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Fast ein Jahrzehnt nach Teil 2 setzt Tripwire Interactive wieder auf die bewährte Formel: Bis zu sechs Spieler stellen sich gemeinsam immer härter werdenden Monsterwellen und Bossgegnern. Neu ist vor allem die Präsentation: Dank Unreal Engine 5 erscheinen die Zeds detailreicher denn je – inklusive abgetrennter Gliedmaßen und literweise rotem Lebenssaft.
Denn Killing Floor 3 ist extrem blutig: Die bizarren Zeds lassen sich mit einem umfangreichen Arsenal aus modifizierbaren Waffen auf befremdlich befriedigende Art in sämtliche Einzelteile zerlegen. Besonders die neuen Katanas sorgen in engen Korridoren schnell für einen saftig-roten Anstrich. Der brachiale Metal-Soundtrack, grausige Zed-Schreie und wuchtige Waffensounds unterstreichen die spektakuläre Action, speziell wenn sich die ”Zed-Time” aktiviert und Ihr die Ungetüme in Zeitlupe auseinandernehmen dürft. Sprints und vor allem das neue Rutschen und Ausweichen bringen zusätzliche Dynamik in die Kämpfe. In seiner Paradedisziplin, dem großflächigen Eliminieren von Zeds, überzeugt der fordernde Ego-Shooter also. Abseits der Action bleibt Killing Floor 3 jedoch blass.
Die Einzelspieler-Kampagne beginnt Jahre nach den Ereignissen aus Teil 2: Die Menschheit steht am Abgrund und ein Megakonzern ist schuld. Erzählt wird die völlig uninspirierte Geschichte um fragwürdige Zombie-Experimente lediglich über Funksprüche und ein paar Audiologs. Zwischensequenzen oder NPCs fehlen komplett und nach rund sechs Stunden und einem mäßig interessanten Bosskampf ist die Geschichte einfach vorbei. Danach gibt es nur wenig, das zum Weiterspielen motivieren würde. Obwohl die Karten viele blutige Details, mehr Vertikalität in der Architektur sowie zahlreiche Sprung- und Kletterpassagen aufweisen, wirkt das Design meist eintönig und steril. Hinzu kommt ein unausgegorenes Fortschrittssystem und zusammengewürfelt wirkende Fähigkeitenbäume. Nach Abschluss der Kampagne hatten wir nicht einmal die Hälfte aller Skills freigeschaltet und nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Nur wer wirklich Freude am Experimentieren mit neuen Builds hat, wird sich erneut durch die immer gleichen Areale kämpfen.
Inhaltlich enttäuscht Killing Floor 3. Wer sich reinhängt, hat an einem Wochenende alles gesehen: Acht Maps, sechs Klassen, drei Bosse und acht Zeds bieten auf Dauer wenig Abwechslung und fühlen sich sehr nach Early Access an. Tripwire setzt hier klar auf Service-Game-Design samt Ingame-Shop und Inhalts-Updates – ein Ansatz, der nicht jedem Fan gefallen dürfte. Immerhin läuft das Ganze ordentlich und konstant mit 60 fps.
Meinung
Josef Erl meint: Die Balleraction sitzt und die Gore-Engine überzeugt. Doch darüber hinaus bleibt vieles flach: Zu wenig Karten, ein zähes Fortschrittssystem und eine lieblose Inszenierung rauben Killing Floor 3 den Schwung. Seine Stärken entfaltet der flotte Ego-Shooter vor allem im Team. Wenn Ihr Euch mit Freunden abstimmt, Gegnerwellen koordiniert abwehrt und Bosskämpfe gemeinsam meistert, erinnert Teil 3 an die Qualitäten seiner Vorgänger. Die Mischung aus rasanter Action und taktischer Waffen- und Klassenwahl funktioniert zumindest für ein paar Stunden. Danach macht sich auch hier die Gleichförmigkeit bemerkbar. Wer sich mit der bekannten Formel anfreunden kann und keine großen inhaltlichen Sprünge erwartet, bekommt kurzweilige Action geboten – aber eben nicht mehr. Potenzial ist da, doch Tripwire muss es über Updates noch ausschöpfen.
Wertung
6 Klassen mit unterschiedlichen Spezialisierungen
langsamer Fortschritt
Blutige Zed-Schlachten in moderner Aufmachung – technisch solide, inhaltlich und inszenatorisch aber klar ausbaufähig.
Singleplayer65MultiplayerGrafikSound
