Auf dem EVE Fanfest habe ich verstanden, warum die Community das Weltraum-MMO so liebt

MeinMMO-Redakteurin Caro befand sich dieses Jahr das erste Mal auf dem EVE Fanfest in Reykjavik, obwohl sie zunächst skeptisch war. Nach einigen Gesprächen mit Spielern, Community-Chef und Einblicken in neue Inhalte versteht sie nun, was die EVE-Erfahrung für Spieler so besonders macht.

EVE Online stand für mich bisher für genau 3 Dinge: Rekordverdächtige Schlachten, übermächtige Korporationen und explodierende Raumschiffe. Da ich dieses Jahr im Namen der MeinMMO zum jährlichen EVE Fanfest nach Island reiste, wollte ich verstehen: Was macht EVE Online für seine Spieler so besonders? Und hätte ich als absoluter Neuling in einem über 20 Jahre alten MMO voller Veteranen überhaupt eine Chance?

Nach meiner Rückkehr kann ich berichten: Spieler von EVE sind eine eingeschworene Community und sind trotzdem bereit, selbst frische Neuling willkommen zu heißen.


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EVE Vanguard – Operation Avalon zeigt im Trailer, was euch im Alpha Playtest erwartet

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Community ist der Fokus des gesamten Fanfests

Vor Ort habe ich schnell gelernt: Ja, natürlich ist das Fanfest ein perfekter Ort für Fenris Creations (ehemals CCP Games), um neue Inhalte und Pläne für EVE vorzustellen. Und das wurde auch über die Tage in verschiedenen Präsentationen großzügig gemacht. Gleichzeitig galt es jedoch deutlich, ein Event für diejenigen zu schaffen, die EVE überhaupt zu dem machten, was es heute ist – nämlich seine Spieler.

Bereits bei der Eröffnungszeremonie wurden Erfolge und starke Persönlichkeiten aus der Community auf der Bühne hervorgehoben sowie für ihre Erfolge gefeiert. Meine Lieblingsstatistiken möchte ich euch nicht vorenthalten:

Auf Twitch und YouTube wurden über 20 Millionen Stunden an EVE-Content angeschaut. Das sind über 2.282 Jahre oder insgesamt um die 28 Lebzeiten.

Der „älteste“ anwesende Charakter des Fanfests ist ein Capsuleer, der an dem Release von EVE Online am 6. Mai 2003 zum Leben erweckt wurde. Der Jüngste spielt erst seit Dezember 2025 und wollte trotzdem sofort beim nächsten Fanfest dabei sein.

134 Spieler und damit die meisten der 940 Teilnehmenden des Fanfests stammen aus der Allianz mit dem wunderbaren Namen „Goonswarm Federation“, was bei der Verkündung zu lautem Jubel der Mitglieder führte. Die Gruppe beherbergt insgesamt über 69.000 Mitglieder und 774 Korporationen in EVE Online.

Alle Fanfest-Teilnehmenden haben im Durchschnitt 7.900 Stunden in das Weltraum-MMO gesteckt (bei den präsentierenden Entwicklern lag der Durchschnitt bei 8.848 Stunden).

Um klarzumachen, wie viel man mit 10.000 Stunden Lebenszeit anstellen kann, wurden folgende Beispiele gegeben:

Dinge, die man in 10.000 Stunden machen kann – absolut wert.

Auf Deutsch:

Was man in 10.000 Stunden alles erreichen kann (völlig ohne Zusammenhang):

Fließend Mandarin, Japanisch und Finnisch lernen.

Die Violine auf Konzertniveau beherrschen.

Einen Doktortitel erlangen, vielleicht sogar zwei.

Von Reykjavik nach Rom laufen. Zweimal.

75 Marathons laufen.

40.000 Tiefkühlpizzen zubereiten.

16.000 Schachpartien spielen.

15.800 Serien auf Netflix anschauen.

#Lohnt

Neulinge sind kein Dorn im Auge, eher im Gegenteil

Was mir an meinem Tag beim Fanfest schnell aufgefallen ist, ist der Fokus auf das Gewinnen neuer Spieler. Ob in der Vorstellung neuer Inhalte, im Austausch mit Spielern und auch im Gespräch mit Community-Manager und Lead Peter Farrell.

