Mistfall Hunter hat MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus total überrascht: ein Rollenspiel, das sich nicht an Konventionen hält und das Spielprinzip von Shootern wie Escape from Tarkov kopiert. Kann so etwas klappen? Offenbar ja, auch wenn ein paar Sorgen bleiben.
„Hast du das eigentlich schon gesehen?“, kam die Nachricht am Samstagmittag mit einem Link zu Mistfall Hunter auf Steam. Ein kurzer Blick auf die Shopseite erklärt: „Extraction-ARPG im düsteren Fantasy-Stil“. Ja, richtig gelesen.
Am Sonntag haben sich Kollege Benedikt Schlotmann und ich dann dazu entscheiden, dem Spiel eine Chance zu geben und verdammt, ich hätte nicht erwartet, dass mir Mistfall Hunter SO viel Spaß macht.
Mistfall Hunter: Seht euch offizielles Gameplay aus der Beta an
Autoplay
Ach, wieder so ein Extraction… RPG?
Elden Ring trifft Extraction – oder Dark and Darker. Was erst einmal wie eine wilde Kombination klingt, funktioniert überraschend gut. Das Spielprinzip könnt ihr euch vorstellen wie Escape from Tarkov und Co.:
Ihr sucht eine Runde und landet auf einer Map mit NPC-Gegnern und menschlichen Gegenspielern – PvPvE eben.
Eure Ausrüstung entspricht dem, was ihr zuvor aus dem Lager mitgenommen habt, ist also mehr oder weniger gut.
Den guten Loot gibt’s dann irgendwo auf der Map im Kampf gegen Bosse, in seltenen Kisten oder durch das Abschließen kleiner Events und Quests.
Allerdings ballert ihr euch dabei nicht mit einer AK oder einem Scharfschützengewehr durch heruntergekommene Lagerhallen, sondern tretet mit Schwert und Schild, Zweihänder oder Magie an – solo oder im Teams aus bis zu drei Spielern.
Mistfall Hunter bekommt dadurch eine gänzlich andere Dynamik. Irgendwo im Gebüsch zu hocken und zu warten, bis jemand vorbeikommt, den man abziehen kann, klappt eben nicht. Ohne eigene Erkundung und ohne gewisse Risiken einzugehen, verlässt man die Map ohne nennenswerten Loot.
Dazu kommt der nordische Flair: die Architektur, die NPCs und auch die Götter und Gegner erinnern an Wesen aus der nordischen (und anderen) Mythologien. Etwas, das mich ja sowieso sehr leicht abholen kann.
Ein Klassen-Design, das mehr Spiele dieser Art brauchen
Am meisten hat mich jedoch das Klassen-System überzeugt. Wo gerade Extraction-Shooter auf so etwas verzichten und euch nur anhand der Ausrüstung eure Rolle vorgeben, hat Mistfall Hunter echte Klassen mit eigenen Skills und Talentbäumen.
Der Söldner etwa ist der Tank der Gruppe, Exilritter sind die schweren Nahkämpfer mit Zweihänder, Schwarzpfeile ballern mit, nun, Pfeilen aus der Entfernung, und Zauberer… zaubern. Jede Klasse hat einzigartige Ausrüstungsgegenstände, kann gelevelt werden und spielt sich unterschiedlich:
Zauberer müssen im Kampf verschiedene Schulen der Magie jonglieren, um Effekte zu kombinieren und sich Gegner vom Leib zu halten.
Schwarzpfeile legen Fallen und nutzen verschiedene Arten von Pfeilen für Effekte wie Betäubung, Rückstoß oder Durchschlag.
Selbst die ähnlich klingenden Klassen Söldner und Exilritter sind grundverschieden: die eine ist mit Schild darauf ausgelegt, Angriffe zu blocken oder durchbricht mit dem Zweihand-Hammer die Deckung, der andere Nahkämpfer ist ein exzellenter Schwertkämpfer, der Stärke mit Finesse kombiniert.
