„Er hat vergessen, für die Rechte zu bezahlen“ – Ein Western mit Clint Eastwood ist fast eine exakte Kopie eines japanischen Klassikers, wurde dafür verklagt

Clint Eastwood und Sergio Leone sind vor allem für ihre legendären Western bekannt, doch auch Leone ließ sich von anderen Filmen inspirieren. Weil er aber für einen Film die Rechte nicht hatte, musste man eine hohe Summe an Strafen bezahlen.

Um welchen Film geht es? Eine Handvoll Dollar machte Clint Eastwood 1964 zum großen Filmstar. Es war der Start der Dollar-Trilogie des legendären Regisseurs Sergio Leone, der ein wichtiger Wegbereiter des Italowestern war.

Doch Eine Handvoll Dollar hat eine Inspirationsquelle, die bereits 1961 erschienen ist: Yojimbo – Der Leibwächter, von der japanischen Regie-Legende Akira Kurosawa. Man könnte Eine Handvoll Dollar sogar als Western-Remake bezeichnen, aber die Rechte hatte man dazu eigentlich nicht.

Das führte zu einer Klage und einer Strafe, die für Kurosawa wohl ziemlich lukrativ gewesen sein wird.

Auch Zwei Glorreiche Halunken gilt als legendärer Film mit Clint Eastwood:

Eine Handvoll Dollar ist eigentlich ein Remake

Wie kam es zu einer Klage? Auch wenn Yojimbo eine Samurai-Geschichte erzählt, ähneln sich die Geschichten stark: Beide Filme haben einen namenlosen Protagonisten, der moralisch grau agiert. Beide landen in einer Stadt, die durch Kriminelle im Chaos steht. Sie mischen sich in die Angelegenheiten ein, aber ohne eine gänzlich heroische Absicht zu haben. Selbst einige Einstellungen im Film sollen übernommen worden sein.

Yojimbo hatte einen großen Einfluss, auch international, und war auch eine Inspirationsquelle für Eine Handvoll Dollar. Laut dem Filmhistoriker Stuart Galbraith IV. (via akirakurosawa.info), der mit The Emperor and the Wolf: The Lives and Films of Akira Kurosawa and Toshiro Mifune eine Biografie der beiden schrieb, schickte Kurosawa Leone einen Brief, in dem er sagte:

Signor Leone, ich habe gerade Ihren Film gesehen. Es ist ein sehr guter Film, aber es ist mein Film. Da Japan die Berner Übereinkunft zum internationalen Urheberrecht unterzeichnet hat, müssen Sie mir eine Vergütung zahlen.

Es kam zur Klage. Laut akirakurosawa.info soll man sich letztendlich außergerichtlich geeinigt haben. Kurosawa und das Studio hinter Yojimbo, Tōhō, sollen 15 % der Einnahmen von Eine Handvoll Dollar erhalten haben. Filmfoundation.org berichtet auch davon, dass man zusätzlich Distributionsrechte für asiatische Länder bekommen hat.

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Mein Produzent war nicht gerade der Hellste

Wie viel Geld hat Kurosawa letztendlich bekommen? Eine genaue Geldangabe ist nicht zu finden, Quellen wie akirakurosawa.info gehen aber davon aus, dass die Klage dem japanischen Regisseur mehr eingebracht hat als sein eigener Film Yojimbo.

1984 äußerte sich Sergio Leone in einem Interview mit American Film (via Scraps from the Loft) zum Thema und erklärte:

Mein Produzent [bei Eine Handvoll Dollar] war nicht gerade der Hellste. Er hatte vergessen, Kurosawa für die Rechte zu bezahlen, und Kurosawa hätte sich sicherlich mit sehr wenig zufrieden gegeben; so musste mein Produzent ihn hinterher reich machen und ihm Millionen an Strafzahlungen zahlen.

Sergio Leone

Leider findet man keine offiziellen Zahlen zu den Einspielergebnissen von Yojimbo, doch wenn die Aussage von Leone stimmt, ist es wohl ziemlich wahrscheinlich, dass die Strafzahlungen höher waren, als das Geld, das Kurosawa mit Yojimbo verdient hat, vor allem da das Filmstudio wohl die Mehrheit der Einnahmen des Films erhalten hat.

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Hätten sich die Macher hinter Eine Handvoll Dollar einfach die Rechte gesichert, hätte man sich wohl ein paar Millionen Dollar Strafe ersparen können. Nichtsdestotrotz gelten beide Filme als legendäre Werke. Auch George Lucas soll sich inspiriert haben: George Lucas soll für Star Wars bei einem Kultfilm geklaut haben, gibt zu, dass er sich bei 2 Figuren inspirieren ließ

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