LoL: Das MSI 2026 läuft offiziell auf Kick – Aber zu welchem Preis?

Große Turniere in League of Legends sorgen regelmäßig für hohe Zuschauerzahlen auf YouTube und Twitch. Jetzt laufen sie auch auf Kick. Riot will damit mehr E-Sport-Fans erreichen, doch viele sehen die Entscheidung kritisch.

Das ist die Ankündigung: Am 26. Juni 2026 gab Riot auf der offiziellen Website bekannt, dass die Plattform Kick Teil des Streaming-Rosters wird. Damit ist es künftig erlaubt, Turniere in LoL, Wild Rift, Valorant und TFT auf Kick zu co-streamen: Ein Streamer kann ein Match dann übertragen und live kommentieren.

Die Entscheidung trat mit dem MSI 2026 in Kraft. Das Mid-Season Invitational ist eines der wichtigsten Turniere in LoL und startete dieses Jahr am 28. Juni in Daejeon, Südkorea. Ironischerweise sollen aber ausgerechnet Korea und China von der neuen Streaming-Regel ausgeschlossen sein.

Die Partnerschaft öffnet auch die Möglichkeit für Kick-Streamer, offizielle Co-Streamer der Events zu werden.

Die nächsten Worlds könnten offiziell auch auf Kick zu sehen sein:


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Die neue Hymne der Worlds 2025 von LoL ehrt den ersten Weltmeister

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Von der Glücksspiel-Plattform zum Boom in Lateinamerika und dem Mittleren Osten

Warum ist das schwierig? Kick hat einen schwierigen Stand in der Streaming-Szene. Die Plattform entstand Ende 2022 als Reaktion auf die verschärften Glücksspiel-Richtlinien von Twitch. Hinter der Plattform steckt das Online-Casino Stake, welches von den Änderungen betroffen war, der Glücksspiel-Streamer Trainwreck trat als Berater auf.

Kick lockte mit Millionen-Deals und einem Einnahmen-Split zugunsten der Creator. Die Plattform wurde zu einer Art Zufluchtsort für die Streamer, deren Inhalt nicht als „familien-freundlich“ galt, und die bei den großen Exklusiv-Deals von Twitch und YouTube außen vor blieben.

Kick ist hierzulande also vor allem dafür bekannt, dass auf der Plattform offen Glücksspiel betrieben wird, und man Themen wie Copyright oder Moderation etwas laxer sieht. Ja, auch auf Twitch gab es über die Jahre Skandale und fragwürdige Entscheidungen. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass auf Kick die Art Content floriert, die zu extrem für YouTube oder Twitch ist.

Bei Riot scheint man sich dieser Problematik durchaus bewusst zu sein, denn im Post wird betont: Man werde dieselben Standards an Streamer stellen und Moderartions-Praktiken durchsetzen, wie auf anderen Plattformen.

Was steckt dahinter? Die Antwort dürfte Riot in der Mitteilung indirekt selbst gegeben haben. Denn dort steht, man wolle vor allem E-Sport-Fans in Lateinamerika, dem Mittleren Osten und Europa erreichen. Das sind Regionen, in denen Kick Twitch in den letzten Jahren ziemlich das Wasser abgegraben hat:

Spanisch ist eine der wichtigsten Sprachen auf Twitch. Streamer wie ibai, Rubius und AuronPlay ziehen zehntausende Zuschauer an, auch wenn man sie hierzulande vielleicht weniger kennt. Doch Streamer in Latein-Amerika kritisieren schon länger, dass sie nicht so viel verdienen, wie ihre englischsprachigen Counterparts. In der Folge wanderten viele zu Kick ab, wo der Sub-Split lukrativer und die Werbeeinnahmen größer waren (Quelle: Zack Bussey via YouTube).