Die Entwickler – so Farrel – sind sich durchaus dessen bewusst, dass der Einstieg in ihr MMO für Interessierte oftmals eher einschüchternd wirkt. Persönlich ging ich davon aus, dass Neulinge schlichtweg nicht die neuen Buh-Männer und -Frauen von New Eden sein wollen, die von Veteranen für fehlenden Skill auseinandergerissen werden, doch das sei laut Farrell gar nicht der Fall, sondern ganz im Gegenteil: 

„Unsere Veteranen-Spieler haben daran auch ein berechtigtes Interesse. Sie wollen, dass mehr Leute das Spiel spielen, weil sie wissen: Wenn mehr Leute da sind, gibt es mehr Aktivität. Alle größeren Gruppierungen haben eigene Ausbildungsorganisationen für neue Spieler. Sobald du deine Leute gefunden hast, wirst du im Spiel hängenbleiben. Sie werden dir den Weg zeigen, ganz egal, was für Guides wir herausbringen oder so etwas.“

Um Neulingen einen leichteren Einstieg in EVE Online zu bieten, wurde während des Fanfests die neue Erweiterung „Cradle of War“ (übersetzt: „Wiege des Krieges“) vorgestellt.

Die Erweiterung „Cradle of War“ erscheint am 9. Juni 2026

Ein passender Name, wie sich für mich herausstellte. Denn durch die neuen Inhalte des DLCs soll Einsteigern die wahre Schwierigkeit des Starts genommen werden, vor allem durch bessere Wegweisung anstelle von einem leichteren Schwierigkeitsgrad:

„Das eigentliche Problem, das wir beim Einstieg sehen, ist die Entscheidungslähmung“, erklärt Farrell, „wenn du anfängst, sagen wir dir: ‚Du kannst alles tun!‘ Und das ist wirklich cool, aber was bedeutet ‚alles‘? Wir müssen erklären, was dieses ‚alles‘ ist.“

In der Erweiterung werden Neulinge in einem Startersystem namens „Exordiom“ abgefangen, in dem sich nur Spieler des gleichen Niveaus befinden werden, die einander beim Start unterstützen und beibringen können, wie die eigentlichen Kernmechaniken des Spiels funktionieren.

„Von dort aus ist die Idee, dass du dich wohl genug fühlst, um fundierte Entscheidungen zu treffen und bewusste Risiken einzugehen, anstatt einfach aus Versehen in eine dunkle Gasse abzubiegen“, fügt Farrell hinzu. Auf diese Weise will das Team, dass man mit der richtigen Vorbereitung nicht länger das Gefühl hat, von Möglichkeiten überschüttet zu werden. 

Er betont jedoch, dass man auch vor langjährigen Veteranen nicht eingeschüchtert sein muss: 

Also, jeder hat diese Tortur durchgemacht, als er versucht hat, das Spiel zu lernen, und weiß, wie schwer es ist. Wenn es also jemand schafft, ist es, als wäre man Teil einer Art Gemeinschaft von Menschen, die eines der härtesten Spiele überstanden haben.

Und die Leute – die Spieler sind so nett, ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie toll sie sind. Aber wenn man auch nur fünf Minuten dort ist, kommt jemand auf einen zu, fragt, wie es einem geht, fragt vor allem, mit wem man fliegt, und selbst wenn man so etwas wie ein Feind ist, sagen sie: „Ach, ist schon gut, hier bist du mein Freund, lass uns was trinken gehen, lass uns über dein Lieblingsschiff reden.“

Peter Farrell, Community Manager und Lead im Interview

Ein Versprechen, das ich selbst testen wollte

Um diese versprochene Art der Community selbst zu erleben und mir ein eigenes Bild zu machen, begab ich mich durch das Venue des Fanfests und wollte so viel mitnehmen und aufschnappen, wie nur möglich.

