Die neue Erweiterung für Diablo 4, Lord of Hatred, kommt bei den Spielern gut an. Sie loben immer wieder die Kampagne und die neuen Systeme. Sogar Blizzard selbst ist offenbar zufrieden mit dem DLC, wie die Entwickler in einem Interview verraten. Nur ausgerechnet das neue Endgame ist… ein Downer.
Ich habe Lord of Hatred ja bereits vor Release getestet und habe die gesamte Kampagne 10 Stunden am Stück durchgezogen. Nicht nur, weil ich „musste“, sondern weil mich das Addon schon nach wenigen Minuten absolut gefesselt hat.
Lord of Hatred bringt viele neue Features ins Spiel und verbessert das, was schon da ist. Meine Highlights sind der Warlock als neue Klasse und der Talisman, mit dem endlich Sets zurückkehren. Die waren für mich schon das Beste an Diablo 3 und sie haben Diablo 4 lange gefehlt.
Dazu kommen „Kleinigkeiten“ wie Loot-Filter oder das transparente Map-Overlay – Dinge, nach denen die Community schon seit Jahren schreit. Und genau das ist der Punkt: Blizzard hat umgesetzt, was die Spieler wollten, und das offenbar ganz bewusst.
Der offizielle Launch-Trailer zu Diablo 4: Lord of Hatred
Autoplay
„Ein Liebesbrief an Diablo und seine Spieler“
Vor Release hatte die Presse die Möglichkeit, den Entwicklern in einem Gruppen-Interview Fragen zu stellen. Die Antworten gaben:
Zaven Harountian, Associate Game Director
Colin Finer, Associate Director for Game Design
und Barry Morales, Associate Production Director
Blöderweise war das Interview mitten in meinem Urlaub, weswegen ich keine eigenen Fragen einbringen und am Ende nur noch die Antworten nachlesen konnte. Eine besonders spannende Antwort kam jedoch auf die Frage einer Journalistin von PCGamesN, die wissen wollte, ob Diablo 4 nun auf seinem besten Stand sei.
Zaven Harountian bejahte nur, Colin Finer, der ohnehin ein Community-Liebling ist, ging etwas mehr ins Detail:
100 %. So viele Features sind ein Liebesbrief an Diablo und seine Spieler. Es war ein großer Liebesdienst vom Team. Wir haben das Spiel intern dauernd gespielt, es war leicht, sich im Flow State des Grindens der Kriegspläne zu verlieren… das MAP OVERLAY zu nutzen, um sich effizient durch jedes Level zu navigieren… Loot Filter zu nutzen, um Ultra-Endgame-Items aufleuchten zu lassen.
Colin Finer
Einige weitere Fragen im Interview gingen auf die Story ein, würden aber einige Spoiler enthalten, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichen möchte – nicht, ehe ein großer Teil der Spieler damit durch ist. Denn genau hier hat Blizzard so richtig nachgelegt.
Blizzard trifft genau den Nerv – Vor allem, was Story und Stimmung angeht
Ich kenne und spiele Diablo seit Jahren und habe mehrere Hundert, vermutlich eher tausende Stunden in die Reihe gesteckt. Gerade Diablo 3 hat mich lange beschäftigt. Für mich war dabei immer am wichtigsten, dass sich die Spiele auch wirklich wie „Diablo“ anfühlen sollen: düster, grimmig, zu einem gewissen Grad hoffnungslos. Schließlich kehren die großen Bösewichter immer irgendwie zurück.
Diablo 4 hatte hier bisher ein gewisses Problem. Lilith als Gegenspieler hat funktioniert, war aber genauso schnell wieder weg, zumindest vorübergehend. Inarius, auch wenn ein wichtiger Charakter, war außerhalb der Lore-Bubble doch eher wenig bekannt.
Lord of Hatred knallt aber richtig rein. Schon im buchstäblich ersten Cinematic setzt Blizzard den Pfad für die Stimmung und entledigt sich einem der wichtigsten Story-Charaktere fast mit einem Fingerschnippen. Ein Zeichen dafür, wie groß die Gefahr wirklich ist.
Ich werde hier weiterhin spoilerfrei schreiben, aber die Kampagne hat mich an vielen Stellen schlucken lassen. Es gab Momente, die ich selbst für Diablo düster fand und die gut zeigen, warum Mephisto nicht nur das erste, sondern das größte Übel ist.
Lord of Hatred rockt, aber das neue Endgame-Feature ist nicht ganz durchdacht
Bei all dem Lob für die neuen Features muss ich eine Sache jedoch ankreiden, die auch in der Community nicht gut ankommt und die ausgerechnet bei den Devs als Pluspunkt gilt: Kriegspläne.
Die Idee ist ja ganz nett, sich das Endgame selbst zusammenstellen zu können, aber irgendwie ist das Gegenteil der Fall, zumindest anfangs: Man muss den vorgegebenen Content machen, um weiterzukommen. Die Auswahl lässt sich zwar neu auswürfeln, kostet aber entsprechende Ressourcen.
Wollt ihr dann noch in Gruppen spielen? Tja, Pech. Nur ein Spieler kann gleichzeitig seinen Plan vervollständigen, außer ihr habt zufällig die gleichen Pläne. Zumindest war das zu Release so. Blizzard hat schon zwei Tage später nachgeholfen und zumindest Belohnungen gibts nun für die Gruppe im vollem Umfang.
Kriegspläne wirken dadurch etwas ungeschliffen – etwas, das heraussticht, wenn alles andere blank poliert ist.
Trotzdem ist Lord of Hatred definitiv gerade der beste Stand, den Diablo 4 je hatte, da stimme ich zu. Und selbst in der sonst oft zynischen Community kommt die Erweiterung gut an. Meckereien kommen vor allem – wie gewohnt – von den Core-Spielern, denen es nicht schnell genug gehen kann: Spieler ist unzufrieden, kopiert den besten Warlock-Build in Diablo 4 von Streamern, bekommt gesagt: Das ist der Fehler
Der Beitrag Blizzard sagt, Diablo 4 ist mit Lord of Hatred so gut wie noch nie und ja, sie haben recht, doch ein Feature nervt erschien zuerst auf Mein-MMO.