Auch in Teilen Europas und des Mittleren Ostens ist Kick extrem populär. Die MENA-Region erlebt einen riesigen Streaming-Boom, angetrieben durch hohe Gaming-Investionen in Saudi-Arabien und die Beliebtheit von Rollenspiel in GTA Online sowie Shooter. Dieser Boom findet laut einer Recherche der Analyse-Plattform Stream Hatchet aber auf Kick statt: Im ersten Quartal 2026 soll Kick 81 % der Streaming-Zuschauerschaft im Mittleren Osten vereint haben.

Laut einem Bericht von Kick selbst führt Polen die Liste der europäischen Länder mit den meisten Nutzern an, gefolgt von Spanien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Parallel dazu zeigt etwa SullyGnome, dass auf Twitch in den letzten 365 Tagen im Vergleich zum Vorjahr 15 % weniger auf Polnisch gestreamt wurde.

Es zeigt sich also: Kick ist längst nicht einfach nur eine Schmuddel-Plattform für Streamer, die auf Twitch gebannt sind. Für einige Creator ist sie eine ernsthafte Alternative – auch, weil sie dort womöglich besser von ihren Inhalten leben können. Für Riot könnte Kick also eine Brücke sein, um genau diese Nutzer zu erreichen.

LoL-Streamer sieht es als „eins von vielen L’s“

Wie wird das diskutiert? Auf Reddit wird die Entscheidung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Viele sehen die Nähe zum Glücksspiel kritisch. Einige fragen sich, ob denn zukünftig Glücksspiel-Werbungen in den Streams laufen würden. Andere witzeln aber: So toxisch, wie der Chat in LoL sei, wäre Kick genau die richtige Plattform.

Ein Nutzer ätzt: Den Teams würde Riot Glücksspiel-Sponsoren verbieten, jetzt würden sie selbst Glücksspiel-Geld annehmen. Tatsächlich hatte Riot seine strengen Regeln zu Glücksspiel-Sponsorings 2025 gelockert und erlaubt Sponsoring durch Wett-Dienstleister. Allerdings unterliegen diese weiterhin Auflagen. Fans fürchten nun, dass diese Regelungen weiter gelockert werden könnten.

Der deutsche LoL-Streamer NoWay nennt die Partnerschaft auf X „eins von vielen L’s in letzter Zeit“ und schreibt: „Ich liebe E-Sport, aber es schmerzt einfach sehr zu sehen, wie unbezahlbar das Ganze ohne sämtlichen Verlust von Moral scheint.“

Andere Nutzer argumentieren jedoch, dass auch Twitch in den letzten Jahren stark an moralischer Überlegenheit eingebüßt hätte. Die Kritik an Kick finden sie nun heuchlerisch.

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Wer bezahlt wen?

Im Reddit-Thread kommt auch die Frage auf, wer hier eigentlich wen bezahlt: Lässt sich Kick die Streaming-Rechte einiges kosten, oder zahlt hier etwa Riot für die Reichweite? Zu den Details hält sich Riot zwar bedeckt, jedoch kann man diese Frage mit recht hoher Sicherheit beantworten. Historisch sind es nämlich die Plattformen, die viel Geld für exklusive Streaming-Rechte hingelegt haben.

Mit dem Aufkommen von Co-Streaming geht es aber weniger um Exklusivität: Vielmehr bezahlt man dafür, dass die eigenen Streamer ein Event groß übertragen dürfen. Denn die ziehen längst mehr Zuschauer an, als die offiziellen Broadcasts.

Der Deal scheint hier klar: Kick kauft sich mit den Streaming-Rechten auch ein Stück weit Legitimität – weg vom Schmuddel-Image, hin zur ernstzunehmenden Mainstream-Alternative im Streaming.

Man kann sich aber fragen, ob man dafür bereit ist, den Preis in Form von Moral zu bezahlen. Tatsache ist: Wir befinden uns im E-Sport-Winter und selbst die koreanische LoL-Liga macht Verluste. Muss man also immer mehr Kompromisse eingehen, um den E-Sport noch tragen zu können? Ist das tatsächlich der vollkommene Verlust von Moral, über den NoWay spricht? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!

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