Sicher hat es irgendwie Vorteile, wenn jeder alles kann, aber dazu spiele ich Rollenspiele nicht. Meine Rolle zu haben, in der ich aufgehen kann und die ich erfüllen soll, macht insbesondere Team-Spiele interessanter – und im Fall von Trios sogar wichtig, in welcher Kombination man spielt.
Tau erinnert sehr an Charaktere aus Souls-Spielen und verhält sich auch so.
Einige Talente des Schwarzpfeils.
Die Skills des Schwarzpfeils.
Die Truhe füllt sich schnell.
Das Lager lässt sich ausbauen.
Nebenquests mit emotionaler Story gibt’s ebenfalls.
Sigrid versorgt euch vor jedem Run mit Buff-Bier.
„Alter, geht mir diese Ausdauer auf den Sack!“
Nun schreibe ich ja, dass ich erst geflucht habe und ja, das habe ich, mehrmals und laut. Fragt Benedikt und seine armen Ohren. Denn auch, wenn mir Mistfall Hunter wirklich gefiel, kam ich nicht sofort damit zurecht.
Als Exilritter musste ich enorm mit meiner Ausdauer haushalten, schon nach drei oder vier Schlägen war die leer. Nur mit den richtigen Combos kommt man hier weiter und im Kampf gegen andere Spieler war ich damit erst mal stark unterlegen.
Dazu kommen Feinheiten wie die Umgebung, in der man gerne mal feststeckt oder NPC-Gegner, die sich nicht zuverlässig verhalten, sondern scheinbar zufällige Entscheidungen treffen.
Am Ende gehe ich sogar meinem Koop-Partner fremd
Obwohl mich Mistfall Hunter wegen solcher kleinen Unebenheiten nicht bedingungslos mitreißen konnte, hat mich das Spielprinzip doch so sehr überzeugt, dass ich Benedikt nach einer kurzen Pause alleine gelassen und solo weitergespielt habe.
Zu meiner Verteidigung: das alles war ein kostenloses Demo-Wochenende und ging nur noch bis Montag, den 22. Juni. Ich hatte also ohnehin wenig Zeit und wollte die möglichst nutzen. Das Spiel erscheint vollständig auf Steam am 30. Juli 2026.
Solo macht das Spiel sogar noch ein wenig mehr Spaß, weil man sich leiser durch die Map bewegen kann und so weniger auffällt. Vor anderen Spielern zu fliehen – oder ihnen aufzulauern – fällt so deutlich leichter. Quest-Fortschritt, wie auch der Ausbau des eigenen Lagers (etwa Stufen von Schmied, Auktionshaus und Beutetruhe), werden von allen Charakteren des Accounts geteilt.
Ein nettes Detail, das mir sehr gut gefiel: vor jedem Run lässt euch Sigrid einen Schluck auf den Sieg trinken. Das sorgt für Buffs für das ganze Match, ein wenig wie vor einer Jagd in Monster Hunter nochmal kurz zu futtern.
Was noch für ein paar Fragezeichen gesorgt hat, ist vor allem die Monetarisierung. Es wird Mikrotransaktionen geben, jedoch wissen wir noch nicht genau, welcher Art. Da hinter Mistfall Hunter eine Tochter-Firma von ByteDance (TikTok) steckt und das Spiel offenbar den Westen als Ziel-Publikum hat, gehe ich jedoch von eher weniger aggressiven Shops aus.
Mistfall Hunter hat mir zwar wirklich Spaß gemacht, allerdings galt das auch für Hood: Outlaws and Legends und Highguard. Beide wurden bereits beerdigt und hielten nicht sonderlich lange. Was das für das Schicksal von Mistfall Hunter heißt… lasse ich einfach mal offen. Zumindest im ARPG-Sektor steht aber noch ein weiteres Juwel an, das aktuell noch entwickelt wird und das sehr spannend aussieht: Neues ARPG auf Steam sieht aus wie Warhammer mit Gottes-Kräften, erinnert an Diablo 4
Der Beitrag Erst fluchte, dann jubelte ich: Ein neues RPG traut sich, was bisher nur Shooter durften, fesselt mich den ganzen Tag erschien zuerst auf Mein-MMO.
