abgelöst. Ich könnte das aktuell im Grunde jeden Abend stundenlang spielen.

Doch inzwischen ist es das Spiel selbst, das mich hemmt. Denn wenn ich in Overwatch einlogge, dann ist es die schiere Menge an Aufgaben, die mich erschlägt. Mal kurz aufgeschlüsselt, was alles in Overwatch mein Engagement will:

Der Battle-Pass. Der geht im Grunde die ganze Saison und ist in den meisten Shootern inzwischen Standard.

Tägliche Aufgaben für mehr XP für den Battle-Pass.

Wöchentliche Aufgaben für mehr XP für den Battle-Pass.

Das „Excavation Initiative“-Event, bei dem ich an 3 Tagen in der Woche jeweils ein Spiel gewinnen soll und das über 6 Wochen hinweg.

Das „Anima Strike“-Event mit eigenem Belohnungspfad, bei dem ich tägliche Aufgaben (an mehreren Tagen) absolvieren muss, um genug Punkte zu sammeln und die Belohnungen zu erhalten.

Da schreit so viel so laut „Spiel mich, spiel mich!“, dass es nicht motiviert, sondern inzwischen so überfordernd und erschlagend wirkt, dass wir uns oft denken: Lohnt gar nicht, das zu versuchen. Das frustriert nur.

50 Spiele in einer Woche – das kann eine Menge Zeit fressen. Etwas viel für ein „Event“.

Was diese Events an Zeitaufwand fordern, ist teilweise jenseits von gut und böse. Das aktuelle „Anima Strike“-Event will etwa, dass ich 50 Spiele in einer Woche absolviere. 50 Spiele in meinem favorisierten Modus – also Stadium – entspricht ungefähr 25 Stunden Spielzeit (mit Wartezeit zwischen den Partien). Das sind 3,5 Stunden pro Tag oder zwei bis drei sehr, sehr intensive Abende, die bis in die Nacht hineinreichen.

Inzwischen sind es so viele „Engagement“-Mechaniken, das wir uns immer öfter denken: Ach, dann spielen wir lieber gar nicht. Und das, obwohl uns das Spiel grundsätzlich Spaß macht. Aber diese schiere Maße an Aufgaben hängt wie ein Damokles-Schwert über uns und sagt die ganze Zeit: „Wenn du jetzt schon angefangen hast, dann mach es auch fertig!“ … oder aber: „Wenn du nicht vor hast, es durchzuziehen, fang es am besten gar nicht erst an.“

Noch schlimmer wird es am Ende einer Saison, wenn für wenige Tage das Drive-Event aktiv ist. Hier muss man innerhalb von 5 Tagen gewertete Spiele gewinnen, um dann für die nächste Saison ein spezielles Anzeigebild und einen neuen Waffenskins zu bekommen. Das ist eine ganz sonderbare Art von Druck, die auch dafür sorgte, dass einer meiner Freunde einen kompletten Crash-Out hatte – aber wenn ich ins Reddit von Overwatch schaue, geht das wohl vielen so:

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Time-Gating gab es immer, aber jetzt ist es anders

In World of Warcraft ist es das Gleiche. Ich liebe das Spiel. Ich spiele es seit inzwischen über 20 Jahren und ich glaube, ich werde es auch in 20 Jahren noch spielen, jetzt wo es Housing und immer mehr andere, tolle RP-Features gibt. Aber ich mag auch das PvE von WoW ausgesprochen gerne.

Immer mehr Events stapeln sich oben in der Anzeige. Und sie wollen Aufmerksamkeit. Am besten täglich.

Auch wenn Time-Gating in WoW nichts Neues ist und schon seit Vanilla zum Spiel gehört (wenngleich viele Vanilla-Fans das gerne verdrängen), ist das aktuelle Ausmaß wirklich störend und hemmend. Egal ob es um Freischaltungen wie den Omniumfolianten oder eine Questreihe zu den Ritualstätten geht. Inzwischen steht sogar in den Quests, dass es sich hier um eine „Woche 1 von Woche 6“-Quest handelt, die mir quasi sagt: Das machst du jetzt bitte die nächsten 6 Wochen lang, wenn du das Ende erleben möchtest.

Es nervt. Es nervt so ungeheuerlich. Ein paar Mal konnte man mich mit solchen Mechaniken ködern, doch je häufiger und aggressiver es im Spiel vorkommt, desto mehr verachte ich es und denke mir: Das ist meine Zeit nicht wert. Das ist so ein stupides Buhlen um meine Aufmerksamkeit, dass ich es als Beleidigung empfinde.

Ohne solche Mechaniken würde ich mehr spielen

Wahrscheinlich würde ich beide Spiele – Overwatch und WoW – ohne solche Mechaniken sogar mehr spielen. Inzwischen sind dies Mechaniken ein Hemmnis geworden, bei denen ich mir immer öfter vornehme: Ich gehe ihnen einfach komplett aus dem Weg und mache andere Dinge.

Um das Omnium in WoW freizuschalten braucht man – natürlich – mehrere Wochen.

Mich stört das massiv. Ich will nicht, dass meine Lieblingsspiele mir sagen, wie viel ich zu spielen habe. Ich will, dass sie mir Anreize geben und dann kann ich entscheiden, wann und wie viel ich Zeit ich damit verbringen will.

Gerade jetzt im Sommer, wo man bei gutem Wetter auch einfach mal einen oder mehrere Abende rausgeht, will ich nicht, dass Spiele ganz bewusst Druck erzeugen – das tun sie manchmal schon von ganz alleine (wie Verpflichtungen in der Gilde oder bei Raids), aber das sind eben soziale Verpflichtungen. Das braucht nicht auch noch Teil des Gameplays zu werden und es wird eher schlimmer als besser.

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Aber wie seht ihr das eigentlich? Was haltet ihr von der Anzahl von Events und „Engagement“-Mechaniken, die in so vielen Spielen immer mehr Überhand nehmen? Könnt ihr das einfach problemlos ausblenden? Sorgt das für Hemmungen, ein Spiel überhaupt zu spielen? Oder findet ihr das sogar super, dass es immer was zu tun gibt?

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