Um das Wort „Fest“ in Fanfest zu betonen, bot Fenris Creations ihren Spielern verschiedene Aktivitäten, wie Spielestationen (darunter auch EVE Vanguard und Frontier), Möglichkeiten, um Goodies zu gewinnen und zu kaufen, und eine Ecke für gemeinsames Stricken, die laut Farrell von den Spielern selbst für das Fanfest angefragt wurde.

Mich zog es zu einem Pop-up zum Bemalen von Miniatur-Raumschiffen, die man aus New Eden kennt. Hier war ich mir sicher, Miniaturen als Eisbrecher für ein Gespräch nutzen zu können, um mich mit Fans von EVE auszutauschen.

Ich habe mich für ein Caracal-Schiff entschieden, dessen Spitze mich irgendwie an einen Schnabel erinnerte. Dem musste schließlich das gesamte Design folgen:

Mein Caracal-Schiff, einmal (fast) unbemalt und einmal fertig in der Fotobox

Mein Plan hat schließlich geklappt. Ich kam am Maltisch mit einem Langzeit-EVE-Spieler ins Gespräch, der sich selbst einem Scorpion-Modell gewidmet hat. Und hier wurde mir nicht nur bewusst, dass mein weniges Wissen keineswegs belächelt oder schlechtgeredet wurde, sondern ganz im Gegenteil.

Unterhaltung mit einem Spieler, der für EVE prompt nach Island zog

Ich habe leider gar nicht nach seinem Namen gefragt, aber der Spieler war durchaus interessiert, was eine unerfahrene Person wie mich zum EVE-Fanfest motivierte. Was folgte, war nicht nur eine Einführung in die Schiffe, die wir bemalten, sondern auch, wie viel EVE ihm bedeutet.

Er erzählte mir, dass er vor vielen Jahren aus Belgien nach Island auswanderte, allein für das jährliche Fanfest. In Reykjavik lernte er schließlich seine Partnerin kennen und hat seinen jetzigen Wohnort seitdem auch nicht mehr verlassen. 

Er sagte, dass das Fanfest Jahr für Jahr weiterhin besonders bleibt und er sich immer darauf freue, neue und alte Gesichter zu sehen und über das Spiel zu reden, das sie alle so lieben. Fanfest sei etwas ganz Besonderes, und das konnte ich nicht nur anhand seiner Geschichte erkennen, sondern auch an den anderen Malern und EVE-Spielern am Tisch, die das deutlich bejahten.

Der Spieler meinte, er würde die MeinMMO regelmäßig nach meinem Artikel abchecken, also – falls du das liest, lieber Scorpion-Maler – ganz liebe Grüße!

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Zum Start von Cradle of War am 9. Juni ergibt sich für mich die perfekte Chance, die angebliche Einsteigerfreundlichkeit von EVE Online auf die Probe zu stellen – und was soll ich sagen? Irgendwie juckt es mich in den Fingern, auch wenn ich mich immer noch nicht als absoluten SciFi- oder Raumschiff-Fan bezeichnen würde. Aber ich kann nach dem Treffen mit den Spielern verstehen, wieso sie ihr Weltraum-MMO so lieben.

Das laute Jubeln in Präsentationen über den Erfolg anderer Spieler. Leute, die sich nach einem Jahr Warten auf das nächste Fanfest das erste Mal wiedersehen konnten. Die Begeisterung, die über die Neuankündigungen zu spüren war. Für die Spieler war das Fanfest 2026 wahrlich das Fest, was der Titel verspricht. Und auch ich habe mich selbst als „Außenseiter“ einfach sofort willkommen gefühlt.

Meiner Ehrfurcht davor, in ein so lange existierendes MMO einzutreten, bleibt weiter bestehen, aber ich gewann Zuversicht, dass ich beim Start nicht komplett verzweifeln würde. Sonst würde ich in Zukunft nicht davor zögern, die Community um Hilfe zu bitten, die ich beim Fanfest kennenlernen konnte.

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